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Schulbildung : Inklusion erhält schlechte Noten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Studie zum Pilotprojekt liefert ernüchternde Ergebnisse. Lehrerbildungsinstitut gegen Ausweitung

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Die Unterrichtung von Schülern mit Förderbedarf in Regelschulen führt zu Defiziten in der Wissensvermittlung der Inklusionsklassen. Schüler mit Lernschwierigkeiten fühlen sich zum Teil dort ausgegrenzt.

Im Schuljahr 2012/13 wurde an 84 Grundschulen das Pilotprojekt Inklusion gestartet. Dabei wurden Kinder mit besonderem Förderbedarf in die Regelklassen integriert. Zusätzlich Lehrkräfte sollten dafür sorgen, dass es keine Defizite in der Wissensvermittlung gibt.

Eine wissenschaftliche Begleitung von 61 Klassen über zwei Jahre durch die Universität Potsdam ergab, dass die Schüler ohne Förderbedarf leicht niedrigere Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen hatten als Kinder aus bundesdeutschen Vergleichsklassen.

Die Schüler mit Förderbedarf lagen deutlich unter den Vergleichswerten, wobei die Abstände zu ihren Mitschülern eher zunahmen als abnahmen. Diese Schüler fanden sich auch weniger von den Lehrern angenommen. Das Gefühl ausgegrenzt zu sein, nahm im Laufe der Zeit zu. Sie schätzten das Klassenklima weniger gut ein als ihre Mitschüler.

Professor Nadine Spörer hob in einer Sitzung des Bildungsausschusses hervor, dass die Lehrer im untersuchten Zeitraum eine positive Einstellung zur Inklusion hatten. Je mehr Erfolge sie sahen, desto geringer wurde die schulische Belastung gespürt.

Spörer betonte jedoch, dass die Schulen des Pilotprojektes sich freiwillig meldeten und unklar sei, wie engagiert Lehrer reagieren, wenn das Integrationsprojekt flächendeckend eingeführt werden würde.

Götz Bieber, Direktor des pädagogischen Landesinstitutes (LISUM), sprach sich dafür aus, die jetzigen Inklusionsschulen weiter zu begleiten. Es sei besser, die dort gesammelten Erfahrungen mit Heterogenität auszubauen als die Zahl der betreffenden Schulen auszuweiten.

Laut Staatssekretär Thomas Drescher soll ein Konzept zur Weiterführung der Inklusion bis zum Sommer vorgelegt werden. Falls das Angebot ausgebaut würde, müsse man vor allem über Geld reden. Die Mittel für die zusätzlichen Lehrer sind bislang nicht veranschlagt, so Drescher.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion sprach von erwartbaren Ergebnissen der Evaluation. Es seien viel zu hohe Erwartungen geweckt worden. Er kritisierte, dass es keinen Vergleich mit Kindern in Förderschulen gab.

Laut Spörer lässt sich nicht sagen, ob die Kinder mit Förderbedarf dort mehr, weniger oder genauso viel lernen. „Es ist bedenklich, dass Kinder mit Förderbedarf sich mit zunehmendem Alter schlechter in den Klassen aufgehoben fühlen“, sagte die Grünen-Abgeordnete Marie-Luise von Halem.

Für Spörer geht es nicht darum, die Schere zwischen Kindern mit und ohne Förderbedarf schließen zu wollen, sondern darum, den Umgang mit Unterschieden zu lernen.

Ulrich Thiessen

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