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Mordprozess : „Im Spiegel sieht er den Teufel“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Handwerker berichten bei Verhandlung vor Landgericht Frankfurt (Oder) von längeren Begegnungen mit Jan G. und seiner Oma.

svz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Wenige Minuten vor dem Familiendrama von Müllrose am 28. Februar waren Handwerker in dem Haus aktiv. Im Prozess um den Dreifachmord schilderten sie gestern Begegnungen mit Jan G. und seiner Oma. Den Zeugen war die ihnen entgegengebrachte „aufdringliche Freundlichkeit“ unheimlich.

Man kennt sich in dem kleinen Ort. „Meine Tochter ging in der Grundschule mit Jan G. in eine Klasse“, erzählt der Elektriker Ronald K. als Zeuge vor dem Frankfurter Landgericht. „Er war vielleicht auch deshalb immer nett zu mir. Es gab keine Probleme.“ Aber im Laufe jenes Morgens, als Ronald K. und sein Kollege die mehrtägigen Arbeiten an der Elektroanlage im Haus von Marianne G. abschließen wollten, wurde ihm doch mulmig zu Mute. „Ich war aufgeregt, habe geschwitzt und wollte nur noch weg. So etwas hatte ich zuvor noch nicht erlebt“, gesteht K.

Er meint das Verhalten von Jan G. Ständig habe der ihnen an jenem 28. Februar im Weg gestanden, immer wieder seine Hilfe angeboten, sie in Gespräche verwickelt, überschwänglich für ihre Handwerkskünste gelobt, ihnen kleine Geschenke aufgedrängelt. Seiner Oma gegenüber, die an dem Tag ihren 79. Geburtstag beging, habe er sich hingegen streitlustig gezeigt, sich etwa über die neuen, von ihr ausgesuchten Lampen beschwert: „Du musst nicht denken, dass ich anders mit dir rede, nur weil zwei Handwerker im Haus sind.“

Es war nach der Erinnerung der Elektriker nicht die einzige Meinungsverschiedenheit, die sie in jener Stunde ab 7.15 Uhr erlebten. Und dazu war Jan G. die ganze Zeit blass, verschwitzt und zappelig, die Pupillen stark erweitert. „Er nannte mich Sunny, obwohl wir uns nicht kennen und das nicht mein Spitzname ist. Ich dachte mir: Der ist voll auf Drogen“, erzählt Eric S., der zweite Elektriker. Als er mit der Oma kurz allein war, habe sie berichtet, dass sie ihren Enkel schon einmal wegen des Drogenkonsums vor die Tür gesetzt habe. Dann stießen sie in einem Abstellraum auf Scherben am Boden, was Marianne G. gegenüber dem Elektriker so kommentiert habe: „Der Jan mag keine Spiegel, weil er den Teufel sieht, wenn er hineinblickt.“

Eric S. sagt, dass er heilfroh war, das Haus kurz darauf verlassen zu können. Immer wieder habe er auch versucht, sich der unerwünschten Geschenke zu entledigen – Honig, Gummibärchen und Zigarillos. Einfach nein zu sagen, habe er sich nicht getraut, räumt der Elektriker ein. Jan G. habe ihnen schließlich noch die Taschen zum Auto getragen.

Das sah seinerzeit der inzwischen verstorbene Hilmar S. vom Nachbarhaus aus. Und ihm schwante nichts Gutes, wie der Lebensgefährte von Jan G.s Mutter nach den Morden bei der Polizei aussagte. „Erfahrungsgemäß ist bei ihm große Freundlichkeit die Vorstufe davon, dass die Stimmung gleich kippt“, sagte er über den psychisch Kranken. Etwa 90 Minuten nach der Abfahrt der Elektriker war Marianne G. tot.

Jan G.s Schwester machte am Freitag vor Gericht von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Der Polizei hatte sie erzählt, dass die Oma wenige Tage vor ihrem Tod verlangt habe, dass Jan G. spätestens an jenem 28. Februar bei ihr auszieht. „Sie war total fertig, litt darunter, dass er ihr Geld gestohlen hat, um Drogen zu kaufen“, erklärte die Schwester. Wie ernst jene Frist gemeint war, die Marianne G. ihrem Enkel für den Auszug gesetzt haben soll, bleibt offen. Ist sie ein Hinweis auf ein mögliches Tatmotiv?

Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt.

 

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