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Bildungslandschaft Brandenburg : Künftig mehr Lehrer für die Inklusion

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bildungsminister stellt neues Konzept für gemeinsames Lernen vor

Die Inklusion an Brandenburgs Schulen soll weitergehen: In den kommenden zwei Schuljahren werden bis zu 162 Schulen am „Gemeinsamen Lernen“ von Kindern mit und ohne Behinderung teilnehmen. Bis 2019 will das Land dazu bis zu 432 Lehrerstellen schaffen. Das kündigte Bildungsminister Günther Baaske (SPD) gestern an. „Unser Ziel ist es, mehr Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten und Durchhalteproblemen einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung zu ermöglichen“, sagt Baaske. Etwa 2023 könnten dann alle Brandenburger Grund-, Ober- und Gesamtschulen das „Gemeinsame Lernen“ anbieten.

Zunächst soll der Ausbau der Inklusion an den Schulzentren erfolgen, bei denen Ober- und Gesamtschulen auch über eine Grundschule verfügen. Die Linken bezeichneten diese Einrichtungen auch als Gemeinschaftsschulen. Baaske betonte, die bisherigen Förderschulen blieben „weiter am Netz“. Sollten Förderschulen zu wenig nachgefragt werden, könnten Förderklassen an Schulzentren eingerichtet werden. Von den 16 376 Brandenburger Kinder und Jugendlichen, die derzeit mit sonderpädagogischem Förderbedarf Unterricht erhalten, werden derzeit 7782 im Rahmen der Inklusion betreut. 8594 besuchen eine Förderschule.

Die Opposition äußerte sich verhalten positiv. „Inklusion ist unter der früheren Ministerin Münch mit der Brechstange durchgesetzt worden. Minister Baaske geht umsichtiger vor“, sagte CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann. „Mit verantwortungsvoller Planung können wir es schaffen, dass alle Beteiligten – die Kommunen, die Eltern, Lehrer, Mitschüler – gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung oder Förderbedarf akzeptieren.“

Für die Akzeptanz sei entscheidend, dass die Schulen die richtige Ausstattung für die anspruchsvollen Zusatzaufgaben bekommen – genügend und gut ausgebildete Sonderpädagogen. „Wichtig ist, Sonderpädagogen für die individuelle Förderung im Unterricht einzusetzen. Bislang werden sie viel zu oft zur Bekämpfung von Unterrichtsausfall zweckentfremdet. Für uns steht fest: Förderschulen werden wir weiter brauchen.“

In der Theorie gebe es klare Vorgaben für gemeinsamen Unterricht: Die Klassen sollten höchstens vier Förderkinder haben und nicht größer als 23 Schüler sein. In der Praxis war jede dritte Klasse größer als dieser Richtwert.

Positiv äußerte sich Grünen-Bildungsexpertin Marie-Luise von Halem. „Es hat zwar lange gedauert, aber was Baaske jetzt vorlegt, ist ein gelungenes Konzept. Der Bildungsminister zieht die richtigen Schlussfolgerungen aus der Evaluation des Pilotprojektes Inklusive Grundschule und verfolgt mit der Freiwilligkeit der Schulen in einem wettbewerblichen Verfahren einen guten Ansatz.“ Dagegen erklärte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs, die Inklusion bleibe eine Herausforderung für das gesamte Bildungssystem. „Uns fehlen Sonderpädagogen und Sozialarbeiter“, sagte Fuchs. Schon heute würden Sonderpädagogen an Schulen als Vertretung eingesetzt. Das neue Konzept bleibe daher ein „ganz schwerer Weg.“  

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erstellt am 21.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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