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Streiter für transparente Kita-Gebühren : Im Namen der Tochter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit großem Aufwand kämpft Danilo Fischbach um faire Kita-Beiträge / Jetzt zeichnet ihn der Landtag aus

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Seine erste Errungenschaft war eine Excel-Tabelle. Er hatte Eltern gebeten, die Kita-Satzungen ihrer Gemeinden zu studieren und die Ergebnisse zusammengetragen. Fazit: In manchen Kommunen im Land müssen durchschnittlich verdienende Eltern pro Monat 450 Euro für einen Krippenplatz zahlen, in anderen 130 Euro. Teilweise machen ein paar Kilometer einen Unterschied von 200 Euro – für dieselbe Leistung.

Anfang 2015 nahm sich Danilo Fischbach der Sache an, ein damals 31 Jahre alter Justizvollzugsbeamter aus Schwante im Kreis Oberhavel. Seine Tochter kam gerade in die Kita und er wunderte sich über die hohen Beiträge. „Als ich in der Gemeindevertretersitzung fragte, warum es bei uns so teuer ist, wurde ich ausgelacht. Niemand hat mich für voll genommen“, erinnert sich Fischbach.

„Aus Widerstand ziehe ich Kraft“, sagt er rückblickend. Er recherchierte, suchte Kontakt zu anderen Eltern, spann Netzwerke, löcherte Verwaltungsmitarbeiter und Politiker mit Fragen. Und er nahm die Landesregierung ins Visier, denn dass Berlin und andere Länder Kitas beitragsfrei machten, man das aber für die Mark kategorisch ablehnte, leuchtete ihm nicht ein.

Man warf ihm vor, es gehe ihm ums Geld. „Dabei will ich einfach eine familienfreundliche Politik und bessere Betreuungsqualität in den Kitas.“ Die Zahl der Eltern, die sich seiner Initiative auf Facebook anschlossen, wuchs. Wann es ging, besuchte er Versammlungen zur Kita-Thematik und redete. Ohne ungehalten zu werden, widersprach er jenen, die behaupteten, dass alles in Ordnung sei.

Er schrieb Mails, diskutierte in Online-Foren, reiste durch Deutschland. Von Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, ließ er sich erklären, wie der Einstieg in die Beitragsfreiheit gelingt. Es folgten Treffen mit Manuela Schwesig, Raed Saleh, Gregor Gysi und Peter Tauber. Fischbach konnte nicht aufhören. Seine Tochter war der Antrieb. „Ich will ihr eine bessere Welt hinterlassen.“

Danilo Fischbachs Vater ist Maurer, seine Mutter Kellnerin. Er ist der erste in der Familie, der Abitur machte. „Das brachte Konflikte“, sagt er. Auf ein Jura-Studium verzichtete er aus Rücksicht auf seine Eltern. Das bereut er heute. Geprägt hat ihn seine Zeit als Fußball-Schiedsrichter. 13 war er, als er damit anfing. „Beschimpfungen ertragen und trotzdem konsequent die geltenden Regeln durchsetzen lernt man da.“

Ans Aufgeben hat er in seinem Kita-Kampf nie gedacht. „Dafür waren die Widerstände zu groß“, lautet die ungewöhnliche Begründung. Vielleicht gehört auch Sturheit dazu, so etwas durchzuziehen. „Ich bin nicht so der lockere Typ“, sagt Fischbach über sich selbst.

Die Beharrlichkeit begann sich langsam zu lohnen. Gerrit Große, Landtagsabgeordnete der Linken, sagt über die jüngsten Entwicklungen in der Kita-Politik des Landes: „Wir hätten uns alle nicht bewegt, wenn Herr Fischbach uns nicht angetrieben hätte.“

Landespolitiker und Bildungsministerium prangern nun die Intransparenz der Kommunen bei der Berechnung der Kita-Beiträge an. Städte überlegen es sich zweimal, die Beiträge zu erhöhen, da sie wissen, dass die Eltern wach und kritisch sind. Eine Mustersatzung sollte eingeführt werden, damit Gemeinden die Eltern nicht übervorteilen. Die Idee scheiterte am Widerstand des Städte- und Gemeindebunds, der sich das als Einmischung in kommunale Angelegenheiten verbat.

„Viele Kommunen mauern weiter. Es bleibt noch eine Menge zu tun“, so Gerrit Große. Aber ein Anfang sei gemacht. Danilo Fischbach habe großen Anteil daran, dass das Kitagesetz für mehr Mitbestimmung der Eltern geändert wurde. „Er hat immer wieder auf die Probleme hingewiesen.“

Gestern erhielt Danilo Fischbach, seit einigen Monaten Kita-Elternsprecher auf Bundesebene, die Medaille des Landtages „zur Anerkennung von Verdiensten für das Gemeinwesen“. Auf Vorschlag der Linksfraktion. „Natürlich macht mich das stolz“, sagt er. „Die Auszeichnung ist eine Anerkennung für alle engagierten Eltern.

 

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