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Suchterkrankungen : Jugend greift besonders oft zu Alkohol

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Beratungsstellen klagen über Geldnot und Vorbehalte

svz.de von
erstellt am 30.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Die mehr als 30 Beratungsstellen für Eltern suchtkranker Kinder und Jugendlicher in Brandenburg haben mit Geldnot und Vorbehalten zu kämpfen. Das ergab eine dpa-Umfrage. So wagten bislang nur wenige Eltern, Hilfsangebote anzunehmen.

„Suchterkrankungen sind in der Regel tabuisiert“, sagte Andrea Hardeling von der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen in Potsdam. Bis Betroffene oder Angehörige Hilfe suchten, vergingen in der Regel Monate oder Jahre. „Schuld und Scham spielen dabei eine große Rolle“, sagte Hardeling. Darüber hinaus werde die Sucht häufig verdrängt.

Dabei gibt es eindeutige Alarmsignale für ein Suchtverhalten, die Eltern keineswegs ignorieren sollten, wie Bettina Steinke-Schmidt von der Suchthilfe Prignitz in Wittenberge erläutert. „Wenn ihr Kind kaum noch vor die Tür geht, stattdessen stundenlang am Computer sitzt und dafür sogar die Schule schwänzt, sollten Eltern aktiv werden“, empfahl sie.

Gerade neue Medien könnten für Jugendliche ein ungeahntes Suchtpotenzial bieten.„Mediensucht wird allerdings bislang nur als Phänomen, nicht aber als Krankheit angesehen“, stellt Andrea Hardeling klar. Das größte Problem unter märkischen Jugendlichen stelle die Alkoholsucht dar. Mit weitem Abstand folgten Drogen wie Cannabis oder Zigaretten. „Der Aufbau von Beratungsstellen in Brandenburg ist sehr schwierig, da die Scham sehr groß ist“, sagte auch Sabine Hinze vom Elternkreis Berlin-Brandenburg (EKBB). Trotzdem beobachtet sie eine wachsende positive Resonanz von Eltern auf Beratungsangebote. „Doch nur telefonische Beratungen reichen nicht aus“, sagte sie. Und so wolle der Elternkreis die Selbsthilfegruppen weiter unterstützen .

Die Finanzierung des Elternkreisverbandes durch das Land sei drastisch gesunken. „Erst in diesem Jahr haben wir erfahren, dass uns alle Gelder gestrichen worden sind“, monierte sie. Im Potsdamer Gesundheitsministerium begründet man diesen Schritt damit, dass der Beratungsschwerpunkt des Kreises vornehmlich im Konsum illegaler Drogen gesetzt sei. „In Brandenburg liegen die drängenden Suchtprobleme aber im Konsum von Tabak und Alkohol“, betonte ein Ministeriumssprecher. Bedingungen für eine erneute Förderung seien mit dem Elternkreis erörtert worden.

Das Land fördert einem Sprecher des Sozialministeriums zufolge kommunale Angebote der ambulanten Suchtberatung und Suchthilfe in allen Landkreisen und kreisfreien Städten mit jährlich über 1,2 Millionen Euro. In die Prävention von Suchtkrankheiten, die sich zu einem großen Teil an Kinder und Jugendliche richte, würden über 480 000 Euro fließen.

 

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