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Tourismus Brandenburg : Jugendherbergen mit neuem Image

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Von wegen staubiges Schullandheim – Brandenburgs Jugendherbergen sind beliebt / Das liegt nicht nur am gestiegenen Komfort

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Die Jugendherbergen in Brandenburg haben an Attraktivität gewonnen. Ein Grund dafür ist, dass sie mittlerweile mehr sind als angestaubte Schullandheime mit Hochbetten und Früchtetee. In den 17 Herbergen des Landes wurden im vergangenen Jahr 233 000 Übernachtungen gebucht, 19 000 mehr als noch 2015. Damit liegt Brandenburg vor Berlin, dessen vier Jugendherbergen 213 500 Mal gebucht wurden. Einen großen Teil der Gäste machen die Städter aus: 84 600 Berliner übernachteten in den Herbergen des Landesverbands, die meisten von ihnen in Brandenburg. Im Schnitt blieben die Gäste 2,7 Nächte.

Dass die Herbergen dem Niedergang trotzen, der ihnen durch Hostel-Ketten und Couchsurfing-Plattformen vielfach prophezeit wurde, hat einen simplen Grund: „In Brandenburg profitieren wir davon, dass die neue Konkurrenz hier fast gar nicht angekommen ist“, sagt Marcus Hirschberg, Sprecher des Landesverbands Berlin-Brandenburg im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH). Denn Hostels und Couchsurfing boomten vor allem in Metropolen. Die sind in Brandenburg rar gesät. Einzig die DJH-Unterkunft in Potsdam profitiert von der Nähe zu Berlin und ist mit 55 Prozent Auslastung die bestgebuchte Herberge in Brandenburg.

Ansonsten punktet das Bundesland bei Ausflüglern vor allem mit seiner Landschaft. Gleichzeitig sei das jedoch auch die größte Schwäche der Herbergen in Brandenburg, so Hirschberg: „Reiseziele wie Berlin ziehen ganzjährig Gäste an, aber im verregneten November erscheint vielen ein Ausflug aufs Land nicht besonders attraktiv.“ Das erklärt auch die relativ geringe Auslastung der brandenburgischen Herbergen, die 2016 bei 37 Prozent lag.

Da müssen die Jugendherbergen schon ein Aktivitäten-Angebot anbieten. In der Herberge am früheren Konzentrationslager in Sachsenhausen etwa gibt es ein besonderes kulturelles und pädagogisches Angebot. Die Gäste können bei Führungen und Workshops die Geschichte des Ortes kennenlernen. So ist Sachsenhausen auch die Herberge mit der zweitbesten Auslastung in Brandenburg, im Schnitt war die Hälfte der Betten 2016 belegt. Vor allem international war Sachsenhausen gefragt, ein Viertel der Gäste stammte aus dem Ausland.

Getoppt wird das nur von der Herberge im ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück, wo 37 Prozent der Gäste aus dem Ausland kamen. Hier, wie auch im Rest Brandenburgs und Berlins, schlafen Gäste aus dem eurpäischen Ausland besonders häufig. Besucher aus Asien folgen auf Platz zwei.

„Die meisten Herbergen profilieren sich allein schon durch ihren Standort. Das zieht Gäste an“, sagt DJH-Sprecher Hirschberg. Während andernorts Geschichte im Angebot ist, lässt sich in Bad Saarow am Scharmützelsee gut Wassersport treiben. Auch Erholung mit der Familie bietet sich an. Familien und Einzelreisende machen einen immer größeren Anteil an den Übernachtungsgästen aus, rund ein Drittel der Betten in Brandenburg wird von diesen Besuchergruppen gebucht.

Schulklassen bleiben mit gut der Hälfte aller Buchungen noch immer die größte Gruppe.

Um trotz aller Vorzüge Brandenburgs langfristig konkurrenzfähig zu bleiben, hat sich auch der Komfort in den Unterkünften verändert. „Klassische“ Jugendherbergen mit sehr einfacher, zweckmäßiger Einrichtung gibt es zwar immer noch. Aber immer mehr Herbergen setzen auf hochwertigeres Interieur, in manchen gibt es Saunen, gute technische Ausstattung ist mittlerweile Standard.

Nur angekommen ist das noch nicht bei allen: „Das Bewusstsein, dass Jugendherbergen mittlerweile mehr sind als Klassenfahrts-Ziele, muss sich noch durchsetzen“, sagt Marcus Hirschberg.

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