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Highland Games in Fürstenwalde : Kräftemessen im Schottenrock

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ab heute Brandenburger Highland Games in Fürstenwalde. Daniel Dorow aus Fürstenwalde ist der erfolgreichste Deutsche

Der blonde junge Mann im rot-schwarz-karierten Schottenrock schultert einen etwa 50 Kilogramm schweren und mehr als fünf Meter langen Baumstamm. Dann richtet er den Koloss senkrecht auf, balanciert ihn eine Weile und wirft ihn schließlich in die Höhe. Der Baumstamm schlägt in der Luft einen Purzelbaum und kommt senkrecht wieder auf dem Boden auf. Kraftsportler Daniel Dorow aus Fürstenwalde (Oder-Spree) atmet schwer, der Schweiß fließt in Strömen – doch er nickt zufrieden.

Die Königsdisziplin der schottischen Highland Games hat der 28-Jährige sauber ausgeführt. Eigentlich nicht verwunderlich, ist er doch der amtierende Amateur-Weltmeister in dieser Sportart. Er hat sich den Titel im vergangenen Jahr in Norwegen gesichert. „Daniel Dorow ist in der Tat aktuell der erfolgreichste Deutsche bei den Highland Games“, bestätigt Jürgen Stickelbrock, Chef des Deutschen Highlandgames Verbandes (DHGV).

Das Können des Fürstenwalders ist Ergebnis jahrelangen, harten Trainings: Zwei- bis dreimal die Woche stemmt er Gewichte im Fitnessstudio. Dazu kommen Wurfeinheiten auf dem Trainingsplatz und Konditionstraining. „Die richtige Kombination von Kraft und Technik bringt den Erfolg. Dafür muss ich pro Woche 10 bis 15 Stunden einplanen“, sagt der selbstständige Immobilienverwalter.

Zu dem schottischen Rasensport kam der 1,90-Meter-Mann vor zehn Jahren durch seinen Vater Hans-Dieter Dorow. Der Kraftsport liebende 57-Jährige hatte irgendwann genug vom eintönigen Gewichtestemmen im Fitnessstudio und fand eine abwechslungsreiche Alternative, die auf keltische Traditionen des 11. Jahrhunderts zurückgeht. Damals trafen sich schottische Clans regelmäßig, um die Stärksten und Geschicktesten unter sich zu ermitteln.

Heutzutage gibt es jährlich rund 100 Highland Games in Schottland. Gekämpft wird auch an der Spree nach schottischem Regelwerk – mit Steinkugeln, Gewichten, Baumstämmen und in traditioneller Wettkampfkleidung – dem schottischen Kilt. Dorow senior gründete den Fürstenwalder Verein „Stone Walker“ mit aktuell acht Aktiven. „Wir halten mehrere Rekorde und Meistertitel.“

Die ersten Brandenburgischen Highland Games organisierte der Verein 2009. „Wir wollen diese Randsportart auch in Deutschland gesellschaftsfähig machen“, lautet das Ziel der Fürstenwalder. Auch Dorow senior ist Weltmeister – bei den Masters, der Altersklasse über 40 Jahren. „Wir sind keine Freizeitsportler, sondern sehr leistungsbezogen“, erläutert er.

Verteidigen müssen Vater und Sohn ihre Titel nicht. Doch Daniel hat als Amateur-Sieger laut Regelwerk die Chance, in die Profiliga aufzusteigen. Dazu tritt er im Juni bei den Profi-Weltmeisterschaften in Kanada an. „Da kannst du, wenn du erfolgreich bist, richtig Geld verdienen“, sagt der Familienvater.

Er weiß, dass er dafür „ständig am Ball bleiben“ muss. Vater Dorow wird auch in Kanada an seiner Seite sein, er tritt bei der Weltmeisterschaft der Masters an.

Zu erleben sind Hans-Dieter und Daniel Dorow sowie weitere Stone-Walker aber zunächst von heute bis Sonntag im Rahmen des Fürstenwalder Stadtfestes. Dann sind die muskelbepackten Sportler Ausrichter der 7. Brandenburgischen Highland Games. Gewetteifert wird in acht Disziplinen, streng nach den Regeln des klassischen schottischen Rasensports. „Wir richten die diesjährigen Europameisterschaften der International Highland Games Federation aus und erwarten rund 50 Athleten aus zehn Ländern“, erklärt Dorow senior. Der Schiedsrichter komme aus Schottland, auch das Kampfgericht sei international besetzt. „Da wird wirklich Spitzensport gezeigt“, sagt Stickelbrock. In Deutschland gibt es laut Verband etwa 50 bis 100 Athleten, darunter zehn Frauen.

Zum Begleitprogramm in Fürstenwalde gehören Dudelsack- und Pipe-Musik sowie klassische irische Speisen. „Diese kraftvollen Wettkämpfe sind ein echter Publikumsmagnet und bisher einmalig in der Mark. Die Stone-Walker verbinden Sport und Kultur, da gucken die Leute gern zu“, freut sich Fürstenwaldes Stadtsprecherin Annegret Trilling.

Jeanette Bederke

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