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Flüchtlinge in Brandenburg : Integrationskonferenz voller Symbolkraft

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Draußen, auf der Friedhofsgasse vor der Potsdamer Staatskanzlei, demonstrierte die NPD. Drinnen, im Brandenburg-Saal, erklangen die klagenden, sehnsuchtsvollen Töne syrischer Volksmusik.

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erstellt am 15.Dez.2015 | 00:38 Uhr

Draußen, auf der Friedhofsgasse vor der Potsdamer Staatskanzlei, demonstrierte die NPD. Drinnen, im Brandenburg-Saal, erklangen die klagenden, sehnsuchtsvollen Töne syrischer Volksmusik. 200 Vertreter von Flüchtlingsinitiativen, Verbänden, Kirchen und Parteien trafen sich dort gestern Nachmittag zur ersten Integrationskonferenz des von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ins Leben gerufenen „Bündnis für Brandenburg“. Symbolischer hätte die Veranstaltung kaum beginnen können.

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke gab sich staatstragend. Die Integration der Flüchtlinge sei eine der größten Herausforderungen der letzten 25 Jahre. „Ich habe keinen Zweifel, dass wir diese Herausforderungen bestehen werden“, sagte Woidke. Dann wurde er unterbrochen. Zwei junge Aktivisten entrollten vor seinen Augen ein Transparent. „Statt Integrations-Bla-Bla: Lager abschaffen“, stand auf dem Banner der Flüchtlingsaktivisten. Höflich wurden sie aus dem Saal komplimentiert. Woidke ließ sich nicht beirren, redete weiter. „Wir wollen uns stark machen für die Integration von Menschen, die in unsere Gesellschaft gekommen sind.“ Doch der Ministerpräsident hielt sich nicht ans Manuskript. Während in einer Presseerklärung der Staatskanzlei die Rede davon war, dass Woidke die Schaffung 260 weiterer Lehrerstellen ankündigte, erfuhren die Menschen im Saal davon nichts. Stattdessen kündigte er an, 2016 werde Brandenburg mehr Geld für die Duale Ausbildung bereitstellen. Das Integrationskonzept werde überarbeitet. „Es wird viel passieren.“

Eindrücklicher waren da die Schilderungen der Flüchtlinge aus Syrien, die den Zuhörern von ihren Fluchterfahrungen berichten – vom IS, der eine Gitarre zerstöre, weil er sie für westlich hielt, vom Gefängnis in der Türkei und in Bulgarien und vom gefährlichen Weg über das Mittelmeer. „Eisenhüttenstadt war ein bisschen schwer, das Heim war nicht so gut“, sagte Sami aus Syrien. In Frankfurt an der Oder aber fühle er sich wie zu Hause. „Alles ist super da“, sagte ein anderer Flüchtling.

Wie das geht? „Wir schaffen Kontaktmögkichkeiten für die Menschen“, sagt Thomas Klähn von der Willkommensinitiative Frankfurt (Oder). Aber noch fehlten dort und anderswo noch viele Menschen, die sich in ihrer freien Zeit für Kontakte zu Flüchtlingen engagierten. Gerade in kleinen Orten in der weiten Fläche des Landes gebe es kaum Initiativen. „Wenn keine Menschen da sind, die sich kümmern, umgeben sich die Menschen mit Anderen, die ihre Sprache sprechen“, sagte Klähn. „Dann versäumen sie Integration.“

Weswegen sich auch Woidke noch mehr Engagement für Flüchtlinge wünscht. „Ich hoffe, dass von dieser 1. Integrationskonferenz das Signal ausgeht, dass Brandenburg in der Frage der Integration von Schutzsuchenden an einem Strang zieht, dass Integration gelingt und aus Flüchtlingen überzeugte Brandenburger werden.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.
 

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