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Brandenburg

18. Dezember 2017 | 19:39 Uhr

Gemeinwohl : Hunderttausende Ehrenamtler

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ob bei der Blutspende oder im Heimatmuseum – etwa jeder dritte Brandenburger engagiert sich – Bürokratie wird zum Hindernis

In Brandenburg engagieren sich Hunderttausende ehrenamtlich für das Gemeinwohl. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zum morgigen Internationalen Tag des Ehrenamts. „Die Freiwilli-genarbeit ist mittlerweile eine tragende Säule des Gemeinwesens im Osten Deutschlands geworden“, sagte Brandenburgs Regierungssprecher Florian Engels. Sie sei der „Kitt“, der die Gesellschaft zusammenhalte. Laut dem zuletzt vor drei Jahren veröffentlichten „Freiwilligensurvey“, das alle fünf Jahre erhoben wird, sind im Land fast 39 Prozent der über 14-Jährigen in einer Form ehrenamtlich engagiert, also rund 835 000 Personen.

Demnach haben sich die Zahlen in den vergangenen 18 Jahren kontinuierlich erhöht. Ein Großteil der Brandenburger, gut 340 000, engagiert sich Florian Engels zufolge in den über 3000 Vereinen des Landessportbundes. Rund 38 400 Bürger würden sich in den 200 freiwilligen Feuerwehren mit insgesamt 1770 Ortswehren einbringen.

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist die Zahl der Aktiven aufgrund der demografischen Entwicklung und der zunehmend am Arbeitsmarkt geforderten Flexibilität deutlich zurückgegangen, wie DRK-Sprecherin Iris Möker mitteilte. Derzeit engagierten sich im Landesverband noch rund 6000 Brandenburger. Sie helfen zum Beispiel bei der Blutspende, der Kleidersammlung und im Katastrophenschutz des DRK.

So viel die oft große Verantwortung, die Ehrenamtliche für die Gesamtgesellschaft übernehmen, diese auch motivieren mag, werden Möker zufolge dringend hauptamtliche Unterstützungsstrukturen benötigt. Gerade im Bereich des Katastrophenschutzes. „Ehrenamtliche müssen zunehmend Verwaltungsaufgaben übernehmen wie Belege sammeln, Abrechnungen korrekt durchführen, DIN-Vorschriften einhalten oder Einsätze schriftlich nachbereiten“, berichtete sie. Das sei zwar zwingend notwendig für die Transparenz und den Nachweis der korrekten Verwendung von Spendengeld, doch liege die Motivation der Ehrenamtlichen hauptsächlich darin, aktiv zu helfen. „Da wäre die Unterstützung durch hauptamtliche Kräfte für Verwaltungsaufgaben eine große Motivation und Anerkennung für das Ehrenamt“, sagte die Sprecherin.

Die Hilfsbereitschaft Ehrenamtlicher berge auch die Gefahr, für Einsparungen instrumentalisiert zu werden, wie die Vorstandsvorsitzende des Landesverbands der Volkssolidarität, Ines Große, berichtete. „Angesichts knapper Kassen und steigender Herausforderungen in der sozialen Arbeit wird sich unser Verband als freier Träger und Sozialdienstleister mit dieser Frage auch zukünftig kritisch auseinandersetzen“, kündigte sie an. In der Volkssolidarität sind aktuell weniger als 3700 Ehrenamtliche aktiv, vor elf Jahren seien es fast 7000 gewesen.

In der Potsdamer Staatskanzlei, in der ehrenamtliches Engagement im Land koordiniert und gefördert wird, setzt man eher auf eine materielle Unterstützung von Projekten, die durch freiwillige Bürger getragen werden, als auf die Schaffung tatsächlicher Stellen in bestimmten Bereichen. Immerhin sei das freiwillige Engagement, gerade im Kulturbereich, ein wichtiges Zeichen für Lokalität, Verwurzelung, Heimatliebe und auch Lebensqualität. „Diese Form von Unterstützung erscheint unter diesen Prämissen als genau die richtige Mischung“, sagt Engels.

Der Einsatz Freiwilliger werde immer wieder durch Initiativen wie „Ehrenamtler des Monats“ oder die seit 2013 ausgegebene Ehrenamtscard gewürdigt. Diese ist dem Regierungssprecher zufolge seitdem schon 2900 Mal ausgegeben worden. Bei ihrer Vorlage erhalten Ehrenamtler vergünstigte Eintritte in Theater, den Filmpark Babelsberg oder den Zoo Eberswalde. Seit Anfang dieses Jahres gibt es laut Engels die „Gemeinsame Ehrenamtskarte Brandenburg-Berlin“. Die sei bis Ende November schon 1262 Mal ausgegeben worden.

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