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Gifteier helfen Öko-Produzenten : Kein Absatzproblem bei Bio-Höfen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach dem Gifteier-Skandal sind die Verbraucher zunehmend beunruhigt –Profitieren Bio-Betriebe nun von dem Skandal?

svz.de von
erstellt am 14.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Tagsüber picken die Hühner in der Kirschplantage in Werder (Potsdam-Mittelmark) im Boden, nachts geht es in den mobilen Stall im umgebauten alten Bauwagen. „Gefressen wird Bio-Futter“, sagt Landwirt Jochen Fritz, einer der Geschäftsführer des Bio-Hofes Werder. Verkauft werden Bio-Eier. Über mangelnde Nachfrage muss Fritz nicht klagen - wie auch nicht vor dem Skandal um Gifteier, die mit dem Insektizid Fipronil belastet waren. Aber der Skandal könnte biologisch produzierenden Betrieben weitere Kunden bescheren.

Seit kurzem beliefert der Hof auch eine Supermarktfiliale in Werder, sonst gibt es die Eier im Direktverkauf auf dem Hof. „Zugenommen haben die Eier-Abonnenten, die eine bestimmte Menge in der Woche abnehmen“, sagt der Landwirt im Nebenerwerb. „Unsere Bio-Landwirte haben auch vor dem Skandal nicht unter Absatzproblemen gelitten“, berichtet Michael Wimmer, Geschäftsführer des Fördervereins ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Die Verbraucher seien sehr sensibilisiert. Sie wollten ganz genau wissen, woher ihre Lebensmittel stammen. Immer öfter griffen sie zu Bio-Produkten.

Wichtig sei, wie die Tiere leben und ob sie artgerecht gehalten werden, sagt Landwirt Fritz. Dazu müsse er oft Fragen beantworten.

Doch auch die mobilen Hühnerställe blieben nicht von Parasiten verschont. „Die Rote Vogelmilbe bekämpfen wir beispielsweise mit Kalk, die Sitzstangen werden abgeflammt. Damit werden Schädlinge vernichtet“, berichtet er.

Der Betrieb startete vor zwei Jahren mit 100 Hühnern, jetzt sind es 250 der Rassen Domäne Gold und Domäne Silber. Sie liefern am Tag etwa 250 Eier. Mit dem mobilen Stall werden die Tiere auf dem Land des Betriebes zu immer andern Stellen gefahren. Nachts finden sie im Bauwagen Schutz. Dort erhalten sie ihr Futter und legen die Eier in Nester. „Mit dem Preis von 45 Cent liegen wir über Supermarktpreisen“, sagt er. Damit werde artgerechte biologische Hühnerhaltung und Landschaftspflege unterstützt, betont er.

In Brandenburg gibt es etwa 820 Betriebe mit Geflügelhaltung. Landesweit werden rund 8,6 Millionen Hühner gehalten. Im Vorjahr legten die Tiere rund 860 Millionen Eier, 1,4 Prozent weniger als 2015. 675 Millionen Eier davon stammten aus Bodenhaltung und 113 Millionen aus ökologischer Haltung, der Rest aus Freiland- und Käfighaltung. Jeder Deutsche verbraucht laut Statistik durchschnittlich 235 Eier im Jahr. 

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