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Brandenburgisch-Preußische Geschichte : Junges Museum für Historie

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ist vor allem bei Schulklassen beliebt

Potsdam ist voller Museen. Der Besucher kann neben den Schlössern das Filmmuseum, das Naturkundemuseum, die Gedenkstätten, das Stadtmuseum und viele weitere Ausstellungen besuchen. Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte hat es da nicht einfach, sich zu behaupten.

Es war eine typische Stolpe-Idee: Als sich in den 1990er-Jahren die Stadt Potsdam mit der Übernahme des ehemals königlichen Kutschpferde-stalls überfordert sah und das zu DDR-Zeiten als Obst- und Gemüsemarkt zweckentfremdete Barockensemble weiter zu verfallen drohte, kam der damalige Ministerpräsident mit dem Vorschlag um die Ecke, dass das Land eigentlich ein Museum für die Geschichte Brandenburgs und Preußens brauche.

Wie vieles zu dieser Zeit war auch diese Idee nicht ausgereift und lange Zeit musste um die Finanzierung gefeilscht werden.

Das Konzept für das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG – ein eingängiger Name wurde bis heute nicht gefunden) sah vor, dass ein Museum ohne eigenen Bestand aufgebaut wird, dass die Landesgeschichte in enger Kooperation mit den vielen kommunalen Museen und Leihgaben aus dem Bestand der Preußischen Schlösserstiftung und der Berliner Sammlungen darstellt.

Seit Ende 2003 ist da, wo einst die edlen Kutschpferde untergebracht waren, die Zeit von der slawischen Besiedlung bis zur Gegenwart an Hand ausgewählter Stücke zu erleben. Da findet sich ein vergoldeter Messkelch von 1452 aus Altlandsberg, Scheren aus dem untergegangenen uckermärkischen Kloster Seehausen, die Lade der Hechtreißergilde aus Wriezen oder Barockengel von der Bernauer Orgel. Und eine komplette Kanzel aus der Dorfkirche von Schmölln (Uckermark). Die Zusammenarbeit mit den kommunalen Museen oder Kirchgemeinden scheint zu funktionieren, schon weil ein Teil der Exponate für die Dauerausstellung oder die vielen Sonderschauen zu diesem Zecke restauriert werden können.

Insgesamt zählt das Haus eingerechnet der 200 Veranstaltungen im Jahr (Lesungen, Vorträge, Konferenzen) rund 55 000 Gäste. Wenig mehr als im ersten Jahr 2004. Der Kutschstall liegt abseits der Touristenströme am wenig bekannten Neuen Markt.

Großen Andrang gibt es zumindest bei den jungen Besuchern. Unter dem Titel „Ein Tag in Potsdam“ wird ein Bildungstag angeboten, der mit einem Rundgang in der Ausstellung beginnt, eine Stadtrallye zu historischen Punkten Potsdams beinhaltet und dann mit einem historischen Mittagessen fortgesetzt wird. Bei Kerzenschein, Musik und mit kostümierter Bedienung wird ein Kutschermahl (Kartoffeln und Leinöl) gereicht. Den Abschluss bildet eine Führung durch das Neue Palais mit einer Anprobe historischer Kinderbekleidung. Für Schüler der Oberstufe gibt es auch eine Kombination mit der Gedenkstätte Lindenstraße, dem ehemaligen Stasi-Gefängnis.

200 Busse (mit je drei Schulklassen) kamen 2015 aus allen Landesteilen zu diesem besonderen Unterricht. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ermöglicht es, dass die Schüler nur je sechs Euro zahlen müssen, berichtet HBPG-Sprecherin Antje Frank. Allerdings stand bis 2013 ein Drittel mehr Geld für die gesponserten Fahrten zur Verfügung. Für das kommende Schuljahr sind die Finanzverhandlungen gerade im vollen Gange.

In Vorbereitung ist auch eine neue Dauerausstellung. Sie soll vor allem mehr Informationen zum 20. Jahrhundert bieten und die gesamte Ausstellungsfläche erweitern – ohne die Möglichkeiten für Sonderschauen und Veranstaltungen zu schmälern. Eigentlich hätte sie schon 2015 eröffnen sollen, nun hofft man auf das Jahr 2018. Parallel dazu werden große Ausstellungen zum Reformationsjubiläum (2017) und zu Fontanes 200. Geburtstag im Jahr 2019 in Kooperation mit weiteren Museen vorbereitet.

Ulrich Thiessen (MOZ)

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erstellt am 30.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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