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Streit um Gentest an Wildtieren : Hund oder Wolf oder Hybrid?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine privat veranlasste Genprobe sorgt für Ärger zwischen dem Umweltministerium und Hamburger Wissenschaftlern

svz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Was ist dran an der Befürchtung einiger Jäger, dass durch Brandenburgs Wälder nicht nur reinrassige Wölfe streifen, sondern auch gefährliche Mischlinge zwischen Wolf und Hund? Das Umweltministerium hat der These von Hybriden jetzt eine klare Abfuhr erteilt. Indes werfen Hamburger Wissenschaftler dem Ministerium vor, absichtlich Fehlinformationen zu verbreiten.

Wenn es um Fragen der Wolfsgenetik geht, hat das wildtiergenetische Labor am Senckenberg-Institut in Gelnhausen (Hessen) zweifelsfrei die größte Kompetenz bundesweit. Jedes Jahr untersuchen die Wissenschaftler dort rund 200 Wolfsproben aus Deutschland und anderen Ländern. Mithilfe von Haaren, Kot, Speichel- oder Blutspuren führen sie DNA-Analysen durch und erlangen so Kenntnisse etwa über Wanderbewegungen, Populationszugehörigkeit und den Hybridisierungsgrad der Tiere. Im Zuge seines Wolfsmonitorings schickt auch Brandenburg regelmäßig Genproben nach Gelnhausen – in den vergangenen zehn Jahren etwa 1100. Mehr als 300 Wölfe seien identifiziert worden, heißt es in einer aktuellen Antwort des Landesumweltministeriums auf eine Anfrage des Prignitzer Linke-Landtagsabgeordneten Thomas Domres. „Dabei konnten bisher keinerlei Hinweise auf das Vorkommen von Hybriden festgestellt werden.“

Manche Jäger bezweifeln, dass es sich bei Brandenburgs Wölfen ausschließlich um reinrassige Tiere handelt. Sie verweisen darauf, dass sich ungewollte Begegnungen zwischen Wolf und Mensch mehren und die Tiere dem Menschen dabei mitunter bedrohlich nahe kommen. Das neugierige Verhalten sei hundeähnlich und ein klares Indiz dafür, dass es sich um Mischlinge aus Wolf und Hund handelt, sagt Dirk Wellershoff, Präsident des Landesjagdverbandes (LJV).

Mischlinge werden in der Regel aus der Natur entfernt – aus Artenschutzgründen, um eine Ausbreitung der Haustiergene in der Wildpopulation zu verhindern. Eine höhere Gefahr für Menschen bestehe aber nicht, heißt es im Umweltministerium.

Dem widerspricht Wellershoff. Freilebende Hybriden neigten durchaus zu aggressivem Verhalten, warnt er. Zugleich pflichtet der Jäger Kritikern bei, die dem Senckenberg-Institut vorwerfen, es würde die DNA-Proben mit neuer Wolfsgenetik aus den frühen 2000er-Jahren von Tieren aus der Lausitz vergleichen. Es sei fraglich, ob es sich dabei um reinrassige Wölfe gehandelt hat.

Das Umweltministerium stellt nun in seiner Antwort klar, dass die Senckenberg-Wissenschaftler Referenzproben von Haushunden und Wölfen aus diversen Herkunftsregionen heranziehen. Das Labor verfüge neben den deutschen Proben über einen Bestand von mehreren hundert Referenzproben von Wölfen etwa aus Estland, Polen, Rumänien, Bulgarien, Skandinavien, Italien und Kasachstan sowie aus diversen Gehegehaltungen. Selbst historisches Material aus Museen wird in Gelnhausen untersucht.

Aber auch andere Labore befassen sich mit Wolfsgenetik. Als im Sommer ein Schafhalter in Groß Eichholz (Dahme-Spreewald) über Wolfsrisse klagte, stellte ein Jäger Wolfshaare im Zaun sicher und schickte sie zur Genprobe an ein Hamburger Institut. Ergebnis: „Die durchgeführte Analyse zeigt die größte Übereinstimmung mit der Gruppe der Hütehunde. Es zeigt sich zusätzlich ein erhöhter Wolfsanteil mit genetischen Übereinstimmungen zum Timberwolf und Wölfen der baltischen Population.“ Dass die Probe eindeutig einem Hybriden zuzuordnen sei, stellt das Labor jedoch nicht fest.

Das Ministerium schreibt in seiner Antwort auf Domres’ Anfrage nun, dass die Untersuchung mit einer sogenannten Assoziationsanalyse erfolgt sei, bei der eine sichere Identifizierung von Wolf-Hund-Hybriden nicht möglich sei. „Der Ansatz ist demzufolge noch nie für valide wissenschaftliche Untersuchungen zur Unterscheidung von Wolf-Hund-Hybriden verwendet worden.“

Dem widerspricht das Hamburger Labor vehement. Es gebe zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, in denen ebendiese Methode beschrieben wird, heißt es in einer Stellungnahme. Das Ministerium stelle offensichtliche und beabsichtigte Fehlinformationen dar.

In der Antwort auf Domres’ Anfrage ist auch die Rede davon, dass das Labor als Referenzprobe von Wölfen nur Material von nordamerikanischen Timberwölfen heranzieht und deshalb zwangsläufig immer herauskommt, dass eine Ähnlichkeit zu Timberwölfen besteht. Für das Labor stellt sich nun die Frage, von wem das Ministerium diese Information erhalten hat. „Bisher wurde nicht offiziell erfragt, welche Tiere in unserer Datenbank vorliegen“, schreibt es. Tatsächlich sei bislang extrem selten eine genetische Ähnlichkeit zum Timberwolf beschrieben worden.

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