Saubere Kleidung wie für Hotels : Kleine Wäsche ganz groß

Lothar Kühne zeigt einen von ihm entwickelten Stapelgreifer, der – in Verbindung mit einem Roboter – Rollcontainer mit Wäschepaketen befüllen kann.
Lothar Kühne zeigt einen von ihm entwickelten Stapelgreifer, der – in Verbindung mit einem Roboter – Rollcontainer mit Wäschepaketen befüllen kann.

Waretex GmbH setzt auf Innovationen wie Stapelgreifer und Wärmetauscher – Annahmestellen in mehreren Orten Brandenburgs

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01. März 2018, 05:00 Uhr

Hier und da gibt es sie noch. Die kleinen Wäschereien für den Privatkunden. Mitten in einem Wohngebiet von Berlin-Weißensee befindet sich eine von drei kleinen Wäschereien der Firma „Waretex GmbH Textilreinlichkeit aus einer Hand“. Hier wird die Wäsche von Hand sortiert, in die Waschmaschinen gelegt, in Trocknern, nur unwesentlich größer als die in Privathaushalten, getrocknet und anschließend mit der Heißmangel geglättet oder gar händisch gebügelt. Lothar Kühne bringt auch wöchentlich seine Hemden und die größere Haushaltswäsche in die Wäscherei in der Gürtelstraße. Heute hat er Bettwäsche dabei. Lothar Kühne ist Leiter für Forschung und Entwicklung und Prokurist bei der Waretex GmbH.

Neben 14 Annahmestellen für Haushaltswäsche im Osten Berlins betreibt das Unternehmen auch mehrere Annahmestellen in Brandenburg: in Letschin, Lebus, Müncheberg und Neuhardenberg (alle Märkisch-Oderland), in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) und im Schorfheider Ortsteil Böhmerheide. In Biesenthal (beide Barnim) entstand zudem eine Niederlassung, in der die Innovationen des Unternehmens getestet werden. Zum Leistungsspektrum der Wäscherei gehört ein Haus-zu-Haus-Dienst für Privat- und Geschäftskunden. Das Geschäft mit der schmutzigen Wäsche aus Privathaushalten läuft zuverlässig.

Neben den vielen Privatkunden in Berlin und Brandenburg versorgt Waretex Kitas, Seniorenheime und Gaststätten der Hauptstadt. Und das Unternehmen hat eine weitaus größere Strahlkraft. In Sachen Forschung und Entwicklung hat Waretex Kunden in ganz Europa. Die Branchenkenner wissen, dass Waretex zum Laundry Innovation Networking (LIN) gehört. Lothar Kühne hat den Beiratsvorsitz inne.

In der Wäschereibranche hat sich dieses Netzwerk, bestehend aus verschiedenen deutschen Unternehmen und Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, einen Namen gemacht. Mit dabei sind die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die Brandenburgische Technische Universität in Cottbus und das Fraunhofer Institut. Im Netzwerk spielt Waretex als Impulsgeber für viele Entwicklungen eine maßgebliche Rolle.

Einen wesentlichen Anteil daran hat Lothar Kühne selbst. Sein Weg war schon von Hause aus vorbestimmt: Der heute 70-Jährige ist in der Wäscherei seiner Eltern in Bernau (Barnim) aufgewachsen. Nur mit einer kleinen Privatwäscherei hatte der Bernauer nichts am Hut. Er interessierte sich von Anfang an für Industriewäschereien. Nach dem Studium in Forst zum Textilreinigungsingenieur und einem Ökonomiestudium in Dresden standen dem „Wäscherei-Nachfahren“ alle Türen offen. Im VEB Kombinat Rewatex wurde er schließlich Direktor.

Das Unternehmen firmierte seit 1953 als VEB Blütenweiß und ab 1961 als VEB Vereinigte Wäschereien Berlin Rewatex. Am 1. Juli 1981 schlossen sich die Betriebsteile in Spindlersfeld mit einem Werk in Berlin-Buch zusammen und beide firmierten fortan als VEB Kombinat Rewatex Berlin. Anfangs waren 3000 und zuletzt rund 4500 Mitarbeiter in dem staatseigenen Betrieb beschäftigt.

1993 gründeten ehemalige Rewatex-Mitarbeiter das Unternehmen Waretex. Bis heute ist ein Großteil noch immer dabei. So wie Lothar Kühne. Zu den Neuerungen des Unternehmens gehören ein Stapelgreifer für Flachwäsche und ein Wärmetauscher. Letzterer nutzt die Abluft einer Wäschemangel zum Erwärmen des Wassers für die Waschmaschinen.

„Das Prinzip ist perfekt gegenüber früher, als die heiße Luft über das Dach hinaus ins Freie gepustet wurde“, sagt Lothar Kühne. Bei diesem Prozess wird etwa zwölf Grad kaltes Wasser mittels der Abluft auf rund 50 Grad erhitzt und somit Energie eingespart, erklärt Kühne weiter. Die Wäschemangel ist der höchste Energieverbraucher in Großwäschereien, zugleich aber auch das größte Reservoir zur Rückgewinnung von Energie. Diese von Waretex konzipierten Anlagen, welche die Energie mehrfach nutzen, werden von Netzwerkpartnern in Sachsen produziert.

Der Stapelgreifer ist in Verbindung mit einem Roboter in der Lage, Rollcontainer mit Wäschepaketen zu füllen. Auf der Wäscherei-Messe Texcare in Frankfurt am Main stieß diese Innovation auf großes Interesse bei den Fachbesuchern.

Dem 70-Jährigen liegen vor allem die Privathaushalte am Herzen. Für Hotel- und Krankenhauswäsche gibt es voll automatisierte Wäschestrecken. „Diese sind jedoch auf den Privatkundenbereich nicht eins zu eins anwendbar“, erklärt Kühne. Für die Umsetzung hat er einen Plan. Das Zauberwort heißt für den Experten Radio-Frequenz-Identifikation (RFID). „Wir wissen, dass über RFID die Privatwäsche genauso gekennzeichnet und ausgelesen werden könnte wie Krankenhaus- oder Hotelwäsche. Damit wäre eine Riesenumweltentlastung möglich, wenn man deutschlandweit die große Wäsche, wie Tisch- und Bettwäsche zum Beispiel, kostengünstiger und umweltfreundlicher als im Privathaushalt waschen könnte“, sagt er.

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