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Brandenburg

14. Dezember 2017 | 02:00 Uhr

Feuerwehr : Im Notfall durch das Fenster

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Feuerwehren müssen immer häufiger Senioren aus Wohnungen retten

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Der Nachbar hört ein dumpfes Geräusch aus der Wohnung der älteren Dame, dann ein leises Wimmern. Auf sein Klopfen an der Tür reagiert niemand. Die Fenster sind geschlossen. In großer Sorge um die pflegebedürftige Seniorin wählt er den Notruf, die Leitstelle alarmiert die Feuerwehr, damit die Tür geöffnet werden kann. Seit Jahren steigt die Zahl dieser Einsätze.

„Uns erreichen verstärkt Meldungen über hilflose Personen im häuslichen Bereich“, sagt Landesbranddirektor Heinz Rudolph. Angesichts des demografischen Wandels und des Trends, dass immer mehr Senioren möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen möchten, sei diese Entwicklung auch nachvollziehbar.

Schon in der Feuerwehr-Ausbildung würden Türnot-öffnungen geübt, erläutert Rudolph. Jedoch wird nur in Ausnahmefällen zu schwerem Gerät gegriffen, sondern der „minimalinvasive Weg“ gewählt, wie es der oberste Brandschützer umschreibt – also Türschlösser geknackt.

Das Know-how vermitteln in Kursen auch mal Schlüsseldienste. Ebenso wird versucht, über gekippte Fenster in die Wohnung zu gelangen, um alleinlebende Senioren aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Hierfür existierten spezielle Richtlinien.

Auch der Kreisbrandmeister von Oder-Spree, Klaus-Peter Schulz, berichtet über eine steigende Zahl von Fällen. Immer wieder komme es vor, dass Betroffene nach einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch erleiden oder zu kraftlos seien, um aufzustehen und die Rettungskräfte hineinzulassen. Die Freiwillige Feuerwehr Grünheide, in der Schulz tätig ist, rückt ein- bis zweimal monatlich zu Türnotöffnungen aus. In Frankfurt (Oder) registrierte die Feuerwehr laut Amt für Brand- und Katastrophenschutz im Vorjahr rund 220 Türnotöffnungen, über zehn Prozent mehr als 2014. Im Barnim waren es etwa 250 Fälle, in Oberhavel 270 und der Uckermark 140, wie die Regionalleitstelle mitteilt. Für Potsdam nennt ein Rathaussprecher rund 280 Fälle für 2015. Eine landesweite Statistik existiert nicht.

Oft werden Feuerwehren auch alarmiert, wenn ältere Menschen längere Zeit von Nachbarn nicht gesehen wurden und ihr Briefkasten überquillt. „Die Sorgen sind meist berechtigt“, sagt Hans-Dieter Kandzia, Vorsitzender des Feuerwehrverbandes Märkisch-Oderland. Nur in seltenen Fällen sei der Vermisste verreist. Zudem fragen die Leitstellen ab, ob der betagte Mieter in eine Klinik eingeliefert wurde.

In der Uckermark kommen Alarmierungen oft von Pflegediensten, wie Kreisbrandmeister Wolfgang Loose berichtet. Nicht immer seien diese mit einem Zweitschlüssel ausgestattet.

„Es wird immer der güns-tigste Weg gesucht, die Tür zu öffnen“, versichert Frank Kliem, Kreisbrandmeister in Oberhavel. „Denn es ist sehr teuer, diese zu ersetzen.“ Besteht nicht unmittelbar Gefahr für Leib und Leben, würden Alternativen geprüft. So könnten Feuerwehrleute mit dem Leiterwagen auf den Balkon des Mieters gelangen.

Sorgen um Einsatzrechnungen müssen sich Senioren und Angehörige nicht machen. Die Feuerwehren versichern, dass diese Hilfeleistungen kostenfrei sind. Nur bei fahrlässigen oder grob fahrlässigen Handlungen – dazu zählen Scherzanrufe – würden Gebühren nach den Satzungen der Kommunen fällig, sagt Rudolph.

Henning Kraudzun (MOZ)

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