Intensivtäter schneller vor Gericht stellen : Jung, kriminell und auf Droge

Im blauen Dunst: Rauchende Jugendliche sind auf Brandenburgs Schulhöfen Alltag. Inzwischen werden dort aber auch immer öfter harte Drogen konsumiert.
Im blauen Dunst: Rauchende Jugendliche sind auf Brandenburgs Schulhöfen Alltag. Inzwischen werden dort aber auch immer öfter harte Drogen konsumiert.

Nach den Morden von Müllrose, Oegeln und Borkheide steht der Umgang mit Intensivtätern in der Kritik

svz.de von
13. April 2017, 05:00 Uhr

Nur wenige Wochen nach den Ereignissen von Müllrose und Oegeln ist in Brandenburg erneut ein junger Intensivtäter aus dem Drogenmilieu zum Mörder geworden. Experten kritisieren, dass das Land zu lax mit jugendlichen Kriminellen umgehe. Zugleich scheint der Drogenkonsum zu einem immer größeren Problem zu werden.

Die Morde haben auffällige Parallelen. In beiden Fällen sind die Täter jung, waren der Polizei als Intensivtäter bekannt, kommen aus dem Drogenmilieu. Nach den schrecklichen Taten von Müllrose und Oegeln (Oder-Spree), wo Jan G. (24) Ende Februar zuerst seine Großmutter erstach und dann zwei Polizisten mit dem Auto überfuhr und dabei tötete, ist auch Borkheide in Potsdam-Mittelmark zum Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens geworden. Der 17 Jahre alte John B. steht unter Verdacht, seine Mutter getötet zu haben. Als Polizisten ihn zu Hause festnahmen, war er betrunken und stand unter Drogeneinfluss. Auch Jan G. tötete im Rausch. Ein Bluttest ergab, dass er Ecstasy genommen hatte.

Tatsächlich deutet die Statistik darauf hin, dass der Drogenkonsum unter Jugendlichen zunehmend zum Problem wird. Zwar ist die Zahl der Rauschgiftdelikte an Brandenburger Schulen nach jahrelangem Anstieg im Vorjahr erstmals gesunken. Doch die Drogenkriminalität war noch immer mehr als doppelt so hoch wie 2009, als die Polizei 83 Fälle registrierte. 2016 wurden laut Kriminalitätsstatistik 196 Fälle ermittelt – 18 weniger im Jahr zuvor. Meist geht es um den Besitz oder Erwerb von Drogen, im Fokus steht Cannabis. Weit verbreitet sind Amphetamine und Crystal Meth.

Die tatsächlichen Zahlen dürften höher liegen, da die Statistik nur Fälle auflistet, die der Polizei bekannt werden. Eine Dunkelfeldanalyse fehlt. Das sieht CDU-Rechtsexperte Danny Eichelbaum als Defizit. Die Landesregierung müsse sich endlich ein umfassendes Bild verschaffen, welche Drogen von wie vielen Märkern konsumiert werden, so der Landtagsabgeordnete. „Basierend auf den Ergebnissen sollte die Landesregierung einen Plan für eine erfolgreiche Drogen- und Präventionspolitik entwickeln. Viel zu lange haben SPD und Linke die wachsende Zahl der Drogenabhängigen im Land ignoriert.“

Angesichts der Taten von Jan G. und John B. sieht Eichelbaum auch im Umgang mit jugendlichen Straftätern dringenden Handlungsbedarf. Nicht wenige Intensivtäter würden vor brutalsten Gewalttaten nicht mehr zurückschrecken, „weil es für sie keine Werte und Moralvorstellungen gibt“, mahnt der Rechtsexperte. Er fordert, Jugendstrafverfahren möglichst schnell abzuschließen. Noch immer sei der Anteil vereinfachter Strafverfahren – binnen zwei Wochen nach der Tat – sehr gering. „Junge Kleinkriminelle müssen schnell nach ihren ersten Taten bestraft werden und so davor bewahrt werden, weitere schwere Straftaten zu begehen", sagt Eichelbaum.

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