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Brandenburg

22. November 2017 | 10:37 Uhr

Keine Front gegen Wölfe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Experte des Landesumweltamts lehnt Sachsens härtere Gangart im Umgang mit den Wildtieren ab

Während der Freistaat Sachsen voraussichtlich die Maßnahmen gegen Wölfe verschärft, hält Brandenburg von diesen Ansätzen gar nichts. „Wir haben bei uns eine andere Situation“, sagt Steffen Butzeck, Wolfsexperte beim Brandenburger Landesumweltamt.

Mehr als 10 000 Unterschriften gegen die weitere Ausbreitung des Wolfs hatten zwei Schäfer aus der Sächsischen Schweiz gesammelt und dem Petitionsausschuss des Landtags übergeben. Nun, anderthalb Jahre später, liegt das Votum des Ausschusses vor. Er empfiehlt der Politik, den Wolfsgegnern Zugeständnisse zu machen.

Die „Entnahme“, also der Abschuss von Problemwölfen, soll demnach vereinfacht werden. Das ist unter strengen Auflagen schon jetzt möglich, aber künftig könnten andere Vorgaben gelten. Wenn demnach ein Wolf Nutztiere, Haushunde oder Menschen „in untypischer Weise gefährdet“, soll die Entnahme des Tiers „vorgesehen“ sein. Eine weitere Forderung: Entschädigungszahlungen für von Wolfsrissen betroffene Tierhalter sollen aufgestockt, das Antragsprozedere vereinfacht werden.

Das Schreiben des Petitionsausschusses liegt nun auf dem Tisch des Umweltministers, der sich aber derzeit nicht dazu positionieren möchte. Am 31. August wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Erst danach rückt das Thema auf die Agenda.

Alles dreht sich also um die Höhe der Zuschüsse für Zäune, um Entschädigungen für getötete Nutztiere und die Frage, wann nun ein Abschuss der unter Schutz stehenden Tiere geboten sein könnte. Die sächsischen Schäfer finden, dass bereits der Spaziergang eines Wolfs über eine Dorfstraße ein atypisches Verhalten und damit zu ahnden sei.

Steffen Butzeck, Wolfsexperte beim Brandenburger Landesumweltamt, reagiert ablehnend auf die sächsische Initiative. Sie sei kein Muster für die Mark. „Hier sieht man die Sache etwas gelassener als in Sachsen. Es gibt keine Front gegen den Wolf“, sagt er. „Wir sitzen von Anfang an immer wieder mit allen Betroffenen an einem Tisch und suchen gemeinsam nach Lösungen. Alle fühlen sich ernst genommen.“

Auch in Brandenburg gelte, dass bei Gefahr für Menschen Wölfe geschossen werden können, etwa wenn sie Tollwut haben. „Wölfe sind keine heiligen Kühe.“ Für Frieden würden zudem die im Vergleich zu Sachsen deutlich besseren Entschädigungsregelungen sorgen. „Tierhalter im Haupt- und Nebenerwerb erhalten sowohl 100 Prozent der wolfsbedingten Kosten etwa für Zäune wie auch 100 Prozent der vom Wolf angerichteten Schäden erstattet“, betont Steffen Butzeck. Bei der Beurteilung der einzelnen Fälle gehe man großzügig vor. „Wenn ein Schäfer Tiere verliert, weil er einen kleinen Fehler gemacht hat, geht er nicht leer aus“, stellt Butzeck klar. „Es ist doch klar, dass die Bauern erst nach und nach lernen, wie sie sich am besten auf den Wolf einstellen.“ Lediglich wer grob fahrlässig handele, Schafe zum Beispiel nachts auf dem Feld ohne Umzäunung stehen lasse, habe keinen Anspruch auf Entschädigung. Aber so etwas passiere in Brandenburg nur ein, zwei Mal pro Jahr.

Zu dem vor einer Woche bei Lieberose erschossen aufgefundenen Wolf indes liegen der Cottbuser Staatsanwaltschaft keine neuen Erkenntnisse vor. Der Lieberoser Repräsentant der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Heiko Schumacher, geht davon aus, dass der Wolfskadaver ohne Kopf, den eine Radfahrerin neben einer Bundesstraße gefunden hat, von einer unbekannten Person „entsorgt“ wurde. Die Auffindesituation lasse darauf schließen, dass das Tier nicht demonstrativ dort platziert wurde. Damit widerspricht Schumacher Deutungen, wonach das geköpfte Wildtier als Provokation neben einem Naturschutzschild drapiert wurde.

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