Wirtschaft : Kohleausstieg ohne Strukturbruch

Klare Botschaften: Kraftwerker und Kumpel demonstrieren gegen den Kohleausstieg.
Klare Botschaften: Kraftwerker und Kumpel demonstrieren gegen den Kohleausstieg.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks will Lausitz auf dem Weg zum Kohleausstieg unterstützen − Proteste in Schwarze Pumpe

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26. Januar 2016, 08:53 Uhr

Dass der Kohleausstieg ohne den Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen auskommt, können die Lausitzer Kumpel nicht so recht glauben. Vielmehr hegen sie große Zweifel daran, dass die Bundesregierung einen Plan entwickelt, der eine sichere Stromversorgung beinhaltet und ohne Strukturbrüche auskommt. Schon einmal mussten die Lausitzer einen solchen Strukturbruch erleben. Nach der Wende verloren plötzlich Tausende Kumpel ihren Job.

Das Szenario dürfe sich selbstverständlich nicht wiederholen, betonte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) gestern bei einem Besuch im Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe (Spree-Neiße). Zuvor hatte sich die Ministerin mit Betriebsräten des Energiekonzerns getroffen und mit ihnen darüber geredet, wie ein sozialverträglicher Umbau funktionieren könne.

Hendricks sagte, dass sie einen „vernünftigen Ausgleich mit industriellen Arbeitsplätzen“ im Bereich der erneuerbaren Energien durchaus für möglich hält. Neue Technologien wie sogenannte Power-to-Gas-Anlagen würden im großtechnischen Maßstab noch nicht angewandt. Hierfür könne man die industrielle Infrastruktur der Lausitz nutzen, sagte die Ministerin.

Bei der Power-to-Gas-Technologie wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien dazu genutzt, Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Der Wasserstoff kann dann ins Gasnetz eingespeist werden.

Zugleich kündigte Hendricks an, dass der Bund die Region finanziell unterstützen und somit den notwendigen Strukturwandel fördern werde.

Die Ministerin beharrt angesichts der Klimaziele auf einem festen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2050. Demnächst will sie einen Klimaschutzplan vorlegen, in den sie auch soziale Fragen in deutschen Braunkohleregionen einbeziehen will. Auch Ideen und Probleme aus der Lausitz, dem zweitgrößten Kohlerevier Deutschlands, sollen eine Rolle spielen, sagte Hendricks.

Begleitet wurde ihr Besuch vom Protest Hunderter Kohlebefürworter und deutlich weniger Kohlegegner. Auf den Transparenten der Kohlekumpel waren Sprüche wie „Wir lassen die Lausitz nicht ausradieren“ zu lesen. Organisiert wurde der Protest von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

Vorstandsmitglied Petra Reinbold-Knape betonte, dass fossile Kraftwerke auf Sicht noch unerlässlich seien. „Wir brauchen die Braunkohle als Garant für die Versorgungssicherheit“, sagte sie weiter. Solange die Frage nicht beantwortet sei, wie „wir die Energie aus den erneuerbaren Ressourcen speicherfähig machen“, mache es auch keinen Sinn, einen Kohleausstiegsplan aufzustellen, so Petra Reinbold-Knape.

Harriet Stürmer

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