Kunst-Stunden ohne Fachkenntnis

In Brandenburg wird das Fach Kunst im Schnitt zu 30 Prozent von nicht dafür ausgebildeten Lehrern unterrichtet.
In Brandenburg wird das Fach Kunst im Schnitt zu 30 Prozent von nicht dafür ausgebildeten Lehrern unterrichtet.

Echter Kunstunterricht kommt an vielen Schulen Brandenburgs zu kurz

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31. Januar 2016, 13:14 Uhr

An Brandenburgs Schulen sind 30 Prozent aller Lehrerwochenstunden im Fach Kunst im Schuljahr 2014/2015 nicht von ausgebildeten Kunstlehrern unterrichtet worden. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine „Kleine Anfrage“ der Grünen-Landtagsabgeordneten Marie-Luise von Halem hervor. Während an Gymnasien und Gesamtschulen fast immer Kunstlehrer im Einsatz waren, sei das Fach an Oberschulen nur zu 70 Prozent von Fachlehrern unterrichtet worden. An Grundschulen seien nur 60 Prozent aller Stunden in diesem Fach von Kunstlehrern unterrichtet worden, an Förderschulen nur 40 Prozent.

„,Jedes Kind und jeder Jugendliche hat Anrecht auf einen hochwertigen Kunstunterricht“, sagte von Halem. „Insbesondere der Umstand, dass es Brandenburg zwar an den Gymnasien und Gesamtschulen gelingt, den Bedarf abzudecken, jedoch nicht an den Oberschulen wirft Fragen auf.“ Dies zeuge von einer deutlichen Bildungsbenachteiligung."

Der CDU-Bildungsexperte und Prignitzer Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann betonte, dass der Kunstunterricht kein Einzelfall sei. „Es hakt ja auch bei LER und Musik“, so Hoffmann. „Es liegt daran, dass die Landesregierung sich beharrlich weigert, die Lehrerbildung an den Universitäten so zu steuern, dass wir endlich einmal die Lehrer ausbilden, die wir auch wirklich brauchen.“ Brandenburg würde seine Lehrer „seit Menschengedenken“ am tatsächlichen Bedarf vorbei ausbilden. „Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn man für die Fächer, wo man Lehrer braucht, keine geeigneten Kandidaten findet.“

„Die Situation ist in vielen Bundesländern schlecht“, beklagt Katja Frick vom Landesverband Brandenburg des Fachverbandes für Kunstpädagogik (BDK). In Brandenburg sei die Situation aber besonders schlimm, weil für angehende Lehrer das Schulfach Kunst nicht mehr studierbar sei. An der Universität Potsdam sei das Fach eingestellt worden. Wer es studieren wolle, müsse nun auf die Universität der Künste (UdK) in Berlin ausweichen.

Der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Florian Engels, erklärte gestern gegenüber dieser Zeitung, seit dem Schuljahr 2012/13 seien insgesamt 96 Absolventen mit dem Studienabschluss in Kunst als Referendare in den Vorbereitungsdienst an brandenburgischen Schulen aufgenommen worden. Davon unterrichten 11 Absolventinnen und Absolventen des Referendariats an Oberschulen. Zudem bemühe sich die Landesregierung darum, auch Quereinsteiger für den Kunstunterricht an Brandenburgs Schulen zu gewinnen.
 

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