Unternehmen aus Brandenburg : KAPI erhält Innovationspreis

Am Propeller: Holger Kalinka, Inhaber der Firma KAPI Electronics GmbH (r.) mit dem Vorsitzenden des Barnimer Mittelstandshauses, Carsten Schmidt
Am Propeller: Holger Kalinka, Inhaber der Firma KAPI Electronics GmbH (r.) mit dem Vorsitzenden des Barnimer Mittelstandshauses, Carsten Schmidt

Eine Eberswalder Firma entwickelt ein intelligentes Fallschirmrettungssystem und wurde dafür nun ausgezeichnet

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01. Dezember 2017, 10:00 Uhr

Drei Unternehmen haben den „Brandenburger Innovationspreis Metall“ erhalten. Zu den von Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) in dieser Woche geehrten Gewinnern zählt die KAPI Electronics GmbH aus Eberswalde (Barnim).

Dem Unternehmen gelang eine bahnbrechende und im Extremfall zugleich lebensrettende Erfindung. „Flugtechnik sollte uns nicht auf den Kopf fallen“, äußerte Geschäftsführer Holger Kalinka mit einem Anflug von trockenem Humor. Deshalb haben pfiffige Köpfe in seinem Unternehmen ein System entwickelt, mit dem bemannte Ultraleichtflugzeuge bis 450 Kilogramm und einmotorige Flugzeuge bis 2000 Kilogramm sowie Drohnen – die bekanntlich immer mehr Aufgaben in der Luft übernehmen oder dem Freizeitspaß dienen – bei einem auftretenden Schaden nicht einfach vom Himmel fallen, sondern sozusagen per Fallschirm zu Boden segeln. Das intelligente pneumatische-Fallschirmrettungssystem kann weltweit in der allgemeinen Luftfahrt eingesetzt werden. Kalinka geht daher davon aus, dass seine Firma einen erheblichen Wachstumsschub erfährt, wenn das System seine Zulassung erhalten hat.

Die Eberswalder Firma teilt sich das Preisgeld von 10 000 Euro mit zwei weiteren Unternehmen aus der Mark – zu gleichen Teilen. Das sind die Firma A bis Z Oberflächenveredlung aus Zehdenick (Oberhavel) und die Firma Sinfosy aus Wildau (Dahme-Spreewald). Bei A bis Z wurde ein mittlerweile patentiertes Beschichtungsverfahren entwickelt, mit dem Stahlschiffe im Unterwasserbereich einen Korrosionsschutz erhalten, der 30 Jahre hält. Bislang mussten Freizeitkapitäne und andere Schiffsbesitzer ihr schwimmendes Gefährt etwa alle acht Jahre im Unterwasserbereich neu gegen Rost schützen. In dem neuen Verfahren wird erst einmal mit Trockensandstrahlen die alte Schicht abgetragen. Dem schließt sich eine Lichtbogenverzinkung an, bevor eine spezielle Farbbeschichtung, die mit der Verzinkung kompatibel ist, aufgetragen werden kann.

Sinfosy überzeugte die Jury mit ihrem Konzept zur digitalen Kommunikation in klein- und mittelständischen Produktionsbetrieben. Diese ermöglicht in allen Arbeitsprozessen den Verzicht auf Papier und gestaltet die Kommunikation auf allen Betriebsebenen per mobilen Endgeräten sowie mit einer App.

Bereits zum vierten Mal richtete das brandenburgische Wirtschaftsministerium den Wettbewerb aus. Die Preise wurden auf der Konferenz der brandenburgischen Metallbranche in Hennigsdorf (Oberhavel) übergeben. In seinem Grußwort an die 160 Teilnehmer unterstrich Minister Gerber einerseits die landesweit herausragende Stellung der Metallindustrie innerhalb des verarbeitenden Gewerbes. Er legte den Finger aber auch in eine der größten Wunden: den Fachkräftemangel. „Jede dritte ausgeschriebene Stelle konnte 2016 im verarbeitenden Gewerbe nicht besetzt werden.“

Kleine Unternehmen hätten es besonders schwer. Das Land biete zwar Hilfe an, auch finanzieller Art, sagte Gerber. Gelöst werden müsse das Problem aber auf Bundesebene. Er forderte ein Einwanderungsgesetz für Fachkräfte, die Deutschland aus dieser Misere helfen. Welche Parteien dieses Land in Zukunft auch regieren werden, der nächsten Bundesregierung empfahl er sehr dringend: „Sie muss sich diesem Thema sicher nochmal genauer widmen.“ Die Unternehmer schienen seine Meinung zu teilen, Widerspruch regte sich nicht.
 

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