Schloss Ziethen : Kranichzug mit Froschkonzert

Lichtdurchflutet: Schlossherr Rafael von Thüngen-Reichenbach sitzt im schönsten Raum von Schloss Ziethen in Oberhavel – in der Orangerie. Während einer Hochzeitsfeier wird dort das Essen für die Gäste serviert.
Lichtdurchflutet: Schlossherr Rafael von Thüngen-Reichenbach sitzt im schönsten Raum von Schloss Ziethen in Oberhavel – in der Orangerie. Während einer Hochzeitsfeier wird dort das Essen für die Gäste serviert.

Auf Schloss Ziethen im Landkreis Oberhavel werden Hochzeiten manchmal zum Naturschauspiel

svz.de von
18. August 2016, 05:00 Uhr

Brandenburg traut sich wieder. Selten war die Zahl der Eheschließungen mit fast 13 000 Paaren im Jahr so hoch wie heute. Um den Tag zum schönsten im Leben werden zu lassen, muss viel organisiert werden. In einer Serie stellen wir Ihnen besondere Orte vor, wo die Hochzeit zum Erlebnis wird.

Wer auf Schloss Ziethen heiratet, kann sich die Hochzeitskutsche sparen. „Die Wege bei uns sind so kurz, da werden nicht mal die Pferde warm“, sagt Schlossherr Rafael von Thüngen-Reichenbach. Gleich schräg gegenüber vom Schloss befindet sich die neogotische Dorfkirche für konfessionelle Trauungen. Wer sich standesamtlich oder in freier Zeremonie trauen lassen möchte, muss das Grundstück erst gar nicht verlassen. Die Paare können dann zwischen einem barocken Salon oder einem schattigen Trauplatz unter Eichen im Schlosspark wählen. Dort machen die Frösche im Frühjahr aber dermaßen Radau, dass man manchmal den Trauredner nicht versteht.

Wie man sich letztlich auch entscheidet, das efeubewachsene Schloss Ziethen bietet zu jeder Jahreszeit eine würdevolle Umgebung für den schönsten Tag im Leben. Die Anlage befindet sich rund 30 Kilometer nordwestlich vom Berliner Zentrum bei Kremmen, im winzigen Ortsteil Groß-Ziethen mit nur 200 Einwohnern. Provinzialität sucht man aber vergebens: „Viele Berliner heiraten hier“, erklärt Rafael von Thüngen-Reichenbach. „Wir hatten aber auch schon Brautpaare aus Australien und Japan.“

Seine Familie, die ursprünglich aus Bayern stammt, bewirtschaftet Schloss Ziethen seit 1994. Damals hatte seine Mutter Edith ein angemessenes Haus im Umkreis von Berlin gesucht – und war in Oberhavel fündig geworden. Nach einer umfassenden Sanierung läuft nun seit fast 20 Jahren der Hotel-, Restaurant- und Hochzeitsbetrieb. „Pro Jahr haben wir rund 30 bis 40 Trauungen“, sagt von Thüngen-Reichenbach, der seit fünf Jahren selbst im Schloss lebt und Geschäftsführer der Betreiberfirma ist.

Wichtig sei ihm, dass in seinem Haus eine intime Atmosphäre für das Brautpaar und dessen Gäste entsteht. Massenbetrieb gibt es im Schloss Ziethen nicht. „Wir haben nur eine Trauung pro Tag“, sagt von Thüngen-Reichenbach. Ab einer gewissen Gästezahl hat man sogar das gesamte Schloss für sich. Insgesamt sind Feiern mit bis zu 120 Personen möglich. Übernachtungsmöglichkeiten finden sich in 44 Zimmern in den oberen Etagen des Schlosses und einem Nebengebäude.

Kulinarisch werden die Hochzeitsgäste von Küchenchef Matthias Lingner verwöhnt, der großen Wert auf saisonale und regionale Zutaten legt. Sein Arbeitsplatz ist einmalig: Im Schloss befindet sich die älteste Küche Brandenburgs. Schon im 14. Jahrhundert wurde dort blanchiert und gebraten. Damals ließ die märkische Adelsfamilie von Bredow die ersten Gebäude des Schlosses errichten. Später wurde die Grundsubstanz im barocken Stil überbaut zu ihrer heutigen Form.

Im 20. Jahrhundert kamen noch zwei Türme dazu. So bietet das Schloss Ziethen seinen Hochzeitsgästen heute mehrere barocke Säle sowie eine wunderbar lichtdurchflutete Orangerie mit einer Deckenhöhe von über vier Metern, in der das Hochzeitsessen eingenommen wird. Nach dem Schmaus bietet Rafael von Thüngen-Reichenbach Fackelzüge durch den rund drei Hektar großen Schlosspark an, ehe für die Abendgestaltung in den benachbarten Tanzsaal umgezogen wird, einem weiteren Nebengebäude des Schlosses, wo die Gäste auch bis in die Morgenstunden ungestört feiern können.

Rund ein Jahr im Voraus sollte man einplanen, wenn man auf Schloss Ziethen im Sommer heiraten möchte. In den anderen Jahreszeiten finden sich einfacher Termine. Rafael von Thüngen-Reichenbach persönlich schätzt Hochzeiten im Winter: „Es ist sehr romantisch, wenn überall im Schloss die Kerzen brennen“. Am schönsten sei es aber zwischen September und November. Dann fliegen jeden Abend mehrere Tausend Kraniche über das Areal. „Wir sind hier direkt in einem der größten Landegebiete von Kranichen in Westeuropa“, sagt der 50-Jährige. „Sie glauben gar nicht, was das für ein einmaliges Naturschauspiel ist.“  

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