Drogenschmuggel in der JVA Heidering : Im Kartoffelsack über die Gefängnismauern

Ein Mann soll zwei Mal versucht haben, während seiner Zeit in der JVA Heidering an Drogen zu gelangen.
Ein Mann soll zwei Mal versucht haben, während seiner Zeit in der JVA Heidering an Drogen zu gelangen.

Prozess vor Potsdamer Landgericht wegen illegalen Drogenhandels in der Justizvollzugsanstalt Heidering

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22. Juli 2020, 05:00 Uhr

Wegen illegalen Handels mit Drogen in der JVA Heidering (Teltow-Fläming) stehen ein 31-Jähriger und seine Mutter wegen Beihilfe vor dem Potsdamer Landgericht. Der Angeklagte habe im Mai 2016 bei einem bislang Unbekannten außerhalb des Gefängnisses Drogen bestellt, die dann in einem Kartoffelsack über die Gefängnismauer direkt in die Zelle eines Mitgefangenen geworfen worden seien, hieß es in der Anklage. Der Angeklagte wollte sich am ersten Prozesstag gestern nicht zu dem Vorwurf äußern.

Zwei Mitarbeiter der JVA hatten den 31-Jährigen laut Staatsanwaltschaft dabei erwischt, wie er den Sack, gefüllt mit Marihuana, Haschisch, Kokain, einem Handy samt Ersatzakku und SIM-Karte sowie weiteren Gegenständen aus der geöffneten Zelle herausangeln wollte.

Der Mann, der seit seinem 14. Lebensjahr immer wieder wegen Drogendelikten straffällig geworden ist und derzeit wegen einer anderen Tat eine mehrjährige Haftstrafe absitzt, sagte, er wolle eine Therapie gegen die Drogensucht machen. Aber dafür müssten zunächst die offenen Strafverfahren gegen ihn abgeschlossen sein. Derzeit befinde er sich im Substitutionsprogramm. Er bekomme ein methadonähnliches Präparat. Er sagte: „Sonst wäre ich gar nicht in der Lage hier zu sitzen“.

Auch seine Mutter schwieg vor Gericht. Die 54-jährige Berlinerin soll im November 2016 versucht haben, ihrem Sohn während eines Besuchs Drogen in die Haftanstalt zu schmuggeln. Diese habe der Angeklagte gemeinsam mit einem anderen Gefangenen „eigennützig und umsatzgerichtet“ weiter veräußern wollen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Bei einer Personenkontrolle entdeckte eine Vollzugsbeamtin einen „festen Gegenstand im Genitalbereich“ der Frau, wie sie im Prozess sagte. Später sei der 54-Jährigen dann noch ein weiteres Paket aus der Unterhose gefallen, so die Zeugin. Der zweite Zeuge, ebenfalls ein Mitarbeiter der JVA, gab an, in der Zelle des Angeklagten Rauschmittel in einem Waschlappen gefunden zu haben. „Überwürfe spielen eine große Rolle“, sagte ein weiterer Zeuge und Vollzugsbeamter in dem Gefängnis Heidering. Es sei „relativ einfach für den Werfer“. Er laufe bis kurz vor den Zaun heran und werfe das Paket dann über den Zaun. Man könne gut zielen, da die Hafträume relativ nah an dem Zaun liegen würden und man einen guten Einblick von außen habe. „40 bis 45 Meter, dann landet das fast vor dem Fenster.“ Die Zaunanlage sei einfach zu überwerfen. Der Werfer müsse auch nicht von den Kameras erfasst werden, da er außerhalb des Radius sein könne.

Ob da mal besondere Vorkehrungen getroffen worden seien, wollte der Vorsitzende Richter der dritten großen Strafkammer am Gericht, Bodo Wermelskirchen, wissen. „Das ist in Planung“, antwortete der Zeuge. Bislang sei das aber nicht geschehen.

Für den Prozess hat das Gericht zehn Verhandlungstage angesetzt. Für den zweiten Verhandlungstag am Dienstag (28. Juli) hat das Gericht drei Zeugen geladen.

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