Bildungslandschaft Brandenburg : Immer mehr ungelernte Lehrer

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Landeselternrat besorgt über hohe Quote von Seiteneinsteigern an Schulen

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27. August 2016, 05:00 Uhr

Die Zahl der Seiteneinsteiger an brandenburgischen Schulen wird in diesem Jahr weiter steigen. Allein im Schulamtsbezirk Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) werden 40 Prozent der 454 neuen Lehrer über keine entsprechende pädagogische und didaktische Ausbildung verfügen.

Die Zahlen für das gesamte Land liegen laut Bildungsministerium erst in der kommenden Woche vor. Laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wird sich der Trend der vergangenen Jahre weiter fortsetzen. Für das Schuljahr 2015/16 waren von 830 neuen Lehrkräften 290 Seiteneinsteiger.

GEW-Landeschef Günther Fuchs betont, dass es angesichts des aktuellen Lehrermangels ohne Quereinsteiger nicht geht. Er fordert berufsbegleitende Qualifizierungen, damit die Hochschulabsolventen die fehlenden Lehramtsabschlüsse nachmachen können. Dazu müsse das Land sie unbefristet einstellen und ihnen Abminderungsstunden gewähren, also den Unterrichtsumfang reduzieren.

Die Einarbeitung der Quereinsteiger bringe für die angestammte Lehrerschaft zusätzliche Belastungen, warnt der Gewerkschafter. Da den Seiteneinsteigern oft ein zweites Unterrichtsfach fehle, sei eine dauerhafte schlechtere Bezahlung und damit ein Zweiklassensystem in den Lehrerzimmern programmiert.

„Ein Seiteneinsteiger muss kein schlechter Lehrer sein“, sagt Wolfgang Seelbach, Vorsitzender des Landesrates der Eltern. Aber eine Quote von 40 Prozent sei zu hoch Zumal die Neuen eingearbeitet werden müssen und viele nach kurzer Zeit aufgeben. Das Hauptproblem sieht Seelbach in der geringen Zahl an Lehrerstudienplätzen. Bei einem Bedarf von jährlich rund 1000 Lehrern sind landesweit 300 Absolventen zu wenig. Zumal andere Bundesländer um sie werben. Die GEW fordert studienlenkende Maßnahmen an den Hochschulen. Außerdem müsse über die Bezahlung nachgedacht werden. So lange Gymnasiallehrer von der ersten Unterrichtsstunde an mehr verdienen als Grundschullehrer, sei es kein Wunder, dass letztere fehlen, sagt Fuchs.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Gordon Hoffmann, wirft der Landesregierung vor, zu spät auf die sich abzeichnenden Engpässe reagiert zu haben. Berufsbegleitende Qualifizierungen zum Lehramt seien dringend erforderlich. Es entstehe sonst der Verdacht, dass das Land bewusst eine Gruppe niedrig bezahlter Lehrer schaffe. Dem Bildungsministerium zufolge verweisen die Schulämter Seiteneinsteiger auf verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen.

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