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potsdam : Krankenhaus auf Expansionskurs

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ernst-von-Bergmann-Klinik will sich in Forst einkaufen - Kritiker befürchten Nachteile für Patienten und Mitarbeiter.

Die Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinik setzt ihre Einkaufstour fort. Noch sind zwar nicht alle Würfel gefallen. Doch inzwischen sind die Chancen sehr hoch, dass das städtische Krankenhaus in Forst (Spree-Neiße) bald zum Klinikum in Potsdam gehört. Jüngst stimmte die Stadtverordnetenversammlung der Landeshauptstadt für den Erwerb der Mehrheitsanteile. Nun liegt es nur noch an den Forstern. Die dortigen Stadtverordneten sind aufgerufen, am 17. Februar über den Verkauf abzustimmen. Ein Ja gilt als sicher. Immerhin sind die Forster seit Jahren auf der Suche nach einem strategischen Partner – zuletzt mithilfe einer europaweiten Ausschreibung.

Der Landtagsabgeordnete Jens Lipsdorf steht der geplanten Krankenhaus-Ehe dennoch skeptisch gegenüber. Er befürchtet ein Ausbluten der Forster Klinik. „Die Verantwortlichen dürfen sich nicht von schönen Floskeln der Unternehmensgruppe des Ernst-von-Bergmann-Klinikums blenden lassen“, warnt der FDP-Politiker. Lipsdorf bezieht sich auf eine Mitteilung aus dem Potsdamer Rathaus, in der es heißt, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Klinik-Konzerns durch die Eingliederung des Forster Krankenhauses gestärkt werden soll. Genannt werden etwa eine Erweiterung des „Patienteneinzugsgebietes“ durch die Verlegung von Patienten mit komplexen Erkrankungen nach Potsdam. „Das bedeutet, dass alle Strukturen, die nötig sind, um in Forst mehr als einen Schnupfen zu behandeln, abgebaut werden“, meint Lipsdorf. „Dass die Wettbewerbsfähigkeit des Potsdamer Klinik-Konzerns gestärkt werden soll, heißt übersetzt: Wir holen raus, was zu holen ist, und kürzen Stellen in Forst, bis es für uns rentabel ist.“

Der Forster Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP) kann die Aufregung nicht nachvollziehen. In der angestrebten Partnerschaft gehe es ja gerade um Arbeitsplatzsicherung, sagt er. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass es gewisse Änderungen in der Arbeitsplatzstruktur gibt, räumt Goldschmidt ein. Zugleich verspricht sich der Rathaus-Chef einen Know-how-Transfer aus Potsdam – „sowohl im ärztlichen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich“.

Weniger positiv werden die Pläne im Carl-Thiem-Klinikum (CTK) in Cottbus gesehen. Zwischen dem Haus und der Klinik in Forst besteht eine langjährige Zusammenarbeit. „Seit Februar 2010 wurde auch auf Gesellschafterebene beraten, wie eine mittel- und langfristige Kooperation zustande kommen könnte“, betont CTK-Aufsichtsratsvorsitzender Holger Kelch. „Leider ohne Ergebnis.“ Hjalmar B. Steinhauer, der ärztliche Direktor des CTK, warnt: „Die Forster Pläne führen zu keiner Stärkung des Gesundheitswesens in Südbrandenburg.“ Und CTK-Geschäftsführer Till Frohne ist der Ansicht, dass das bestehende Netzwerk zwischen beiden Häusern nun gefährdet ist. „Wir hoffen, dass die Forster Stadtverordneten und der Bürgermeister sich der Tragweite einer Übernahme der Mehrheitsanteile des Krankenhauses durch Potsdam bewusst sind“, sagt er. „Ist im Ernst geplant, dass Forster Patienten zur Behandlung nach Potsdam fahren müssen?“

51 Prozent wollen die Potsdamer von den Forstern übernehmen. Der Kauf soll zwei Millionen Euro kosten. Zudem sollen die Potsdamer in den nächsten Jahren eine Million Euro in das neue Tochterunternehmen investieren. Der seit 2002 mit dem gemeinnützigen Klinikum „Ernst von Bergmann“ GmbH als Muttergesellschaft formierte Krankenhauskonzern ist profitabel. 2012 stieg der Jahresüberschuss auf 4,56 Millionen Euro. Zu den jüngeren Erwerbungen und Investitionen zählen eine Mehrheit am Johanniter-Krankenhaus in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) und die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Klinikum Westbrandenburg GmbH mit dem städtischen Klinikum Brandenburg (Havel).

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