Brandenburg : Kind mit Behinderung aus Zug geworfen

Warnschild vor einem Zug im Bahnhof von Wismar. /Illustration
Warnschild vor einem Zug im Bahnhof von Wismar. /Illustration

Schaffnerin setzt behindertes Kind trotz Kälte vor die Zugtür. Mutter nimmt Entschuldigung an.

svz.de von
12. Dezember 2017, 20:55 Uhr

Das Wetter war mies. Das bekam auch ein 13-Jähriger zu spüren, der am Sonntag mit dem Regionalexpress von seiner Tante in Frankfurt (Oder) zum Berliner Alexanderplatz fahren wollte, wo seine Mutter auf ihn wartete. Dem Kind machte jedoch eine Schaffnerin einen Strich durch die Rechnung.

Sie setzte den schwerbehinderten Jungen bei Schnee und Minusgraden vor die Tür, weil er seinen Schwerbehindertenausweis – der ihn zur kostenlosen Fahrt berechtigt – nicht dabei hatte. Das Foto des Ausweises auf dem Smartphone des Jungen in Kombination mit seinem Personalausweis wollte die Zugbegleiterin nicht akzeptieren.

Am Bahnhof in Fürstenwalde gestrandet, rief der Junge seine Mutter an, die schockiert vom Verhalten der Bahn-Mitarbeiterin war und ihren Sohn zuerst abholen wollte. Der 13-Jährige kaufte sich dann aber ein Ticket, mit dem er nach 45 Minuten in der Kälte frierend zu ihr zum Alex weiterfuhr. „Durch die Behinderung ist sein Immunsystem schwach“, sagte die Mutter, die anonym bleiben will, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Zugbegleiterin inkulant gegenüber Minderjährigen zeigt. Für Schlagzeilen in Brandenburg sorgte zum Beispiel ein Fall im Dezember 2013, als ein Schaffner einem Jungen aus Passow (Uckermark) die Mitfahrt in der überfüllten Regionalbahn nach Berlin verweigerte.

 

Erst kurz zuvor hatte sich die Bahn bei einer Mutter entschuldigt, die mit ihrem Kleinkind in Hennigsdorf (Oberhavel) aus dem Prignitz-Express geworfen wurde, da ihr Kinderwagen im Weg stand. An dem Tag hatte der Orkan „Xaver“ in Brandenburg gewütet. Der Fall sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen.

Die Deutsche Bahn zeigt sich auch im aktuellen Fall von Sonntag einsichtig. „Die Kontrolleurin hätte den 13-Jährigen nicht von der Fahrt ausschließen dürfen, da er minderjährig und zudem schwerbehindert ist“, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert.

„Mit der Frau wurde gesprochen, und ihr Fehlverhalten wurde ihr aufgezeigt.“ Sie bedauere ihr Verhalten. Ahlert ergänzte, dass die Kontrolleurin in einer internen Befragung am Dienstag berichtet habe, dass der Junge zunächst nicht auf ihre Fragen eingegangen sei. Ihr sei zu diesem Zeitpunkt auch nicht bewusst gewesen, dass der Fahrgast minderjährig war. Dem entgegnete die Mutter, dass die Schaffnerin den Jungen mit ihrer schroffen Art eingeschüchtert habe.

„Minderjährige dürften bei Minusgraden nicht vor die Tür gesetzt werden“, sagt Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband. „Selbst wenn das Kind schwarz fährt oder frech wird, muss die Bundespolizei eingeschaltet werden.“

Die Mutter des Jungen zeigt sich inzwischen versöhnlich. „Gerade hat mich der Chef der Zugbegleiterin angerufen und sich bei mir entschuldigt“, sagte sie gestern Nachmittag gegenüber unserer Zeitung. Die gerügte Schaffnerin tue ihr leid. „Ich wollte kein Leben zerstören kurz vor Weihnachten.“ In Zukunft werde sie ihrem Sohn den Ausweis im Original mitgeben. Auch wenn der schon mehrmals verloren ging.

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