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Modelleisenbahnverein Wendisch Rietz : Kleiner „Giruno" aus Brandenburg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Modellbauer aus Oder-Spree lassen Gotthardzug vor Schweizer Botschaft anlässlich des Nationalfeiertags fahren. Morgen Jungfernfahrt in Berlin.

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2016 | 04:55 Uhr

Die Schweizer Botschaft in Berlin lädt am morgigen Sonnabend zum Familienpicknick. In diesem Jahr steht das Fest ganz im Zeichen der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. Ein Modelleisenbahn-Verein aus Wendisch Rietz (Oder-Spree) liefert dazu den passenden Zug.

Als im Frühjahr der Anruf einer Eventagentur kam, traute Mario Voigt zunächst seinen Ohren nicht. Man rufe im Auftrag der Schweizer Botschaft an, hieß es am anderen Ende der Leitung. Ob er sich vorstellen könne, dass sein Verein eine Gartenbahn für das anstehende Fest zum Schweizer Nationalfeiertag im Berliner Regierungsviertel baut?

Voigt ist ein versierter Mann, wenn es um den Bau größerer Modelleisenbahnen geht. Seit mehr als zehn Jahren konstruiert er nun schon hobbymäßig Fahrzeuge, die heute durch die Gärten diverser Bahn-Fans kurven oder im Eisenbahnpark des Vereins in Wendisch Rietz (Oder-Spree) unterwegs sind. Nach dem Anruf war er trotzdem erst mal baff. Ausgerechnet sein kleiner Verein sollte nun für die Schweizer Botschaft einen Zug bauen – und dann auch noch den vermutlich modernsten Europas, den es im Original noch gar nicht gibt?

„Ein einmaliges Angebot“, meint Voigt. Aber zugleich eine große Herausforderung. „Das größte Problem war, dass wir nicht viel Zeit hatten“, sagt der 48-Jährige. Innerhalb von gerade mal drei Monaten sollten die Ehrenamtlich arbeitenden Vereinsmitglieder den sogenannten Gotthardzug im Maßstab 1:5,5 bauen. Alles nach Feierabend. Als Voigt seine vier Mitstreiter zusammengetrommelt hatte, war dennoch allen klar, dass sie diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen wollten.

Der echte Gotthardzug ist das neue Prestigeobjekt der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Die „Giruno“ genannten Hochgeschwindigkeitszüge sollen ab 2019 auf ihrem Weg von Frankfurt/Main nach Mailand durch den neuen Gotthard-Basistunnel fahren. Dann soll es unter anderem möglich sein, in unter zwei Stunden von Zürich nach Lugano und in unter drei Stunden von Zürich nach Mailand zu reisen.

Hergestellt wird der „Giruno“ vom schweizerischen Schienenfahrzeugbauer Stadler, der sich bereit erklärt hat, den Modellbauern aus Wendisch Rietz Originalkonstruktionspläne zur Verfügung zu stellen. „Unter äußerster Verschwiegenheit“, betont Mario Voigt. Anhand der Unterlagen hat er den kleinen „Giruno“ zunächst einmal konzipiert.

Danach ließen sich die Vereinsmitglieder die nötigen Blechteile nach den eigenen Plänen von einer Firma anfertigen. Auf dem Gelände ihres Eisenbahnparks wurden die Teile dann zusammengeschweißt, grundiert und lackiert.

Später wurden die mechanischen Komponenten, sprich die Antriebe, eingebaut sowie die Räder und Achsen, die von der Lehrwerkstatt der Stadler AG kamen. Und schließlich musste noch die Elektrik installiert werden. Selbst um den Bau der Gleise hat sich der Verein gekümmert – die Stahlteile selbst zugeschnitten und zusammengeschweißt.

Quasi im letzten Moment ist der Zug mit den zwei End- und drei mittleren Sitzwagen fertig geworden und kann nun inklusive der Gleise per Lkw zur Botschaft nach Berlin transportiert werden. Dort wird die Gartenbahn an diesem Sonnabend während des öffentlichen Festes zum Schweizer Nationalfeiertag ihre Jungfernfahrt erleben. In diesem Jahr steht das traditionelle Familienpicknick ganz im Zeichen der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels, dem längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Nach dem Fest wird der Zug in den Eisenbahnpark nach Wendisch Rietz zurückkehren und dort auf einer eigenen Strecke regulär verkehren. „Spätestens bis zur nächsten Saison wollen wir die bisher 150 Meter lange Gleisanlage auf 300 bis 400 Meter erweitern“, kündigt Voigt an. Möglicherweise kommen auch Sitzwagen hinzu. Aber schon jetzt stellt die Anlage ein Novum auf dem Gelände des Vereins dar. Denn der kleine Gotthardzug fährt auf einer Spurweite von 10 1/4 Zoll (260 Millimeter). Bisher haben die Gleise im Park eine Spurweite von fünf Zoll.

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