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Denkmalschutz in der Mark : Kirchen, Schlösser, Plattenbauten

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Land Brandenburg gab im letzten Jahr 35 Millionen Euro für die Denkmalpflege aus. Landeskonservator mahnt: Es geht aber auch um die Nutzung.

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erstellt am 05.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Die Dachbalken waren verkohlt. In der Mitte der Ruine wuchs ein Baum. Der Giebel war einsturzgefährdet. Noch vor einigen Monaten sah es so aus, als würde das aus dem späten Mittelalter stammende ehemalige Brauhaus des Klosters Himmelpfort irgendwann zusammenstürzen. Denn obwohl es nach dem Brand des Gebäudes 2010 Zahlungen einer Versicherung an den Besitzer gab, hatte der nie ein Interesse, das Gebäude zu erhalten. Mittlerweile kümmert sich eine Bürgerstiftung um das alte Gebäude.

Ihr Ziel ist es, dort eines Tages wieder ein Kulturzentrum einzurichten – und das Land Brandenburg gab im vergangenen Jahr 70 000 Euro zur Durchführung von Notsicherungsmaßnahmen an der Ruine aus. Die Landesmittel stammten aus einer Summe von insgesamt 500 000 Euro, die das Land im vergangenen Jahr als Hilfe für bedrohte Denkmale in den Haushalt einstellte und im aktuellen Doppelhaushalt auf insgesamt eine Million Euro aufstockt. „Ich freue mich, dass wir mit diesem Geld den Einsatz von Initiativen, Kirchengemeinden, Fördervereinen und Freiwilligen vor Ort wirksamer als bisher unterstützen können“, sagt Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD).

Insgesamt gab das Land im Vorjahr 35,8 Millionen Euro für die Sanierung bedrohter Denkmale aus. 2015 waren es noch 33,3 Millionen Euro. 13,8 Millionen kamen im letzten Jahr aus dem Etat von Martina Münch – so wurde die Stiftung „Preußische Schlösser und Gärten“ mit rund neun Millionen Euro unterstützt. Und auch Kirchen und Religionsgemeinschaften wurden mit 2,65 Millionen Euro gefördert – zum Beispiel erhielt der Landesverband der Jüdischen Gemeinden 39 000 Euro für die Cottbuser Synagoge.

Aus dem Ressort von Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) wurden 22 Millionen Euro für den Erhalt von historischen Gebäuden, Straßen und Plätzen bereitgestellt. Sie flossen etwa in ein Fachwerkhaus in Kyritz, in dem nun eine Kita entstehen soll. Oder in das lange leerstehende Hospital zum Heiligen Geist in Luckau, in dem dank einer örtlichen Investorin nun Wohngemeinschaften für Betreutes Wohnen sowie altersgerechte Wohnungen entstehen sollen. „Ohne privates Engagement geht es nicht“, machte auch Kathrin Schneider gestern klar.

Landeskonservator Thomas Drachenberg wiederum machte deutlich, dass die beste Sanierung wenig bringt, wenn es danach kein Nutzungskonzept für das Denkmal gibt. Besondere Sorge machen ihm einige der in den letzten Jahren mit hohem Aufwand sanierten Dorfkirchen. In Brandenburg habe man nach 1990 „das erfreuliche Phänomen“ gehabt, dass keine bedrohte Dorfkirche abgerissen werden musste. Heute hätten sich aber manche Kirchenbauvereine nach der erfolgreichen Sanierung der Gotteshäuser aufgelöst, andere hätten einen erheblichen Anteil von Mitgliedern jenseits der 80. Und vielerorts seien keine oder nur noch sehr kleine Gottesdienstgemeinden vorhanden. „Es geht jetzt um die Frage, wer die sanierten Gebäude pflegt – sonst führt der nächste heruntergefallene Dachziegel wieder dazu, dass wir ein paar Jahre später wieder Millionen ausgeben müssen“, betonte Drachenberg.

Aber es sind nicht nur die Gebäude des Mittelalters oder der Reformationszeit, die in Brandenburg geschützt werden. Schon neun Plattenbauten aus DDR-Zeiten finden sich nach Angaben von Drachenberg mittlerweile auf der Denkmalliste. In Templin beispielsweise wurden Gelder aus dem Nothilfeprogramm des Kultusministeriums für die so genannte Hyparschale des Bauingenieurs Ulrich Müther ausgegeben. Das Gebäude war zu DDR-Zeiten Teil eines Ferienkomplexes und soll nun Teil eines Bürgergartens werden.

Und in Bernau sollen DDR-Neubauten unter Schutz gestellt werden, die bei der Stadtsanierung nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Damals hatte die Stadt 80 Prozent der historischen Bausubstanz abgerissen. Nur wenige erhaltenswerte Gebäude durften bleiben. Der Rest wurde durch an das historische Stadtbild angepasste Neubauten ersetzt – die aus Sicht der Denkmalpfleger nun ihrerseits wieder schutzwürdig sind.

 


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