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Umstritten : Kostenloses Wasser für alle

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Aus der Redaktion des Prignitzers

In zahlreichen Ländern der Welt gehören sie längst zum Stadtbild. Nun forciert auch der Bundestag im Interesse von Volksgesundheit und Umweltschutz den Aufbau von kostenlosen Trinkbrunnen. In Brandenburg stoßen die Pläne auf ein geteiltes Echo.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 07:54 Uhr

In zahlreichen Ländern der Welt gehören sie längst zum Stadtbild. Nun forciert auch der Bundestag im Interesse von Volksgesundheit und Umweltschutz den Aufbau von kostenlosen Trinkbrunnen. In Brandenburg stoßen die Pläne auf ein geteiltes Echo.

Unscheinbar sieht er aus, ein bisschen wie ein Feuerwehrhydrant, der gusseiserne Trinkbrunnen im Stadtpark von Brandenburg/Havel. Im Jahre 2009 hat ihn die örtliche Wassergesellschaft BRAWAG dort aufgestellt und damit Pionierarbeit geleistet. „Wir fühlten uns dazu berufen“, sagt Harm Schenk, Technischer Leiter bei der BRAWAG, über die Motive. Er ist bislang einer von ganz wenigen Trinkbrunnen im Land, nicht zu verwechseln übrigens mit den üblichen Deko-Brunnen in den Städten, in denen das Leitungswasser im Kreis fließt und deshalb nicht zum Verzehr geeignet ist.

In Berlin gibt es immerhin schon 20 Trinkbrunnen. Am Potsdamer Hauptbahnhof soll im Laufe des Jahres der zweite in der Landeshauptstadt eingerichtet werden. Und nach dem Willen des Bundestags, der im Herbst 2013 eine Petition dazu absegnete, sollen es bald überall mehr werden. Vorbild sind die Niederlande, wo 2012 auf Kosten der Gemeinden Hunderte Brunnen mit Wasserhähnen aufgestellt wurden. Erklärtes Ziel ist dort, das Übergewicht in der Bevölkerung zu reduzieren. Denn Wasser ist deutlich gesünder als gezuckerte Getränke.

Der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds begrüßt die Pläne. Ein Hingucker könnten die Brunnen sein, ein guter Service für Einwohner und Touristen sowie ein Plädoyer für den Verbleib der Wasserversorgung in kommunaler Hand und nicht zuletzt ein Beitrag zum Umweltschutz, schwärmt Gerd Landsberg. Denn wenn mehr aus Hähnen getrunken wird, fällt weniger Plastikmüll an. Die entstehenden Kosten hält er für unproblematisch. „Von zwei, drei Brunnen geht keiner Pleite.“ Landsbergs Kollege auf Brandenburger Ebene ist sich da nicht so sicher. „Haben wir denn keine anderen Probleme?“, fragte sich Karl-Ludwig Böttcher, als er erstmals von dem Vorstoß in Sachen Brunnen hörte. „Das ist teuer und passt nicht zur angespannten finanziellen Situation vieler Kommunen“, findet der Chef des Brandenburger Städte- und Gemeindebunds.

Im Gesundheitsministerium in Potsdam hat man sich bereits intensiv Gedanken über das Thema gemacht. Denn der Petitionsausschuss des Bundestags hatte „die Intention der Eingabe aus gesundheitlicher Sicht ausdrücklich begrüßt“ und dann zuständigkeitshalber an die Länder weitergereicht. Die Analyse des Brandenburger Ministeriums fällt nun negativ aus. Es spreche nichts gegen den Genuss von Leitungswasser, heißt es zurückhaltend. Dem gegenüber würden aber Kosten stehen. „Der Betrieb eines solchen Brunnens ist mit erheblichen Aufwendungen verbunden“, warnt das Gesundheitsministerium in seiner Stellungnahme zur Petition – ohne konkrete Zahlen zu nennen. „Eine kostenlose Bereitstellung von Trinkwasser über Trinkbrunnen oder Wasserspender wird daher über ein Umlageverfahren durch die Allgemeinheit zu tragen sein“, heißt es weiter. Die Schlussfolgerung lautet: „Eine besondere Anregung oder Initiative zur Schaffung von Trinkbrunnen im öffentlichen Raum ist nicht vorgesehen.“

Die BRAWAG in Brandenburg/Havel indes hat ihren Brunnenbau bislang nicht bereut. „Er wird gut angenommen, auch weil er mitten in der Stadt und leicht zugänglich ist“, sagt der Technische Leiter. Radfahrer und Fußgänger würden hier Station machen. „Genau so soll es sein, wenn die Anwohner das Wasser eimerweise holen würden, wäre uns das gar nicht recht“, erklärt Harm Schenk. Schließlich lebe man vom Wasserverkauf. Die Kosten eines Brunnens seien überschaubar. „Da kann man schon für 3000 Euro pro Stück was Gutes machen“, sagt Schenk. Wie hoch die Wartungskosten des Brandenburger Brunnens seien, kann er nicht sagen. Wie auch den Berliner Wasserbetrieben geht es der BRAWAG um Imagepflege für das eigene Unternehmen und um Werbung für den Konsum von Leitungswasser auch in den eigenen vier Wänden. „Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel“, predigt Harm Schenk von der BRAWAG. Außerdem koste es so gut wie nichts, erspare das Wasserkistenschleppen und verringere das Müllaufkommen.

Aus diesen Leitsätzen hat übrigens die Berliner Leitungswasser-Initiative „a tip: tap“ einen einprägsamen Slogan geformt: „Stell dir vor, du könntest mit Geiz und Faulheit einen Beitrag zur Rettung der Welt leisten.“

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