Kindesmissbrauch ist unverändert hoch

Brandenburg hat bundesweit mit die häufigsten Vorfälle / Politik will reagieren

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11. Mai 2020, 14:45 Uhr

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gehörten auch im vergangenen Jahr zu den Bundesländern mit dem meisten sexuellen Kindesmissbrauch. Am Montag stellte der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und die Deutsche Kinderhilfe eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik für das Jahr 2019 vor. Demnach gab es in Brandenburg im letzten Jahr 23 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch pro 100 000 Einwohner. Das Land lag damit zusammen mit Sachsen-Anhalt bundesweit auf dem zweiten Platz hinter Thüringen, das auf 27 Fälle kam.

Berlin verzeichnete 22, Mecklenburg-Vorpommern 21 Fälle pro 100 000 Einwohner. Insgesamt fünf Länder, darunter Baden-Württemberg und Bayern, haben dagegen weniger als 15 Fälle pro 100 000 Einwohner, der Bundesdurchschnitt betrug 16 Fälle. Bereits im Januar hatte Rörig eine ähnliche Auswertung vorgestellt, die aber auf der Statistik des Jahres 2018 basierte. Damals verzeichnete Brandenburg 21 Fälle pro 100 000 Einwohner und lag auf Platz drei der Statistik. Mecklenburg-Vorpommern war mit 24 Fällen unrühmlicher Spitzenreiter. Die neue Statistik zeigt: Es gab im Laufe des letzten Jahres kaum Veränderungen und auch von einmaligen Ausrutschern wird man wohl nicht mehr reden können.

„Die heute vorgestellten Zahlen geben Anlass zur Sorge“, sagte die für Kinder- und Jugendpolitik zuständige Brandenburger CDU-Landtagsabgeordnete Kristy Augustin. „Wir sind nun dringend gefordert, die Berufung eines Kinder- und Jugendbeauftragten zügig umzusetzen.“

Zudem solle ein einheitliches Kinder- und Jugendschutzgesetz entstehen. Einrichtungen wie das Kinder- und Jugendtelefon sollten gestärkt werden. „Zahlen, wie die heute verkündeten, dürfen nicht einfach hingenommen und zum Tagesgeschäft übergegangen werden“, sagte Augustin.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kathrin Dannenberg, erklärte, dass die neuen Zahlen aufrütteln müssen. Gegenüber dieser Zeitung sprach sie sich für einen Notfallplan sowie für Leitlinien aus, an denen sich Lehrkräfte orientieren können, wenn sie einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch haben. „Wir brauchen mehr Anlaufstellen, die sich mit Kinderschutz beschäftigen und auch die Frauenhäuser müssen wir stärken“, sagte Dannenberg. Zudem müssten Projekte zum Kinderschutz besser ausfinanziert werden.

Eine Sprecherin des Potsdamer Bildungsministeriums verwies auf zahlreiche Angebote zur Prävention sexueller Gewalt, die es an Brandenburgs Schulen, der Jugendhilfe sowie in Kindertagesstätten gebe.

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