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Showpferde in Brandenburg : Kosakenreiten und Bogenschießen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tiere, die schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, bildet Christian Scholle-Prestin zu Showpferden aus

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 04:30 Uhr

Wenn sich Christin Scholle-Prestin aus Müncheberg (Märkisch-Oderland) auf einen Pferderücken schwingt, wird Beobachtern schnell klar: Der Typ hat Ahnung. Der 43-Jährige schießt während des rasanten Ritts mit Pfeil und Bogen auf drei hölzerne Scheiben - und trifft auch noch.

„Das ist eine hohe Kunst, denn du musst schießen, wenn das Pferd mit allen vier Hufen gerade in der Luft schwebt“, sagt Bernd Eccarius, Leiter des Heimatmuseums in Bernau (Barnim). Jedes Jahr im Juni ist er Cheforganisator des Bernauer Hussitenfestes, einer Zeitreise ins Mittelalter mit vielen Reitern. Scholle-Prestin, der vor wenigen Jahren Weltmeister im berittenen Bogenschießen wurde, gehörte mehrfach zu den Darstellern. Er beherrscht auch das Axt- und Messerwerfen vom Pferderücken aus.

Dabei ist Scholle-Prestin nicht etwa ausgebildeter Stuntman oder studierter Pferdeflüsterer, sondern ein Autodidakt, von Haus aus Computerspezialist. Auf dem vom Großvater geerbten Grundstück am Rande von Müncheberg schuf er nebenbei einen Ort für kranke und geschundene Pferde, die niemand mehr haben wollte.

Eigentlich hatte er vor Jahren nur Reiten gelernt, „um den Mädels zu imponieren“, wie er bekennt. Rund zwei Dutzend Pferde verschiedener Rassen rettete der Müncheberger inzwischen vor dem Schlächter. Er trat mit ihnen in selbst entwickelten Shows auf, um den Beweis anzutreten, dass die Tiere noch längst nicht zum alten Eisen gehören. „Wir sind also kein Gnadenhof im herkömmlichen Sinn. Unsere Pferde verdienen sich ihr Futter“, erläutert der dreifache Vater.

Der schwarze Fritz, inzwischen über 30 Jahre alt, war so ein vermeintlich hoffnungsloser Fall. Das Voltigierpferd warf plötzlich die auf ihm trainierenden Kinder ab. Mit Ruhe und Geduld baute Scholle-Prestin neues Vertrauen zu dem mächtigen Warmblut auf, das ihm seitdem bei vielen Showauftritten ein treuer Partner war. „Wir flüstern auf unserem Hof nicht nur mit Pferden, sondern hören ihnen auch zu“, verrät der Reiter, der seine Haare selbst zum Pferdeschwanz gebunden trägt. In Stunts für Film, Fernsehen und Werbeaufnahmen hat sich sein Erfolgsrezept bereits bewährt. Aktuell probiert er es an zwei Ponys aus, die laut Scholle-Prestin „komplett unerzogen“ sind. Die Tiere stammen aus einem Heimattiergarten, der geschlossen wurde.

„Christian konnte mal wieder nicht nein sagen“, stöhnt Lebensgefährtin Daja Ziefuß scherzhaft. Eigentlich teilt sie sein Faible für Trickreiten und Stunts mit Pferden. An jedem Freitag ab 16 Uhr laden sie zum Showpferdetraining auf das zwei Hektar große Grundstück seiner „Sunbow-Ranch“, wie der 43-Jährige das Anwesen getauft hat. Neben den 16 eigenen stehen fünf Pensionspferde auf der Koppel.

„Christian ist ein Profi, der mit seiner ruhigen und entspannten Art überzeugt. Denn Pferde kannst du zu nichts zwingen“, sagt Steffen Kukral, der Scholle-Prestin im vergangenen Dezember auf der Pferdemesse Hippologica in Berlin erlebte. Kukral betreibt einen Pferdehof nahe Beeskow (Oder-Spree) und bietet vor allem für Firmen nonverbale Kommunikationskurse mit Pferden an.

Zusammen mit Scholle-Prestin hat er im Herbst zudem widerspenstige Auerochsen zu Pferd von den Spreeauen bei Cottbus in ihr Winterquartier getrieben. Außerdem waren beide erst kürzlich im Oman, um die Trickkunst des „Tentpegging“ zu trainieren, bei der mit Lanzen vom Pferderücken aus Zeltpflöcke aus dem Boden gezogen werden.

Scholle-Prestin sucht ständig neue Herausforderungen, vorausgesetzt, sie haben mit Pferden zu tun. Die nächste wartet bereits im kommenden Juli. Dann soll es in Russland den ersten internationalen Wettkampf im Kosakenreiten geben. „Die sind ja seit dem 15. Jahrhundert berühmt für ihre Reitkünste. Entsprechend hoch wird das Niveau sein“, konstatiert der Müncheberger. „Da müssen wir mit Säbeln und Lanzen noch viel üben, um mithalten zu können.“

 

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