Schulnoten : Keine Zensuren für Zweitklässler

In Brandenburg sollen ab nächstem Schuljahr auch für die 2. Klassen die Noten auf en Zeugnissen entfallen.
In Brandenburg sollen ab nächstem Schuljahr auch für die 2. Klassen die Noten auf en Zeugnissen entfallen.

Brandenburg setzt vom kommenden Schuljahr an verstärkt auf verbale Beurteilungen der Kinder.

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21. Juni 2017, 05:00 Uhr

Brandenburgs Zweitklässler erhalten ab dem kommenden Schuljahr keine Zensuren mehr. Das wird aller Voraussicht nach der Landtag in der kommenden Woche mit den Stimmen der rot-roten Koalition beschließen. Die CDU protestiert.

Bislang ist die 1. Klasse landesweit notenfrei. Bis zur Stufe vier können dann die Eltern an den Schulen darüber abstimmen, ob ihre Schützlinge Zensuren erhalten sollen. Die Regierungsfraktionen von SPD und Linker haben sich nun darauf verständigt, dass ab dem kommenden Schuljahr auch sämtliche Zweitklässler komplett notenfrei bleiben und stattdessen „schriftliche Informationen zur Lernentwicklung bekommen“, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums erklärte.

Die Abstimmung darüber auf der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause in der kommenden Woche gilt als reine Formsache, nachdem der Bildungsausschuss bereits grünes Licht gegeben hatte. Das Ministerium begründete den Vorstoß mit Verweis auf die sogenannten Flex-Klassen, in denen Erst- und Zweitklässler gemeinsam lernen. Hier wolle man Einheitlichkeit, hieß es.

Beim Grundschulverband und beim Landeselternrat stößt der Schritt auch grundsätzlich auf Zustimmung. „Schlechte Noten können demotivierend wirken. Damit Kinder den Spaß am Lernen behalten, sollte es mit den Zensuren nicht zu früh losgehen“, sagt Wolfgang Seelbach, Sprecher des Elternrats.

Von einer noch weiteren Ausdehnung der notenfreien Zeit hält er indes nichts. „Ab der 3. Klasse sollte es parallel Noten und verbale Einschätzungen geben“, so Seelbach. „Eltern schätzen Zensuren als schnelle und einfache Rückmeldung“, gibt er zu bedenken. An die schriftlichen Berichte müssten sich Mütter und Väter erst noch gewöhnen, vermutet Seelbach. Wichtig sei, dass diese Beurteilungen wirklich individuell für jedes Kind verfasst werden.

Der Grundschulverband lehnt Noten bis zur 6. Klasse ab. Die präzise wirkenden Ziffern würden lediglich „eine irreführende Scheinklarheit“ erzeugen, heißt es in einer Stellungnahme. „Vor allem helfen sie nicht bei der Lernplanung und Überlegungen zur Überwindung von Schwierigkeiten.“

Die CDU im Landtag hingegen will nicht am Status quo rütteln und dem Antrag der Koalition einen eigenen entgegenstellen. So soll es weiter den Eltern überlassen bleiben, ob es in der 2. Klasse Zensuren gibt. „Noten haben eine hohe Akzeptanz bei Eltern und Schülern“, sagt der Prignitzer CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann. Für „Quatsch“ hält er die Begründung der Koalition für ihren Vorstoß. Nur ein Viertel der Kinder würde eine Flex-Klasse besuchen. „Die Regierung präsentiert eine Lösung für ein Problem, von dem niemand weiß, ob es überhaupt existiert“, kritisiert Hoffmann.

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