Ausbildung von Wasserortungshunden : Immer der feinen Nase nach

Hundeführer Christian Arlt vom DRK legt seinem Wasserortungshund Oscar eine Schwimmweste an.
Hundeführer Christian Arlt vom DRK legt seinem Wasserortungshund Oscar eine Schwimmweste an.

Personenspürhunde gibt es bei der Polizei und bei Hilfsorganisationen. In Brandenburg werden jetzt Wasserortungshunde ausgebildet

svz.de von
30. Juni 2016, 05:00 Uhr

Sobald Otis in das Boot der Wasserwacht gesprungen ist, beginnt er aufgeregt zu bellen. Der fünf Jahre alte Hund, ein Landseer, trägt eine leuchtend orangefarbene Schwimmweste, ebenso wie seine menschlichen Begleiter. Hundeführerin Nicole Adam versucht, ihren riesigen Vierbeiner zu beruhigen. Denn bellen soll Otis eigentlich nicht. Das schwarz-weiße Tier muss sich darauf konzentrieren, vom Boot aus möglichen Leichengeruch im Wasser des Frankfurter Helenesees zu riechen. Da hilft nur intensives Training, sagt Adam seufzend.

„Otis ist einer unserer besten Flächensuchhunde“, sagt Ingrid Fritzemeier, Leiterin der Rettungshundestaffel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Märkisch-Oderland-Ost. Und weil das Tier bei der Suche vermisster Menschen beispielsweise in weitläufigen Waldstücken so gute Arbeit leistet, soll er nun in einer weiteren Spezialisierung zum Wasserortungshund ausgebildet werden, als einer der ersten im Land Brandenburg. „Wir sind das wasserreichste Bundesland. Da gibt es immer wieder auch Vermisste in einem See oder Fluss“, erklärt Fritzemeier die Beweggründe des DRK für diese spezielle Hundeausbildung.

Oberstes Motiv der Rettungshundestaffel MOL-Ost aus 20 ehrenamtlichen Mitgliedern ist die Rettung von Menschen. Wenn es um Vermisste im Wasser geht, kommt jedoch meist jede Hilfe zu spät. „Doch die Angehörigen Ertrunkener wollen Gewissheit haben und sie wollen ihr totes Familienmitglied auch beerdigen können“, erklärt die hauptberufliche Justizangestellte Adam. Sie hat mit Otis vor gut zwei Jahren die schwierige Ausbildung zum Wasserortungshund in Angriff genommen. Der Knackpunkt dabei: Als Flächensuchhund ist er auf den Geruch lebendiger Menschen trainiert. Nun muss Otis den Leichengeruch kennen- und auch unter Wasser riechen lernen. Der Geruch wird aus der Plazenta von Müttern nach der Entbindung gewonnen.

Zunächst hat Adam mit Otis an Land trainiert, den Geruch aus einem Gläschen auf das Spielzeug des Hundes gebracht, den Gegenstand am Ufer oder in einem eingegrabenen Eimer mit Wasser versteckt. Später ging es damit ins flache Wasser und dann weiter in die Tiefe. „Leichenspürhunde der Polizei können ebenfalls Ertrunkene wittern“, sagt Rudi Sonntag, Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums. „Wir haben aber keine eigenen, sondern nutzen die der Berliner Kollegen. Wenn die nicht verfügbar sind, greifen wir in Notfalllagen gern auf die Angebote der Hilfsorganisationen zurück.“

Gerade die Wasserortung sei schon sehr speziell, fügt er hinzu. „Es braucht für diesen Einsatz erfahrene Hunde- und auch Bootsführer. Denn der Hund kommt ja an die Leiche im tiefen Wasser nicht heran“, macht Fritzemeier deutlich. Der Tod gehöre zur Arbeit der Rettungshundestaffel dazu, sagt sie. „Wir sind immer darauf vorbereitet, Gesuchte nur noch tot zu finden. Aber besser, wir finden sie gezielt, als gänzlich Unbeteiligte eher zufällig“, findet sie.

Wasserortungshunde sind ihren Angaben nach beim DRK in der Mark noch Neuland, komplettieren jedoch die Einsatzpalette der Hundestaffel. Hundeführerin Adam soll ihre Erfahrungen später als Ausbilderin weitergeben. Umso wichtiger sei es, dass die Ausbildung von Otis klappt. Wann der große Landseer prüfungsreif sein wird, lässt sich nur schwer sagen. Der Hund müsse regelmäßig trainieren, um eine feinere Nase zu bekommen, beschreibt Fritzemeier. „Das Wichtigste ist die Nase des Hundes, völlig unabhängig von der Rasse“, sagt Adam und weist auf den braunen Mischlingshund eines Kollegen, der ebenfalls Wasserortung trainiert und dabei schon weiter ist: Wenn Oscar Leichengeruch vom Boot aus wahrnimmt, beginnt er eifrig zu scharren. Dann ist die Sache für Hundeführer Christian Arlt eindeutig.

Otis hingegen muss noch das Bellen lassen, weil er sich da hineinsteigert und dabei seine Aufgabe leicht vergisst. „Ich als Hundeführer muss mein Tier bei der Wasserortung sozusagen lesen können und ihm vertrauen, weil ich selbst ja im tiefen Wasser nichts sehe“, sagt Adam. Ganz genau lasse sich der Auffindeort eines Ertrunkenen ohnehin nicht ausmachen. „Aber wir können das Terrain für die Rettungstaucher mit Hilfe der Hunde zumindest eingrenzen“, sagt die erfahrene Hundeführerin.  

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