Alte Bischofsburg : Kunst löst Krieg ab

Antje Zeiger, Museumsleiterin in den Kreismuseen „Alte Bischofsburg“ in Wittstock, zeigt ein Exponat der Triennale Mondiale de l’Estampe.
Antje Zeiger, Museumsleiterin in den Kreismuseen „Alte Bischofsburg“ in Wittstock, zeigt ein Exponat der Triennale Mondiale de l’Estampe.

Ausstellung zur Militärpräsenz bei Wittstock verlängert. Ihr folgt eine Schau mit 191 Grafiken aus 50 Ländern

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20. Januar 2016, 08:00 Uhr

So viel Leid der Krieg über die Menschen bringt – das Interesse an seiner Geschichte ist ungebrochen. Die Ausstellung „Sperrgebiet II“, die derzeit in den Kreismuseen „Alte Bischofsburg“ – die ja auch das Museum des Dreißigjährigen Krieges beherbergt – gezeigt wird, ist um mehrere Wochen verlängert worden.

Bis 7. Februar werden die Exponate des Soldatenalltags im Kreis Wittstock zu sehen sein. Dann bleibt gar nicht mehr viel Zeit für das Vorbereiten der nächsten Schau: die Triennale, die sich zeitgenössischer Kunst aus 50 Ländern – oft der so genannten Dritten Welt – widmet. Ihr Start ist bereits für den 20. Februar fest vorgesehen.

Es ist die insgesamt neunte Triennale Mondiale de l’Estampe, wie die Ausstellung im ganzen Wortlaut heißt – zu deutsch: „Internationale Kunstblatt-Triennale“. Wittstock zeigt sie aber zum achten Mal. Denn die Premiere dieser Kunstausstellung, die in Chamalières (Frankreich) ihren Ursprung hat, war noch vor dem Mauerfall – und seinerzeit noch nicht an eine Kooperation zu denken. Die kam dann in Wittstock erst nach der Wende über Kontakte zur Pariser Galeristin Lia Grambihler zustande.

„Sowohl die Themen als auch die Kunsttechniken sind sehr vielfältig“, umschreibt Museumsleiterin Antje Zeiger den Reiz, die Triennale nach Wittstock zu holen. Die Franzosen freuen sich – können sie doch ihrem Fördermittelgeber vorzeigen, dass die alle drei Jahre organisierte Ausstellung kein Selbstzweck ist, sondern bis in andere Länder ausstrahlt. Und die Besucher des Museums haben mal die Chance, den Kunst-Geist von Peruanern, Indern oder Zentralafrikanern kennenzulernen.

Ob naive Malerei oder Surrealismus, ob Aquafarben oder Holzschnitt, ob figürlich oder abstrakt – alles ist möglich für die Künstler, die für die Ausstellung ausgewählt wurden. Die einzige Eingrenzung für die Maler und Grafiker: Sie dürfen bei ihrer Arbeit die Größe eines Din-A 4-Blattes nicht überschreiten.

Insgesamt 191 Werke werden zu sehen sein. „In den Ausstellungen zuvor waren es bis zu 500“, sagt Antje Zeiger. Aber bei den Organisatoren in der Association Mouvement d’Art Comtemporain (AMAC, „Vereinigung der Bewegung zeitgenössischer Kunst“) habe es viele Wechsel in der Führungsebene gegeben. „Die neue Generation muss sich noch finden“, so Zeiger. Deshalb sei die Auswahl deutlich kleiner ausgefallen als in den Ausstel-lungsjahren zuvor.

Dass statt Bomben und Uniformen aus der Zeit der militärischen Präsenz in und um Wittstock nun Kunst zu sehen ist, ist nicht ungewöhnlich. Abgesehen von den regelmäßigen Schauen der Triennale zeigen die Kreismuseen auch immer wieder „Kunst in der Schule“. Alle weiterführenden Schulen des Landkreises nehmen daran teil. Zuletzt war das 2013 der Fall. Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein. „Im nächsten Jahr ist sie wieder dran“, sagt die Museumsleiterin. Voraussetzung sei, „dass die Schulen wieder mitspielen“, so Zeiger. Bislang haben sie es mit großem Eifer getan. Schließlich bieten die Kreismuseums-Räume für die wechselnden Ausstellungen die ideale Gelegenheit, Schülern eine Plattform zu bieten, die sie sonst kaum haben. „Und es profitieren oft Jungen und Mädchen, die in anderen Unterrichtsbereichen vielleicht nicht so gut sind“, so Zeiger.

Angesichts des Zuspruchs für die jetzt noch laufende Ausstellung bleibt eine Neuauflage der Präsentation zur Geschichte der militärischen Präsenz nicht unwahrscheinlich – zumal im Zuge dieser Schau neue Stücke für den Museumsfundus dazugekommen sind. So überreichte ein Finder dem Museum das Bruchstück eines 1974 zwischen Herzsprung und Fretzdorf abgestürzten Flugzeugs. „Das ist sehr selten, weil die Truppen akribisch alles eingesammelt haben“, sagt Zeiger. Schließlich sollte in den von Geheimniskrämerei geprägten Zeiten des Kalten Krieges nichts in falsche Hände geraten. Auch das massive Schild des Offizierskasinos in Schweinrich hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der die Kyritz-Ruppiner Heide gehört, kürzlich dem Museum überlassen. In die aktuelle Ausstellung konnten die Stücke nicht eingebaut werden – aber, wer weiß, vielleicht in einer nächsten.

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