Offene Stellen in Brandenburg : Keine Patentlösung für den Fachkräftemangel

Den Fachkräftemangel in der Pflege, hier eine Pflegerin in einem Altenheim in Frankfurt (Oder),  werden die tausend Flüchtlinge in Brandenburg nicht kurzfristig beheben können.
Den Fachkräftemangel in der Pflege, hier eine Pflegerin in einem Altenheim in Frankfurt (Oder), werden die tausend Flüchtlinge in Brandenburg nicht kurzfristig beheben können.

Flüchtlinge in Pflegeberufen: Fehlende Qualifikation und Deutschkenntnisse das größte Problem.

svz.de von
20. Juni 2016, 05:00 Uhr

Einerseits herrscht Fachkräftemangel in der Pflege, andererseits leben Tausende Flüchtlinge in Brandenburg – beides nutzbringend miteinander zu verknüpfen, wird jedoch nicht einfach. Bis 2030 könnten in der Gesundheits- und Krankenpflege Berlins und Brandenburgs 30 000 bis 50 000 Stellen entstehen, sagte ein Sprecher des Potsdamer Arbeitsministeriums. Allein über die Ausbildung ließe sich der Bedarf allerdings nicht schließen.

Im Mai gab es bei Arbeitsagenturen und Jobcentern 2378 offene Stellen im Gesundheits- und Sozialwesen, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg angab. Das entspricht einem Anteil von knapp zwölf Prozent aller offenen Stellen. Im Vergleich zum Vorjahr sei diese Zahl um fast 29 Prozent gewachsen. „Das zeigt deutlich den gestiegenen Personalbedarf der Branche“, betonte Agentur-Sprecher Dennis Hoffmann. Dem standen fast 13 000 erwerbsfähige Asylbewerber gegenüber, von denen fast 9500 arbeitssuchend gemeldet waren.

Doch offene Stellen mit Flüchtlingen und Migranten zu besetzen, sei gar nicht so einfach, bemerkte der Sprecher. Gerade in der Pflege seien gewisse Qualifikationen unabdingbar. Zum Beispiel sei im Flächenland Brandenburg ein Führerschein notwendig, um Menschen am Wohnort pflegen zu können oder mit ihnen zu Behörden zu fahren. Auch gute Deutschkenntnisse würden erwartet.

Ein weiteres Problem sind Hoffmann zufolge fehlende Zeugnisse, Zertifikate und Abschlüsse. „Das ist in den Ländern der Menschen, die aktuell mit Fluchthintergrund nach Deutschland kommen, eher untypisch.“ Speziell im Bereich des Gesundheits- und Sozialwesens sei aber eine formale Qualifizierung zwingend. Allerdings müssten auch ausländische Berufsabschlüsse schneller anerkannt werden. „Wir lehnen es ab, noch nicht qualifizierte Personen in die Pflege zu vermitteln, einzig, weil dort Personalmangel herrscht“, sagte die Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) Nordost, Ulla Rose. Das Prinzip „Hauptsache mehr Hände in der Pflege“ sei nicht sinnvoll. Einen Bonus für Migranten auf Kosten der fachlichen Qualität könnte die Patientensicherheit gefährden und verbiete sich daher.

Trotzdem sollten Chancen nicht ungenutzt bleiben. „Flüchtlinge können eine der möglichen Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sein“, meinte Rose. Sie müssten die Bereitschaft für die Ausbildung mitbringen und persönlich für einen Pflegeberuf geeignet sein. Rose plädiert für eine Vereinheitlichung der Helfer-Qualifikationen: „Der Berufseinstieg der basisqualifizierten Pflegehelfer muss mit festgeschriebenen und einheitlichen Grundkenntnissen erfolgen.“ Zudem sollte die Politik nach der Devise agieren: „Pflege kann nicht jeder“.

Insbesondere Brandenburg hat laut Hoffmann aber mit der Sogwirkung der Metropole Berlin zu kämpfen. „Das heißt, viele, die in Brandenburg registriert wurden, sind bestrebt, zeitnah in andere Länder und Großstädte weiterzureisen.“ Die Chance, dort schnell Geld zu verdienen und der Kontakt zu anderen Flüchtlingen stünde bei vielen im Vordergrund.

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