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Rastplatz an der A24 : Hoher Schaden nach Säureunfall

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landrat redet von mehreren hunderttausend Euro

svz.de von
erstellt am 16.Aug.2017 | 21:00 Uhr

50 Stunden ohne Dokumente, eigenes Geld und mit viel zu wenig Schlaf: Der Fahrer des in Walsleben/Ost havarierten Gefahrguttransporters hat zwei harte Tag hinter sich. Und das empört Jan Wendt, Juniorchef der betroffenen Spedition Holsten Oel. Denn der Fahrer habe weder ein Hotelzimmer buchen, ein Taxi ordern oder gar selbst ein Auto steuern können.

Alle persönlichen Sachen waren im Lkw-Fahrerhaus zurückgeblieben, nachdem am Montagabend ein Leck an einem der zwei Salpetersäure-Tanks entdeckt und Alarm geschlagen worden war. Zwar kam der Fahrer zwischenzeitlich in einem zweiten Transporter der Spedition unter, in den am Dienstag die Säure umgepumpt wurde. Weil die Einsatzkräfte aber immer wieder Detailfragen hatten, fand der Mann kaum Schlaf.

Polizeisprecherin Dörte Röhrs zeigte heute durchaus Verständnis für den Unmut, betonte aber: „Es war kaum anders zu machen.“ Denn selbst die Kriminalpolizei, die den havarierten Brummi nun untersucht, kam erst mehr als einen Tag nach dem Beginn des Großeinsatzes in das Führerhaus. Denn das galt selbst dann noch als kontaminiert, nachdem die Säure an der Außenseite des Transporters durch Lauge neutralisiert worden war.

Wie aggressiv die Chemikalie ist, offenbart ein Foto, das Kreisbrandmeister Wolfgang Hohenwald am Mittwoch zeigte. Darauf zu sehen sind zwei Winden. Eine davon war kurzzeitig im Einsatz, um den in der Raststätten-Auffahrt geparkten Transporter zu stabilisieren. Doch schon nach 20 Minuten war das massive Metall „völlig oxidiert“, wie eine starke rote Verfärbung zeigt. Die Havarie bedeutete für die Einsatzkräfte eine sogenannte Großschadenslage.

 

Was genau den Säure-Austritt verursachte, müssen die nun anstehenden Untersuchungen zeigen. Laut Wolfgang Hohenwald fanden sich auf der Autobahn aber keine Spuren, die auf einen schon früher bestehendes Leck hinweisen.

Auch Spediteur Jan Wendt geht davon aus, dass es sich um technisches Versagen handelt und die Versicherung zahlt. Schließlich werde vor jeder Tour eine individuelle Checkliste abgearbeitet, die Eignung von Fahrer und Fahrzeug für den Gefahrstoff berücksichtigt.

Nach dem Austritt von 1000 Litern Salpetersäure auf einem Rastplatz bei Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) geht der Landkreis von einem Schaden in Höhe von mehreren 100 000 Euro aus. Allein die Entsorgung und Beschaffung neuer Schutzanzüge koste 150 000 Euro, sagte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) gestern.

 

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