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Malbuch für Flüchtlingskinder : „Ich brauche Druck“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Karikaturistin Barbara Henniger aus Strausberg stellt Zeichnungen zusammen. Damit soll Integration erleichtert werden.

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2017 | 05:00 Uhr

Die Karikaturistin Barbara Henniger wohnt seit 50 Jahren in Strausberg und gehört zu den bekanntesten Bewohnern der Stadt. Trotz ihrer 78 Jahre denkt sie noch immer nicht ans Aufhören. Derzeit arbeitet sie unter anderem an einem Malbuch für Flüchtlingskinder.

Barbara Henniger hat eigentlich gar keine Zeit für ein längeres Gespräch. „Ich muss noch eine Zeichnung für die Satirezeitschrift Eulenspiegel fertig machen. Aus alter Verbundenheit“, wie sie sagt. Und dann zieht sie noch einige Skizzen hervor, auf denen Sehenswürdigkeiten aus Strausberg zu sehen sind. Der Wasserturm, die Strausseefähre, die Marienkirche, die Straßenbahn und manch andere bekannte Motive.

Vor etwa einem Jahr war sie von Niels Weilbier vom Verein „Strausberg hilft“ gefragt worden, ob sie vielleicht den Grundstock für ein Malbuch für Kinder im Kita- und Vorschulalter liefern könne. Vor allem Kindern aus Asylbewerberfamilien soll so die Integration erleichtert werden. „Ich habe da spontan zugesagt“, erklärt Barbara Henniger. Sie räumt aber auch ein, dass die Arbeit zeitintensiver als gedacht ist. Schließlich müsse sie die ausgewählten Objekte fotografieren, danach Skizzen anfertigen und dabei genau überlegen, wo sie auf Kleinteiligkeit verzichten könne. Denn die einzelnen Objekte sollen ja später verschiedenfarbig ausgemalt werden. Auf der Rückseite will der Verein einige Angaben zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten abdrucken. Nach Ostern will die Karikaturistin zwölf Zeichnungen fertig haben. „Zeitnah nach Ostern“, setzt sie hinzu. Genauer festlegen will sie sich nicht. Die Zeichnungen sollen dann durch Rätselseiten ergänzt werden.

Die Arbeit läuft parallel zu anderen Aufträgen. Das macht Druck. „Ich brauche Druck“, sagt sie. Und sie arbeite gern nach thematischen Vorgaben. Im jüngsten Fall des „Eulenspiegels“ sei es der Bundestagswahlkampf gewesen. Für die Umsetzung vertieft sich die agile Endsiebzigerin in das Thema und studiert dazu auch abgelegte Zeitungsartikel. „Man muss sich natürlich für Politik interessieren und stets neugierig bleiben“, sagt Barbara Henniger. Und was ihr in dem Zusammenhang ganz wichtig ist: „Man muss eine Position haben.“ Für sie ist klar: „Wenn man aufhört zu denken, dann hört man auf zu zeichnen.“

Und danach ist ihr derzeit ganz offenbar noch nicht. So liefert sie noch immer alle zwei Wochen für die „FF Dabei“ eine Zeichnung, als Beilage der Fernsehzeitung TV Today. „Ich habe schon noch genug zu tun“, sagt Barbara Henniger, die noch manch anderen Auftrag abarbeitet, manchen Wunsch erfüllt und mittlerweile auch im Ehrenbuch der Stadt Strausberg zu finden ist. Zwischendurch hat sie immer wieder Zeichnungen für Ausstellungen in der Region zusammengestellt – beispielsweise in Hoppegarten, Strausberg und Frankfurt (Oder).

Aber nicht nur dort. Für ihr erfolgreiches Wirken über Jahrzehnte ist die „Grande Dame der Karikatur“ vielfach geehrt wurden. Die jüngste Auszeichnung kam aus Plauen. Dort sei ihr der nach dem Zeichner Erich Ohser benannte e.o.plauen-Preis 2017 verliehen worden. Die Übergabe findet am 16. September statt. Einen Tag später wird dort eine Preisträgerausstellung mit Werken von Barbara Henniger eröffnet.

„Heute sollen Karikaturen lustig sein“, weiß sie aus Erfahrung. Zu DDR-Zeiten sei das anders gewesen: „Da waren die Zeichnungen ernst.“ Das sei auch für sie eine gewisse Umstellung gewesen, merkt Barbara Henniger an. Schließlich seien die Zeichnungen in den letzten Jahren der DDR „immer prinzipieller geworden“.

 

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