Modellversuch Brandenburg : Krankenschwestern an den Schulen

Die Qualifizierung soll im Herbst beginnen und Anfang 2017 das Projekt starten

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11. Juni 2016, 05:00 Uhr

Bildungsminister Günter Baaske (SPD) hat mit der AOK ein Modellversuch ausgehandelt, in den kommenden Jahren den Einsatz von Schulkrankenschwestern an brandenburgischen Schulen zu erproben. Die Qualifizierung soll im Herbst beginnen und Anfang 2017 das Projekt starten.

In den nächsten drei Jahren soll an zehn Schulen getestet werden, ob ein sogenanntes Gesundheitspersonal sich bewährt. Die Schulträger werden zur Zeit angeschrieben. Beteiligt werden sollen Grundschulen, Oberschulen und ein Oberstufenzentrum. Baaske verspricht sich davon einen guten Schritt hin zu mehr Prävention.

„Die Schulkrankenschwestern können an den Schulen eine sehr gute Arbeit leisten – und vielleicht auch über eine akute Hilfe mit Verbandszeug und Pflaster hinaus segensreich wirken“, sagte der Minister.

Die Berliner Charité soll das Projekt wissenschaftlich begleiten. Die AOK übernimmt laut Baaske 90 Prozent der Kosten des Modellversuches. Auch die Arbeiterwohlfahrt, die zunächst eine Vorstudie erstellte, und die Unfallkassen beteiligen sich.

Auf Zuspruch stößt das Vorhaben bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften. Laut Landesvorsitzendem Günter Fuchs ist therapeutisches Personal wichtig. Wenn es beispielsweise darum gehe, Medikamente zu verabreichen, müssten Lehrer entlastet und aus der Haftung genommen werden.

Angesichts von zunehmenden chronischen Erkrankungen und Entwicklungsdefiziten könnten die Schwestern Eltern und Lehrer sinnvoll unterstützen, sagt die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Kathrin Dannenberg. Auch die Bildungsexpertin der Grünen, Marie-Luise von Halem, begrüßt die Idee. In Skandinavien habe sich das bewährt. Sie plädiert dafür, an Schulen Kompetenzteams aus Sozialarbeitern, Schulpsychologen und Gesundheitsmitarbeitern aufzubauen.

Skeptisch zeigt sich dagegen der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann. Er wendet sich nicht direkt gegen die Erprobung, verweist aber darauf, dass in Skandinavien die Schwestern ganz andere medizinische Kompetenzen haben als in Deutschland. Mehr Sonderpädagogen oder Schulpsychologen hält er für sinnvoller.

Auch die SPD-Abgeordnete Britta Müller ist skeptisch, dass mit dem Modellversuch zu hohe Erwartungen geweckt werden könnten.

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