Kunst : Kirchenschätze werden restauriert

Gegen den Verfall: Projektbetreuerin Dörte Busch präsentiert im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege die restaurierten Epitaphien aus St. Marien. An Vorher-Aufnahmen erläutert die Restauratorin, welche Schritte vorgenommen wurden.
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Gegen den Verfall: Projektbetreuerin Dörte Busch präsentiert im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege die restaurierten Epitaphien aus St. Marien. An Vorher-Aufnahmen erläutert die Restauratorin, welche Schritte vorgenommen wurden.

Gemälde und Altar-Aufsatz von St. Marien sind aufgearbeitet – Weitere Gelder werden benötigt

svz.de von
02. Juni 2016, 05:00 Uhr

Nach den Fenstern und den Glocken ist jetzt das Inventar an der Reihe: Die ersten Kunstschätze aus St. Marien in Frankfurt (Oder) sind restauriert. Doch noch fehlen Spendengelder, um weitere Objekte dauerhaft zu bewahren. Im Reformationsjubiläum 2017 sollen die Schätze ausgestellt werden.

Die erste Hürde ist genommen: Fünf Epitaphien, ein geschnitztes Relief und das Gesprenge vom Hochalter sind restauriert. Die Ergebnisse der Arbeiten der vergangenen Monate sind im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege zu erleben. Was zuvor verdreckt und vergilbt war, leuchtete nun in herrlichen Farben.

Restauriert wurde beispielsweise das Gemälde „Christus bei Maria und Martha“. Es stammt aus dem Jahr 1553 und wurde bereits in den 1980er-Jahren behelfsmäßig geflickt. Mit Teebeutelpapier wurde die Malschicht gesichert, damit sie nicht absplittert. Was als temporäre Notlösung gedacht war, blieb über Jahrzehnte am Gemälde haften. Restauratorin Christiane Thiel entfernte das Teebeutelpapier vorsichtig mit Wasser und sicherte die Malschicht nach der Reinigung mit einem Spezialleim.

Fingerspitzengefühl – das mussten auch Nadja Jäckel, Matthias Koch und Maria Pucalka beweisen. Die drei waren mit der Restaurierung des imposanten Gesprenges, des Aufsatzes des Hochaltars, beauftragt. 7,80 Meter hoch und knapp 6,50 Meter breit ist es. Der Marienaltar selbst kann in der St. Getraudkirche besichtigt werden. Auf stolze 13,20 Meter kommt das Gesamtkunstwerk. Nur etwa 50 Prozent der Originalteile waren im Laufe der Zeit von dem Gesprenge erhalten geblieben.

Nach der Bestandsaufnahme und konservatorischen Sicherung der Originale, wurden die Überbleibsel des Gesprenges auf einer Eins-zu-eins-Zeichnung zusammengelegt. „Ja, das ist ein wenig wie puzzlen“, sagte Nadja Jäckel und lachte herzlich. „Es dient der genauen Dimensions- und Positionsbestimmung“, erklärte die Expertin sodann. Von „Detektivarbeit“, sprach ihr Kollege Matthias Koch. Beim Zusammenlegen der übrig gebliebenen Teile boten nicht nur alte Aufnahmen des vollständigen Altars, sondern auch die Fragmente selbst Anhaltspunkte. Jedes Löchlein und jede Kerbe verriet den Experten die genaue Position im einstigen Gesprenge.

Erst nach diesem Schritt begann die bildhauerische Ergänzungsarbeit. „Die noch vorhandenen Originalteile mussten unbearbeitet bleiben“, erklärte Matthias Koch. Noch immer sind die erhaltenen Fragmente im restaurierten Kunstwerk zu erkennen. Im Gegensatz zu den hinzugefügten Stücken aus Linde sind die Originale gold- und rotfarben.

Im Zentrum der Restaurierungsarbeiten stehen aber die Epitaphien, die Gemälde, die gut situierte Bürger der Stadt einst von sich anfertigen ließen. „Epitaphienbilder sind ein Aufstand gegen das Vergessen“, sagte die geschäftsführende Pfarrerin Beatrix Forck. „Wir beteiligen uns an dem Aufstand“, fügte sie an. Doch auch ein Aufstand müsse organisiert und finanziert werden, gab sie zu bedenken.

Dafür warb Beatrix Forck – ebenso leidenschaftlich wie Holger Swazinna, Pressesprecher der Sparkasse Oder-Spree.

Bislang sind rund 15 000 Euro an Spendengeldern für die Restaurierung des Inventars der Marienkirche zusammengekommen. Da geht noch was, waren sich die Anwesenden einig. Erreicht werden soll eine Summe von 41 000 Euro. Jeden gespendeten Euro verdreifacht die Sparkassenstiftung. Insgesamt 123 000 Euro sollen es bis zum Reformationjubiläum am 31. Oktober 2017 werden. Es wird auf bürgerschaftliches Engagement gesetzt. Die Werke müssten eigentlich in Frankfurt auf dem Marktplatz aufgebaut werden, witzelte Holger Swazinna – in dem Ansinnen, den Bürgern zu zeigen, um welche Kunstschätze es bei der Rettungsaktion geht.

Schlussendlich soll die Restaurierung in ein Ausstellungsprojekt münden. In St. Gertraud, St. Marien und dem Museum Viadrina soll in 2017 unter dem Titel „Bürger, Pfarrer, Professoren – St. Marien in Frankfurt (Oder) und die Reformation in Brandenburg“ das Spätmittelalter und die Reformation in der Stadt beleuchtet werden.

Tatjana Littig

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