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Gesundheit : Keine Verbesserung beim Ärztepfusch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mehrzahl der Fälle bei Operationen. Fehler bei der Organisation der Behandlung

Mangelnde Kommunikation, Fehldiagnosen und Missgeschicke im OP: 614 Patienten haben in Berlin und Brandenburg 2015 nachweislich unter Ärztepfusch gelitten. Das geht aus Gutachten hervor, die der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) verfasst hat. Danach warfen 1682 Patienten Ärzten Behandlungsfehler vor. In gut einem Drittel der Fälle bestätigte sich der Verdacht, teilte der Medizinische Dienst gestern mit.

Typisch war der Fall eines kleinen Jungen, der früh am Morgen eine Mini-Batterie verschluckte. In einer Klinik orteten Röntgenärzte die Knopfzelle in der Nähe des Magens. Da es im Haus keine Kinderchirurgie gab, baten Ärzte die Eltern, in ein rund 30 Kilometer entferntes Krankenhaus zu fahren - mitten im Berufsverkehr. Wegen eines technischen Defekts konnte das Röntgenbild nicht nachgeschickt werden.

In der nächsten Klinik bat die Mutter um eine Ultraschall-Untersuchung, um das Kleinkind nicht wieder der Röntgenstrahlung auszusetzen. Die Bilder ergaben keinen Nachweis der Batterie in Magen und Dünndarm. Erst die zweite Röntgenaufnahme zeigte die Knopfzelle in der unteren Speiseröhre. Rund acht Stunden nach dem Verschlucken entfernten Ärzte die Batterie schließlich.

„Das ist eine fast unglaubliche Kettenreaktion, die kaum ein Arzt so für möglich hält“, sagte MDK-Experte Michael Schmuck. Das Risiko für das Kind war nicht klein. Ein großer Fremdkörper in der Speiseröhre kann Ersticken, Herzstillstand oder Gewebezerstörung durch Verätzung auslösen. „Das sollte in maximal vier Stunden behandelt sein“, sagte Schmuck. Die Klinik hätte den Jungen mit einem Notarztwagen ins nächste Krankenhaus schicken müssen. „Und ein Handyfoto des ersten Röntgenbildes wäre besser gewesen als gar keines.“

Die meisten nachgewiesenen Fehler passierten bei Operationen, vor allem in der Unfallchirurgie und Orthopädie (171) sowie in der Chirurgie (134). Weniger waren es in der Pflege (62) und bei Zahnärzten (60).

MDK-Geschäftsführer Axel Meeßen sieht weniger ärztliche Missgeschicke im Vordergrund, sondern vor allem Fehler bei der Organisation der Behandlungen. Um daraus zu lernen, berät der MDK die Fälle mit Kliniken und Ärzten, bietet Schulungen an. Die Fehlerquote liege seit dem Start der Bilanzen vor drei Jahren auf ähnlichem Niveau, sagt Schmuck. 2013 waren es rund 630 und 2014 rund 669 nachgewiesene Fehler.

Der MDK wird nur tätig, wenn sich ein Patient bei seiner Kasse beschwert und diese die Akte zur Überprüfung weitergibt. Für möglichen Schadenersatz muss sich in der Regel der Patient mit der Haftpflichtversicherung der Klinik oder des Arztes auseinandersetzen.

Bundesweit melden sich immer mehr Patienten wegen eines Verdachts auf Behandlungsfehler bei ihrer Krankenkasse. So gingen die Medizinischen Dienste der Kassen im Vorjahr 14 828 Beschwerden nach. In fast jedem vierten Fall, 4064 Mal, bestätigten Gutachter MDK-Jahresstatistik den Verdacht der Patienten. Im Jahr zuvor waren es 165 Verdachtsfälle und 268 Bestätigungen weniger.

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erstellt am 13.Mai.2016 | 13:56 Uhr

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