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Erhalt der Wanderwege : Kontrollgang in der Natur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ehrenamtliche kümmern sich um die Pflege von tausenden Kilometern. Sie fordern eine bessere Unterstützung durch die Kommunen.

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2016 | 04:45 Uhr

In Brandenburg existiert ein Netz von Tausenden Kilometern Wanderrouten. Diese werden zunehmend vermarktet, für den Erhalt sind jedoch Ehrenamtliche zuständig. Die Wandervereine fordern daher eine Unterstützung durch Kommunen und professionelle Tourismusanbieter.

Uwe Neumann ist viel unterwegs in diesen Sommerwochen. Der 65-Jährige führt Besuchergruppen durch seine Heimatstadt Lübben, zugleich wurde ihm vom Landkreis eine besondere Verantwortung übertragen. Er kümmert sich mit anderen Ehrenamtlern um 1000 Kilometer Wanderwege im südlichen Teil von Dahme-Spreewald. Doch es stehen immer weniger Helfer zur Verfügung. „In vielen Gebieten wird es dünn“, meint er. Die Ehrenamtler halten die Routen in einem guten Zustand, erneuern Zeichen und Schilder, entfernen Wildwuchs, beseitigen Schäden und Hindernisse – so weit es geht.

„Für den Erhalt gibt es leider zu wenig finanzielle Mittel“, sagt Neumann. Zwar funktioniere die Zusammenarbeit mit einigen Ämtern und dem Landkreis, erklärt der Kreis-Wegewart. Allerdings gebe es Orte, in denen die Bürgermeister von der Zuständigkeit für Wanderwege überhaupt nichts wissen wollen. Aber auch das Engagement derer, die vom Tourismus leben, sei dürftig, erklärt Neumann. Seine Forderung: Betreiber von Gasthöfen, Hotels und Restaurants sollten sich am Erhalt der Wege beteiligen. Ebenso könnten die Tourismusabgaben herangezogen werden. Hinzu kommt ein „Kirchturmdenken“ , was zu einem mangelnden Informationsaustausch führt. „Wanderer werden oft vor Baustellen gestoppt, weil in manchen Tourismusbüros niemand darüber Bescheid weiß.

Bernd Müller, Vorsitzender einer Regionalgruppe der NaturFreunde Deutschlands, beklagt ebenfalls die fehlende Bereitschaft der Kommunen, Wegewarte zu unterstützen. „Man ist zumeist schon froh, die Materialkosten ersetzt zu bekommen“, sagt er. „Bei Benzinkosten wird es dann schwieriger.“ Aus seiner Sicht müsste es mehr hauptamtliche Koordinatoren in den Behörden geben, die sich um Pflege und Erneuerung der Infrastruktur kümmern. „Mit den aktiven Vereinsmitgliedern schaffen wir die Arbeit einfach nicht mehr“, sagt er. Einmal jährlich müssten sämtliche Wege abgelaufen werden, um Probleme zu dokumentieren. Die Helfer seien zumeist weit über 70 Jahre alt.

Gesucht würden zudem dringend ausgebildete Wanderführer, um die steigende Nachfrage nach Touren zu bedienen. Einer der wenigen hauptamtlichen Wegewarte arbeitet im Barnim – als Projektmitarbeiter in der kreislichen Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft. Ludger Lamprecht betreut rund 1000 Kilometer Wanderwege und 700 Kilometer Radwege in Eigenregie. „Ich schaffe das natürlich nicht alles zu Fuß, sondern bin viel mit dem Rad unterwegs oder steuere Knotenpunkte mit dem Auto an“, berichtet er. Das gewaltige Wegenetz sei vor allem im Rahmen von ABM-Projekten nach der Wende entstanden. Allein die Markierungen an den Bäumen müssten flächendeckend erneuert werden – sie verschwinden durch Aufforstungen.

In der Landeshauptstadt ist die Situation kaum anders. Der Potsdamer Wegewart habe zum Jahresbeginn „aus Frust hingeschmissen“, berichtet Karl-Heinz Schmiedeke, Vorsitzender des Potsdamer Wanderbundes. Nach seiner Ansicht hat die vom Land beschlossene Novelle des Waldgesetzes dazu geführt, dass jetzt eine zentrale Steuerung fehlt und ein Wirrwarr von Zuständigkeiten existiert. „Dies zeigt sich vor allem an den Kreisgrenzen – für das letzte Stück des Weges fühlt sich niemand verantwortlich“, sagt er. Selbst bei der Schaffung neuer Routen gebe es immer wieder Differenzen mit Tourismusverbänden. „Sie wollen alles kommerzialisieren und verlassen sich auf unser Engagement“, meint das Vorstandsmitglied des brandenburgischen Wander- und Bergsteigerverbandes. Der Neuruppiner Wanderfreund Rolf Dossmann verweist in dem Zusammenhang auf die Strukturen in den alten Bundesländern. „Dort erhalten die Vereine feste Zuschüsse von den Kommunen und können die anstehenden Arbeiten dadurch bewerkstelligen“, berichtet er.

Einen Überblick über das gesamte Wegenetz hat auch die Brandenburger Tourismusmarketinggesellschaft nicht. „Es gibt keinen Kataster dafür“, sagt Dirk Wetzel, Referent für Naturtourismus. Allein die Hauptmagistralen, darunter der 66-Seen-Wanderweg rund um Berlin, würden sich auf 2000 Kilometern erstrecken. Wetzel berichtet von einem regelrechten Wettbewerb, neue Routen zu erschließen und auszuweisen. „Aber die Verantwortlichen haben nicht bedacht, dass Folgekosten auf sie zukommen“, sagt der Experte. Zugleich unterstreicht er die Aussage, dass es zumindest einen Mitarbeiter in den Verwaltungen geben muss, der die ehrenamtlichen Wegewarte koordiniert. „Hilfreich wäre es , wenn Gastwirte zumindest auch mal ein Schild reparieren“, betont Wetzel.

 

Henning Kraudzun

 

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