Staatsanwaltschaft Frankfurt : Kriminelle Banden werden immer flexibler

Peter Sostaric, Abteilungsleiter für grenzüberschreitende Kriminalitätsbekämpfung bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), betont, man laufe den Banden derzeit sozusagen hinterher.
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Peter Sostaric, Abteilungsleiter für grenzüberschreitende Kriminalitätsbekämpfung bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), betont, man laufe den Banden derzeit sozusagen hinterher.

Frankfurter Strafverfolger wollen die zentrale Zuständigkeit im Land Brandenburg für grenzüberschreitende Kriminalität

svz.de von
29. Juni 2016, 05:00 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat es mit immer flexibler agierenden ausländischen Banden zu tun, die vor allem aus Polen und Litauen kommen. Um deren Strukturen effektiver aufklären zu können, fordert sie die zentrale Zuständigkeit im Land für den Bereich grenzüberschreitender Kriminalität.

Heute Autodiebstähle nahe der Grenze, morgen vielleicht Wohnungseinbrüche im Berliner Speckgürtel, einige Wochen später der Diebstahl von Solarmodulen – „Die Banden stehlen das, was sich gerade am besten zu Geld machen lässt und suchen sich immer neue Geschäftsfelder.“ Auf dieses Phänomen der Kriminalitätsentwicklung verwies gestern der Abteilungsleiter für die grenzüberschreitende Kriminalitätsbekämpfung bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder), Peter Sostaric.

Die aus sechs Staatsanwälten, darunter auch ein gebürtiger Pole, bestehende Ermittlungsgruppe kann für das vergangene Jahr auf erhebliche Erfolge verweisen: Man habe knapp 500 Verfahren gegen 649 Beschuldigte eingeleitet, darunter bildeten 470 polnische und 69 litauische Staatsbürger die größten Gruppen. Im gleichen Zeitraum seien 305 Personen verurteilt worden, davon 176 zu Haftstrafen mit Bewährung und 81 zu Strafen ohne Bewährung.

„Da wir bisher nur die landesweite Zuständigkeit für den grenzüberschreitenden Autodiebstahl haben, laufen wir den Banden sozusagen hinter“, räumte Sostaric ein. Da bei Wohnungseinbrüchen die gleichen DNA-Spuren von Tätern ermittelt wurden, die zuvor schon von Autodiebstählen bekannt waren, verfüge man über gesicherte Erkenntnisse, dass es sich um die gleichen Banden handele. „Einem Kurierfahrer ist es letztlich egal, ob er mit einem gestohlenen Pkw, dem Diebesgut aus Wohnungen oder gestohlenen Solarmodulen über die Grenze fährt“, sagte Sostaric. In der Kriminalistensprache würden solche Banden als „Mobile Organised Crime Groups“ (mobile Banden) oder „Wanderkriminelle“ bezeichnet.

Um diesen Tätern noch effektiver auf die Schliche zu kommen, habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) jetzt dem Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft den Vorschlag unterbreitet, die Verfolgung der gesamten grenzüberschreitenden Kriminalität in Frankfurt zu konzentrieren. „Bei der Polizei ist das beim Landeskriminalamt in Eberswalde bereits geschehen“, betonte der Chef der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Helmut Lange. Beide Ermittler unterstrichen, dass man auch durch die gute Zusammenarbeit mit polnischen Behörden auf die Erkenntnisse gestoßen sei. Da sich die ausländischen Banden nicht an den Grenzen von Bundesländern orientierten, stieße man bei Ermittlungen auf immer mehr Straftaten, die in anderen Regionen Deutschlands verübt wurden. 

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