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EKBO : Kein „Wachsen gegen den Trend“ in Sicht

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Vor zehn Jahren, am 1. Januar 2004, entstand die Evangelische Kiche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Zehn Jahre später hat Benjamin Lassiwe mit Landesbischof Markus Dröge gesprochen.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 08:12 Uhr

Vor zehn Jahren, am 1. Januar 2004, entstand die Evangelische Kiche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Zehn Jahre später hat Benjamin Lassiwe mit Landesbischof Markus Dröge gesprochen.

Bischof Dröge, vor zehn Jahren wurde die EKBO gegründet. Was ist Ihre Bilanz?
Markus Dröge: Wir haben damals die Kirche neugegründet, um bewusst deutlich zu machen, dass verschiedene Kirchen mit ihren Traditionen gleichberechtigt in die EKBO einfließen. Wir haben mit der schlesischen Oberlausitz eine Kirche mit einer großen Tradition aufgenommen: die alte Breslauer Kirche. Aus Breslau stammten zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer und Friedrich Schleiermacher. Die schlesische Frömmigkeit ist bis heute eine Bereicherung für unsere Kirche.
Was hat die alte Kirche der schlesischen Oberlausitz denn ganz konkret mit in die EKBO eingebracht?
Ich freue mich sehr, dass sie eine intensive Partnerschaft zu den Lutheranern in Polen pflegt. Dass das schlesische Erbe nun in dieser Versöhnungsgemeinschaft gepflegt wird, hat unsere EKBO sehr bereichert. Und Gleiches gilt für die Kontakte mit den Böhmischen Brüdern in Tschechien, die von der schlesischen Oberlausitz aus besonders gepflegt werden.
In der schlesischen Oberlausitz, die zu Sachsen gehört, gibt es das staatliche Pflichtfach Religionsunterricht, in Berlin und Brandenburg ist es ein freiwilliges Unterrichtsfach. Was funktioniert besser?
Wir haben als Kirche die Schwierigkeit, dass wir es beim Religionsunterricht in drei Bundesländern mit drei verschiedenen Systemen zu tun haben. Mir ist es vor allem wichtig, dass es einen guten Religionsunterricht gibt. Und da können wir vor allem in Brandenburg sagen, dass sich das Schulfach in den letzten Jahren immer stärker etabliert hat. Der Religionsunterricht ist in den Schulen in Brandenburg angekommen und wird dort sehr gut angenommen, mit steigenden Teilnehmerzahlen.
In Berlin streiten Sie mit dem Senat über die Refinanzierung des Religionsunterrichts. Wie sieht es in Brandenburg aus?
Angesichts der demographischen Entwicklung müssen wir mit dem Land darüber reden, ob nicht die Gruppengrößen, ab denen es eine Refinanzierung gibt, verkleinert werden müssen. Schließlich werden auch die Klassen kleiner. Insgesamt wäre es natürlich besser, ein staatliches Pflichtfach „Religion“ nach Artikel 7 des Grundgesetzes zu haben. Aber in Berlin und Brandenburg haben wir uns mit den derzeitigen Systemen abgefunden und können im Prinzip damit auch leben.
Wenn man sich die Statistik der EKBO anschaut, stellt man fest, dass die frühere schlesische Oberlausitz seit der Kirchengründung 2003 rund ein Drittel ihrer Gemeindeglieder verloren hat. Wie will sich die Kirche künftig aufstellen?
Die Lausitz hat seit der Kirchenfusion zum Beispiel davon profitiert, dass junge Pfarrerinnen und Pfarrer im Bereich der ehemaligen schlesischen Oberlausitz ihren Dienst aufgenommen haben. Auch aus den anderen Sprengeln sind junge Theologen gekommen. So etwas sichert die Zukunft der Kirche der Region. Und dann haben wir uns ja auch mit der Kirchenkreisfusion auf die Zukunft eingestellt: Bei zurückgehenden Zahlen müssen wir die Strukturen verschlanken, damit wir nicht an Überkommenem festhalten, sondern die Kraft, die wir haben, dann auch wirklich für unsere Gemeindearbeit einsetzen können.
Ihr Vorgänger Wolfgang Huber prägte ja einst den Begriff des „Wachsens gegen den Trend“. Ist das für die EKBO eigentlich noch ein Thema?
Der Begriff war ja ursprünglich so gemeint, dass es durch missionarische Erfolge gelingen sollte, den demographischen Rückgang aufzufangen und die Gemeindegliederzahlen zumindest stabil zu halten. Das hat sich nicht bewahrheitet. Die Entwicklung der Gemeindegliederzahlen zeigt, dass der Rückgang durch Wegzüge und Todesfälle so stark ist, dass wir das zum Beispiel mit Erwachsenentaufen derzeit nicht auffangen können. Dennoch ist es unser Ziel – und hier denken wir in Generationen – dass wir mit unseren evangelischen Schulen, mit dem Religionsunterricht und dem Konfirmandenunterricht die in der DDR-Zeit zurückgedrängte christliche Tradition in der Region wieder neu stärken und lebendig halten können. Der Auftrag, Kirche zu sein, bleibt, auch wenn wir in absehbarer Zeit nicht mit einem zahlenmäßigen „Wachsen gegen den Trend“ rechnen können.

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