Ballast oder Touristenmagnet : Immer weniger DDR-Bauten

Frankfurt (Oder): Die Fassade des seit Jahren geschlossenen Lichtspieltheater der Jugend im Stadtzentrum.
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Frankfurt (Oder): Die Fassade des seit Jahren geschlossenen Lichtspieltheater der Jugend im Stadtzentrum.

Der Kulturpalast der Eisenbahner Frankfurt (Oder) verfällt – Nicht alle Relikte haben die Wende überstanden - Einige sind Touristenmagnete

svz.de von
12. Februar 2018, 05:00 Uhr

Viele bauliche Relikte aus DDR-Zeiten sind in Brandenburg verschwunden oder in schlechtem Zustand. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Der ehemalige Kulturpalast der Eisenbahner in der Birnbaumsmühle ist seit über 20 Jahren ungenutzt und verfällt zusehends“, sagte Torsten Walther, Stadtsprecher von Frankfurt (Oder). Ähnlich gehe es dem 1955 eröffneten „Lichtspieltheater der Jugend“, dem ersten bedeutenden Kulturbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Seit dem spekulativen Erwerb gehe der Verfall voran. Die Denkmalbehörde habe mehrere Sicherungsanordnungen getroffen. Nach wie vor suche man nach einer geeigneten Umnutzung.

In Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) musste in den 90er Jahren die 1961 am Schulplatz errichtete Büste des Philosophen Karl Marx einem Standbild des Preußenkönigs Friedrich-Wilhelms II. weichen. Zuvor war das Denkmal aus DDR-Zeiten regelmäßig Ziel von Vandalismus, so Heiko Rähse von der Stadtverwaltung. „Der Kopf wurde immer vom Sockel heruntergerissen.“ An Allerheiligen im Jahr 2000 wurde die Büste an anderer Stelle aufgestellt, was einige Politiker als „Unverschämtheit der Post-Kommunisten“ kritisierten. Inzwischen gebe es keine Attacken gegen das Denkmal mehr.

Nicht nur Plattenbauwohnhäuser wurden in den vergangenen 28 Jahren um- oder zurückgebaut. Straßen, die zu DDR-Zeiten Namen erhalten hatten, wurden umbenannt. In Neuruppin heißt die frühere, nach dem Kommunisten und ersten DDR- Präsidenten benannte Wilhelm-Pieck-Straße nun Präsidentenstraße. Aus der Straße der Thälmannpioniere wurde die Gerhart-Hauptmann-Straße. „Das ging damals alles recht geräuschlos“, sagte Rähse. Nur Gewerbetreibende hätten sich beschwert, weil sie Adresskarten umgestalten mussten.

Lauter sei es 2007 bei der Namenssuche für das neue „Sonnenufer“ und seine Straßen gewesen. Während Namen von Antifaschisten ins Spiel gebracht wurden, habe sich die Namensfindungskommission auf harmlose Naturnamen wie Uferweg einigen können.

Auch in Schwedt/Oder (Uckermark) gab es nach der Wende Straßenumbenennungen. So wurde laut Stadtsprecherin Corina Müller die Ernst-Thälmann-Straße zur Berliner Straße, die Leninallee zur Lindenallee und die Otto-Grotewohl-Straße zur Leverkusener Straße, benannt nach Schwedts Partnerstadt. Dennoch will die frühere sozialistische Planstadt, die in den 1960er Jahren einen Boom erlebte, ihre Geschichte nicht verleugnen. „Es gibt überhaupt keinen Grund, die eigene Vergangenheit zu verstecken. Ganz im Gegenteil“, sagte Müller. Die Stadt sehe es auch als Chance, ihre Geschichte als Planstadt Besuchern näher zu bringen. „Es gibt zwar noch keine Touristenströme, aber wir sind darauf eingestellt und bieten entsprechende thematische Stadtrundfahrten an“, sagte die Stadtsprecherin.

In einer weiteren sozialistischen Planstadt stellt man sich ebenfalls auf Reisegruppen ein, die sich für dieses Thema interessieren. „Wir gehen so offen mit der DDR-Vergangenheit um, wie kaum eine zweite Stadt in den ostdeutschen Ländern“, sagte der Stadtsprecher Eisenhüttenstadts (Oder-Spree), Frank Eckert. So gebe es dort seit Jahren ein Dokumentationszentrum zur DDR-Alltagskultur.

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