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Uckermark : Kranich Paulinchen aufgepäppelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rund 9000 Kranich-Paare ziehen in jedem Frühjahr nach Deutschland zum Brüten. Doch manche Tiere können die Reise nicht antreten

Beate Blahy und ihr Mann Eberhard Henne haben einen Vogel. Er - oder besser gesagt sie – ist ziemlich scheu und lebt bei ihnen im Gewächshaus auf einem einsamen Gehöft nahe Greiffenberg (Uckermark). Seit neun Wochen päppeln die beiden Naturschützer ein etwa sieben Monate altes Kranich-Mädchen auf. Es hat den Namen Paulinchen bekommen. Ein gebrochenes Bein verhinderte, dass der Jungvogel mit seinen Eltern zum Überwintern gen Süden fliegen konnte. „Wir haben das Bein vom Tierarzt schienen lassen, in der Hoffnung, dass es wieder zusammen wächst“, sagt der frühere Brandenburger Umweltminister Henne.

Doch vergeblich. Als die Schiene abgenommen wurde, war es nicht geheilt. „Vogelknochen sind hohl. Die wenigen Blutgefäße wurden beim Bruch durchtrennt“, erklärt Blahy. Sich auf nur einem Bein zu bewegen, sei ein langer Lernprozess. Der junge Kranich gerät häufig noch ins Taumeln. Dennoch soll Paulinchen im Frühjahr möglichst wieder ausgewildert werden. Klappt das nicht, muss sie wohl bei den Zieheltern bleiben.

Im Februar werden die ersten Kraniche aus dem Süden in Deutschland wieder zurück erwartet, sagt Günter Nowald, Leiter des Kranichinformationszentrums Groß Mohrdorf (Mecklenburg-Vorpommern). Die Zahlen seien seit Jahren stabil, da es bessere Lebensbedingungen als noch vor 20 Jahren gebe. In renaturierten Feuchtgebieten finden die Vögel Futter, Schutz vor Fressfeinden und können ihren Nachwuchs aufziehen.

Paulinchen war von einem Fischer zu dem Paar gebracht worden. Beide haben schon mehrfach Küken und Jungvögel groß gezogen und verletzte Exemplare gesund gepflegt. „Wir sind in der Brandenburger Landesarbeitsgruppe Kranichschutz engagiert“, erzählt Blahy, die in der Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin arbeitet. „Kraniche sind so wundervolle Tiere, da wird man zwangsläufig zum Fan“, erklärt sie.

Beide Naturschützer geben leicht trillernde Laute von sich, wenn sie sich ihrem äußerst schreckhaften Schützling nähern. „Das ist Kranisch. Ist kein Fremder dabei, antwortet Paulinchen uns auch so“, sagt der Hausherr.

Brandenburg gehört zu einem der wichtigsten Brut- und Rastgebiete für Kraniche. Zum Abflug Richtung Süden in das Winterquartier in Spanien treffen sich zeitweise im Herbst Zehntausende Tiere an den Rastplätzen.

Doch inzwischen entscheiden sich auch Kraniche immer häufiger, auf den kräftezehrenden Flug nach Spanien zu verzichten. Sie überwintern in Brandenburg, vor allem, wenn sie genug Futter finden. „Das sind die ersten Folgen des Klimawandels“, erklärt die 61-jährige Veterinärmedizinerin.

Auch aus Sicht von Kranich-Experte Nowald ist der Klimawandel für die Vögel ein großes Problem. „Feuchtgebiete trocknen aus, die Tiere finden weniger Futter und der Nachwuchs bleibt aus“, warnte er.

Gefahr droht aber auch von Freileitungen. „Entweder brechen sie sich Beine und Füße oder aber die Flügel“, sagt Blahy.

Im Spätherbst vergangenen Jahres war die Verdrahtung vermutlich einem Kranich zum Verhängnis geworden. Bernd – so hatten ihn Anwohner getauft – war wochenlang an der Landstraße zwischen Mürow und Frauenhagen (Uckermark) hin und her gelaufen. „Am linken Flügel hatte er keine Handschwingen mehr, die er zum Fliegen braucht“, erzählt Blahy. Er hielt sich an der Straße auf, weil dort seine Partnerin überfahren wurde. Inzwischen ist Bernd aber verschwunden. Vermutlich wurde auch er ein Verkehrsopfer.  

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