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Bestattungen in Brandenburg : Im Grab mit Gropius bestattet werden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Brandenburg soll die Bestattung in historischen Mausoleen möglich werden

von
erstellt am 25.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Verstorbene in Brandenburg sollen sich künftig in historischen Mausoleen bestatten lassen können. Das ist das Ziel eines Antrags der rot-roten Regierungskoalition, der in der kommenden Woche im Potsdamer Landtag beraten werden soll. „Als man 1990 das DDR-Bestattungsrecht in Landesrecht transformierte, hat man nicht daran gedacht, dass es Mausoleen gibt“, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Sören Kosanke. „Das ist ohne erkennbaren Grund nicht geregelt worden.“ Deswegen seien oberirdische Bestattungen in Mausoleen in Brandenburg derzeit nicht möglich.

In Berlin ist das anders. „Da können solche Bestattungen im Einzelfall genehmigt werden“, sagt Fabian Lenzen, der Pressesprecher der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg. Solche Fälle gebe es nur selten, aber sie kämen vor – etwa, wenn ein Kunstliebhaber zu Lebzeiten für die Restaurierung eines historisch wertvollen Mausoleums auf einem Friedhof gespendet habe. Dann könne er dort auch nach seinem Tod bestattet werden.

Ähnliches ist aus Sicht von Kosanke auch in Brandenburg denkbar: In seinem Wahlkreis südlich von Berlin befindet sich zum Beispiel der Stahnsdorfer Südwestkirchhof, wo Interessierte etwa eine Grabpatenschaft für die letzte Ruhestätte des Architekten Walter Gropius übernehmen können – und sich nach ihrem Tod dann in dessen Grab bestatten lassen können.

„Wenn die Möglichkeit besteht, dass sich Menschen auch in historischen Mausoleen bestatten lassen können, würden wir das begrüßen“, sagt die Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Heike Krohn-Bräuer. Denn für Mausoleen werden zwar ebenfalls Spender gesucht, eine Bestattung ist dort aber rechtlich bislang noch nicht erlaubt. „Es wäre schön, wenn wir auf diese Weise das alte Kulturgut der Mausoleen erhalten und für seine ursprüngliche Bedeutung nutzen können.“ Das ist auch das Ziel von Sören Kosanke: „Wir wollen diese Möglichkeit schaffen, und deswegen das Bestattungsrecht neu regeln.“

Mit dem Antrag, der dieser Zeitung vorliegt, wird die Landesregierung aufgefordert, bis zum Sommer 2017 eine entsprechende Änderung des Bestattungsrechts vorzulegen. Was darin stehen sollte? „Eine wichtige Frage dabei ist natürlich die Hygiene“, sagt Bestatter Lenzen. Bei einer Bestattung in Mausoleen müsse ein Zinksarg verwandt werden, ähnlich wie bei einer Überführung eines Leichnams ins Ausland.

„Wir empfehlen dann auch eine Konservierung der Leiche“, sagt Lenzen. So etwas sollte im neuen Gesetz auf jeden Fall rechtssicher und eindeutig geregelt werden, eventuell auch mit einer Durchführungsverordnung.

Klargestellt werden soll mit der Gesetzesänderung zudem , dass im Brandenburger Bestattungsrecht bei Erdbestattungen kein Sargzwang besteht. „Muslimische Bestattungen ohne Holzsarg gehen in Brandenburg schon heute dort, wo die Friedhofssatzung es zulässt“, sagte Kosanke. Dies solle aber im Gesetz noch einmal verankert werden – zumal selbst kirchliche Friedhofsträger mittlerweile die Bestattung im Leichentuch akzeptieren.

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