Waldumbau : In der Ruhe liegt die Kraft

Mario Kaufmann und Mario Ortel (v.l.) pflügen mit den Kaltblütern Betty und Hannes eine Pflanzrinne für Traubeneichen.
Mario Kaufmann und Mario Ortel (v.l.) pflügen mit den Kaltblütern Betty und Hannes eine Pflanzrinne für Traubeneichen.

Kaltblüter aus der Uckermark sind bekannt für ihre Stärke und ihre Ausgeglichenheit. Sie helfen beim Waldumbau an der Autobahn 12.

svz.de von
12. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Wo gebaut wird, fallen zumeist auch Bäume. Doch der Gesetzgeber schreibt aufwendige Ersatzmaßnahmen vor. Was dabei geschieht, ist derzeit im Wald nahe der A 12 in Oder-Spree zu erleben.

Nach anderthalb Stunden Arbeit sind Betty und Hannes fix und fertig. Ihr Winterfell ist nass geschwitzt, erschöpft lassen die beiden Kaltblüter die Köpfe hängen. Doch die Ablösung ist unterwegs. Zwei Maultiere nehmen die Plätze an der Spitze des Eberswalder Forststreifenpflugs von 1954 ein. Vierbeiner im Dienste einer Forstwirtschaft, die auf Tiere statt Trecker setzt, weil die Pferde den Boden schonen und damit zum Beispiel die Fähigkeit des Waldes, Wasser zu speichern, erhalten.

Zu zeigen, wie die PS-starke Methode aussieht, ist Thomas Mattuschka vom Landesbetrieb Straßenwesen ein Herzensanliegen. Denn ihm lagen in den vergangenen Jahren Bürger und Umweltverbände in den Ohren, wie er erzählt. Sie beklagten sich bei ihm, weil für die Erweiterung der A 12 auf 17 Kilometern ab dem Dreieck Spreeau Richtung Osten tausende hohe Kiefern weichen mussten. „Die Leute waren misstrauisch, wollten nicht glauben, dass dafür an anderer Stelle angemessen wieder aufgeforstet wird“, erzählt Mattuschka. Nun kann er endlich sechs Hektar Wald zeigen, die im Auftrag des Landesbetriebs als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für rund 100 000 Euro ökologisch wertvoll mit insgesamt 20 000 Eichen, Schlehen und Wildapfelbäumen bepflanzt werden.

Hier ziehen nun also Betty und Hannes, die beiden Kaltblüter aus der Uckermark, ihre Bahnen. Sie sind sehr kräftig, haben ein ruhiges Gemüt, das macht sie so geeignet für die schwierige Arbeit im Wald. 3000 Euro kostet so ein Tier. „Ordentlich ausgebildet sind sie gar nicht zu bezahlen“, erzählt Mario Kaufmann, Inhaber eines Holzrückebetriebs und damit Herr über die Pferde.

Hier, im Wald an der A 12, tragen Kaufmann und seine Kollegen mit dem Pflug eine dünne Schicht Waldboden ab. Mit einem Spezialspaten, dem so genannten Fahrradlenker, werden Löcher ausgehoben, die kaum 50 Zentimeter lange Setzlinge hineingedreht und mit Stiefeln festgetreten. 60 bis 80 Bäumchen schafft ein Arbeiter pro Stunde. „Der Humus wird aufgeschnitten und die Pflanze in den Mineralboden gleich darunter gesetzt, damit schon der erste wenige Regen den kleinen Baum kräftigt“, erklärt Annette Busch, Vize-Chefin des Bundesforstbetriebs Havel-Oder-Spree.

Und weil er sich in jedem Boden gut macht, ist dafür in den Augen der Experten der vor vielen Jahrzehnten im Barnim entwickelte Eberswalder Forststreifenpflug – mit Scheibensech und Pflugschar – unverzichtbar. „Den kann man zwar für 4000 Euro auch neu kaufen“, erklärt Mario Kaufmann. „Aber die Modelle aus den 1950er-Jahren sind bis heute unübertroffen.“

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