Im Gleichschritt zu Robbie Williams

Fröhlich: Auch der Strausberger Fanfarenzug hofft auf den WM-Titel.GERU (4)
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Fröhlich: Auch der Strausberger Fanfarenzug hofft auf den WM-Titel.GERU (4)

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31. Juli 2010, 01:57 Uhr

Potsdam | Mit hochrotem Kopf steckt sich Lydia Leu aus Strausberg eine Zigarette nach der anderen an, läuft auf und ab. "Leute, ich zittere vor Aufregung. Gleich sind wir dran", sagt sie zu ihren Bandkollegen vom Fanfarenzug Strausberg. In ein paar Minuten hat die 115-köpfige Formation ihren ersten Auftritt bei der 14. Weltmeisterschaft der Marching Showbands. Eine Woche lang kämpfen dabei im Potsdamer Luftschiffhafen 1351 Musiker in 19 Bands aus zehn Ländern um Gold, Silber und Bronze. Morgen steht das Finale an.

"Um hier überhaupt im Konzert der Großen mitreden zu können, muss von Anfang an alles sitzen, damit wir eine Chance aufs Finale haben", sagt Lydia, die ihr Alter nicht verraten möchte. Wie alle Teilnehmer müssen die Strausberger zwei Vorkämpfe bestreiten, bestehend aus einem Showprogramm und einer Marschübung mit eigener musikalischer Begleitung. Eine Jury vergibt Punkte, die Besten treten am Sonntag im Endausscheid gegeneinander an.

Lydia Leu ist die Anspannung vor großen Wettkämpfen schon gewohnt. "Das ist nur Lampenfieber. Das gehört dazu. Es fühlt sich bloß so uncool an", sagt sie abgeklärt. Im Jahr 2003 sei es auch nicht anders gewesen, als ihr Fanfarenzug sich im italienischen Monza den WM-Titel im Marsch und den zweiten Platz in der Gesamtwertung sicherte. Das könne ein gutes Omen seit, meint Leu.

Die Strausbergerin spielt seit 18 Jahren im Fanfarenzug. "Für mich ist das mein Ein und Alles. Der Zug ist wie eine Familie. Darum hab ich auch keine Bedenken, dass wir zusammen hier eine gute Show liefern."

Dann wird es ernst. Der Zugleiter trommelt seine 115-köpfige Mannschaft zusammen. Gemeinsam ziehen sie sich in eine Turnhalle auf dem Wettkampfareal zurück, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Das Showprogramm wird noch einmal besprochen, dann werden die Auftrittsuniformen zurecht gezurrt - alles soll perfekt sitzen. Kurz spielen sich die jungen Musiker warm und schon ruft der Zugleiter: "Abmarsch!" Im Gleichschritt gehts ins Stadion. Dort wirbelt gerade die dänische Band Roskilde Garden, ein reines Jungenorchester. "Wie sie organisiert sind, ist den Marching Showbands selbst überlassen. Es gibt auch reine Mädchenbands und natürlich gemischte Züge. Hauptsache ist, die Auftritte sitzen und überzeugen die Jury", erklärt WM-Organisationschef Klaus Mertins.

Die dänischen Jungs heizen der Konkurrenz mächtig ein - keine Spur von Marschmusik und Rumtata. Sie eröffneten ihre Show mit dem Song von Robbie Williams: "Let me entertain you". Es folgt Filmmusik von "Mission impossible" und sogar ein Rockklassiker von Deep Purple, "Smoke on the water". Das Publikum spendet tosenden Applaus.

Und auch die Strausberger zollen den Roskildern Respekt. "Was soll man dazu noch sagen? Einfach geil", meint Lydia. Doch die Brandenburger Formation lässt sich von ihren Vorgängern nicht beeindrucken. Sie kontert mit einem brillanten Auftritt - 155 Menschen, musizierend, immer im Gleichschritt. Danach ist Lydia Leu erleichtert: "Was für ein Auftritt. Hoffentlich geht das so weiter."

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