Altmärkische Wische : Kompromiss beim Naturschutz

Die Schönheit der Wische offenbart sich auch in derartigen Feuchtregionen.
Die Schönheit der Wische offenbart sich auch in derartigen Feuchtregionen.

Schutzgebiet „Altmärkische Wische“ wird deutlich kleiner, was Landwirte freut, aber Anwohner enttäuscht

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21. März 2016, 05:00 Uhr

Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt ist das Landschaftsschutzgebiet „Altmärkische Wische“ (LSG) offiziell gegründet worden. Das Regelwerk folgt einem Vorschlag, den Landrat Carsten Wulfänger (CDU) im Juni 2015 als Kompromiss präsentiert hatte. Mit 79 Quadratkilometern ist das Gebiet ein Drittel kleiner als das für fünf Jahre zeitweilig gesicherte Probe-LSG und sogar zwei Drittel kleiner als die ursprünglich vorgesehene Verordnung.

Das LSG liegt zum Teil in der Einheitsgemeinde Osterburg, zum anderen auf dem Gebiet der Hansestadt Werben. Die Gemeinde Iden wurde fast komplett herausgenommen, die Gemeinde „Altmärkische Wische“ nur südlich gestreift.

Während der Abwägungsphase gab es 249 Einwendungen, meist mit der Forderung, die gesamte Wische unter Schutz zu stellen. Bürger haben als Antwort auf ihre Einwendungen Auszüge aus dem Abwägungsprotokoll erhalten. Zumeist versehen mit einer Reihe von Paragrafen, die letztlich aussagen, dass es nicht zwingend notwendig sei, einen Naturraum komplett unter Schutz zu stellen. „Bei der Abgrenzung des Gebietes hat der Verordnungsgeber ein sehr weites Ermessen“, heißt es darin etwa.

Ein solches Schreiben erhielt auch die Bürgerinitiative (BI) für das LSG „Altmärkische Wische“. „Die Anmerkungen darin widersprechen sich zum Teil“, sagt Sprecherin Lucile Thoyer. Sinngemäß heiße es darin auch, dass es keinen Sinn macht, ein LSG zu klein zu bemessen, wenn dadurch etwa visuelle Beeinträchtigungen (sprich Windräder) möglich werden. Die BI sei dennoch froh, dass überhaupt etwas unter Schutz gestellt wurde. „Aber die Verordnung steht in keinem Verhältnis zur Dimension der Wische“, so Lucile Thoyer weiter. Die BI werde fortgeführt, vielleicht in anderer Form. Perspektivisch werde es wichtig sein, den Sinn der Menschen für die Schönheit der Region Wische zu schärfen.

Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Stendal, äußerte sich zufrieden über das Ausmaß des LSG. „Auch wenn es immer noch Bauen gibt, die davon betroffen sind.“ Von einstmals 22 000 Hektar auf noch rund 8000 – darüber könne man sich wohl freuen. „Dafür haben wir gekämpft“, so Kerstin Ramminger.

Die Befürchtungen der Bauern bezögen sich nicht auf das Jetzt, betont sie. Vielmehr hätten sie Angst, dass ihnen bei immer mehr Verordnungen perspektivisch mit dem LSG nicht genügend Spielraum bleibt, um ihre Landwirtschaft betreiben zu können.

Im aktuellen Regionalen Entwicklungsplan Altmark sind für die Wische keine Vorranggebiete für Windkrafträder ausgewiesen. Aber es gibt angrenzend an das LSG so genannte Weißflächen, die ohne den Schutzstatus LSG dazu werden können, wenn die Regionalversammlung ein neues Verfahren eröffnet. Ein Korridor liegt zum Beispiel zwischen Lichterfelde und Neukirchen, ein weiterer östlich zwischen Busch und Hindenburg.  

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