Gastronomie in Potsdam : Kühle Drinks und leckerer Risotto

Ronny, einer der beiden Geschäftsführer der Bar Fritz’n in Potsdam, hat gerade den Cocktail Le Gurk (Gin, Holunderblüte, Apfel, Zitrone und Gurke) zur Lieferung nach Hause gemixt.
Ronny, einer der beiden Geschäftsführer der Bar Fritz’n in Potsdam, hat gerade den Cocktail Le Gurk (Gin, Holunderblüte, Apfel, Zitrone und Gurke) zur Lieferung nach Hause gemixt.

Essen „to go“ in Corona-Zeiten: Auf der Plattform „Potsdam liefert“ machen mittlerweile 70 Restaurants und Imbisse mit.

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15. April 2020, 05:00 Uhr

Die Stühle in der „Genusswerkstatt“ am Potsdamer Filmmuseum sind zur Sicherheit hochgestellt. Niemand soll in Corona-Zeiten in Versuchung kommen, sich setzen zu wollen. Das Restaurant ist geschlossen, doch in der Küche tut sich trotzdem etwas. Der Herd läuft, Töpfe und Pfannen stehen bereit. Es riecht nach Pasta und Pesto und würzigem Curry. Wie geht das? Für Restaurants und viele Geschäfte gelten derzeit strenge Regelungen, um die Ansteckungsgefahr zu verringern: Sie müssen schließen. Den gastronomischen Einrichtungen bleiben damit die Einnahmen weg. Doch Ausgaben bleiben. 90 Prozent der Betriebe der Branche in Brandenburg mussten bereits Kurzarbeit anmelden, so der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Brandenburg. Was tun? Der Potsdamer Marian Menzel betreibt eigentlich eine Veranstaltungs-Online-Plattform, die derzeit aber auch nicht gefragt ist. „Ich dachte mir, warum das System nicht auch für Potsdamer Restaurants nutzen, für die Lieferservice noch Neuland ist“, sagt er.

Am 18. März habe er die Plattform „Potsdam liefert“ mit zunächst einem Burger-Restaurant gestartet. Mittlerweile hätten sich 70 Restaurants und Imbisse gemeldet, aber auch eine Floristin, ein Schokoladen- sowie ein Seifenladen. Eine Eisdiele und ein Reifenservice seien seit kurzem dabei.

Gebucht wird nach seinen Angaben direkt über die Plattform, die auch informiert, ob geliefert wird oder abgeholt werden muss. Nebenbei sei das alles nicht zu leisten. Fünf Prozent des Umsatzes gehen nach Angaben von Menzel an ihn als Betreiber der Plattform, über die direkt gebucht wird.

Der Brandenburger Dehoga-Chef Olaf Lücke findet die Idee der Plattform gut, damit die Restaurants etwas Geld in die Kasse bekommen, um wenigstens Miete zahlen zu können. „Über ,Potsdam liefert’ können Unternehmen sich auch vernetzen und neue Angebote entwickeln“, sagt er. Eine ähnliche Initiative ist gerade in Berlin an den Start gegangen. Eine gemeinsame Plattform für das gesamte Flächenland Brandenburg hält Lücke nicht für sinnvoll. „Dazu seien die Angebote zu unterschiedlich und Lieferwege einfach zu weit“, sagt er.

In der Potsdamer „Genusswerkstatt“ seien sieben Mitarbeiter derzeit in Kurzarbeit, sagt Geschäftsführer Kay Fock. Da es aber irgendwie weiter gehen müsse, entschieden sie, in den Abholdienst einzusteigen. „Vor einem Jahr hätte sich das niemand gedacht“, sagt er. Jetzt werden für das Mittags- oder Abendgeschäft Penne mit Salsiccia, Risotto mit Parmesan und Trüffel oder andere Köstlichkeiten zubereitet, verpackt und an der Tür hinausgereicht. Besonders beliebt sei derzeit Pakistanisches Curry, kreiert von einem aus dem Land stammenden Mitarbeiter. „Die Gäste bekommen eine Auswahl aus unserer Speisekarte serviert“, sagt Fock. Ihn hat nach anfänglicher Skepsis überrascht, wie gut der Service ankommt.

Ein leerer Barraum, keine Gäste, kein Stimmengewirr: Für die Mitarbeiter in der „Bar Fritz'n“ in Potsdam ein ungewohntes Ambiente. Ohne Publikum geht es hinter dem Tresen dank der Plattform aber weiter. Geschäftsführer Ronny Rammelt hat 1000 Glasflaschen von 0,2 cl bis 0,7 Liter bestellt, die nach Gebrauch durch die Spülmaschine laufen. „Online können die Gäste dann ihre Drinks bestellen“, sagt er. Es arbeitet ein eingespieltes Team: Ein Mitarbeiter mixt und füllt das Getränk in die Flasche, ein anderer klebt ein Etikett rauf, der nächste befestigt Obst oder andere Dekoration in einem kleinen Beutel. „19 Drinks wurden von der Karte ausgewählt“, sagt Rammelt. Der Gast müsse zuhause nur alles in ein Glas füllen, sich am mitgelieferten Eis bedienen, und alles auf dem Sofa genießen.

Am häufigsten bestellen die Gäste „Le Gurk“, ein Getränk auf Ginbasis mit frischen Gurkenscheiben. „Uns haben über die Plattform Gäste entdeckt, die bislang nicht zu uns kamen“, freut sich Rammelt.

Der Lieferservice für Drinks ist für Rammelt möglicherweise eine Option auch für die Zeit nach Corona. Auch Fock denkt darüber nach, in der „Genusswerkstatt“ weiter Essen zum Mitnehmen anzubieten.

Menzel will seine Plattform dann einstellen und sich wieder seinem normalen Geschäft widmen.

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