Hofläden: Schauen und kaufen

Landwirt Jens Schmücker  lädt morgen zur Hofbesichtigung in Spaatz ein.
Landwirt Jens Schmücker lädt morgen zur Hofbesichtigung in Spaatz ein.

Ein Eldorado für Kunden, die regionale Spezialitäten lieben / Die Sortimente sind verschieden, die Nachfrage nach Öko und Bio groß

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09. Juni 2017, 05:00 Uhr

„Wie sieht es im Stall aus? Kann das Schwein auf Stroh liegen?“ Diese Fragen muss Landwirt Jens Schmücker aus Spaatz (Havelland) in Westbrandenburg oft beantworten. Wenn neue Kunden im Hofladen Wurst und Schweinefleisch kaufen, wollen sie es immer ganz genau wissen. Am liebsten zeigt er dann, wie seine Tiere untergebracht sind. „Sie können auf richtigem Stroh liegen“, sagt der 43-Jährige. Auch dürfen die Vierbeiner gestreichelt werden. Das Stammpublikum weiß das und fragt nicht mehr nach.

Zur Landpartie öffnen am Sonnabend und Sonntag landesweit wieder rund 240 Betriebe und Höfe. Im Vorjahr waren mehr als 100 000 Besucher unterwegs. Sie informieren sich in den Betrieben und decken sich mit regionalen Produkten ein. Organisator der Veranstaltung, bei der Bauern und Verbraucher ins Gespräch kommen sollen, ist pro agro Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in Berlin-Brandenburg. Sie läuft in diesem Jahr zum 23. Mal. Auch Schmücker ist mit seinem Betrieb wieder dabei.

Aushängeschild der Landwirte sind immer die Hofläden, von denen es laut pro agro landesweit etwa 300 gibt. Die Angebote sind verschieden. Über die Ladentheken gehen eigene und andere regionale Produkte: von Obst und Gemüse, über Käse und Joghurt, bis zu Wein und Likören, oft Bio oder Öko.

„Verkauf direkt im Betrieb im eigenen Hofladen“, hat Landwirt Schmücker für sich entschieden. Im kleinen Geschäft in Spaatz - 110 Kilometer entfernt von Berlin, mitten im Naturpark Westhavelland - bedient freitags und samstags seine Mutter die Kunden. Angeboten werden traditionelle Fleisch- und Wurstwaren von den eigenen Tieren. „Die Schlackwurst schmeckt wie früher“, sagt eine ältere Frau, die fürs Wochenende einkauft. Die Kundschaft kommt meist aus der Nachbarschaft oder dem nur einen Katzensprung entfernten Sachsen-Anhalt.

Schmücker bewirtschaftet 450 Hektar und hält 186 Milchkühe. Genfreie Milch geht an eine Direktmolkerei. Zudem gehören im Moment 61 Schweine und 14 Ferkel dazu: die Basis für den Hofladen. Der Agrarwissenschaftler und gelernte Metzger macht Wurst selbst - nach Mutters Rezepten -, räuchert Schinken oder portioniert Fleisch. In einem Regal stehen Honig vom Imker aus dem Ort, Eier von einem anderen Landwirt, Apfelsaft von einer Streuobstwiese. Die Auslage ist übersichtlich. „Ich will kein Wiederverkäufer sein“, sagt Schmücker.

Je Woche wird ein Schwein geschlachtet, verarbeitet und verkauft. „Die Nachfrage entscheidet“, sagt er. Rentiert sich der Laden für den Familienbetrieb, der von der Milchproduktion lebt? „Lohnen ist das falsche Wort“, sagt er. „Solange der Hofladen der Selbsterhaltung dient, findet es auch der Steuerberater ok.“ Der Appetit vor allem in der Hauptstadt auf regionale Bio- und Öko-Produkte wächst. Viele Hofladeninhaber und Landwirte sind auf Märkten in Berlin und Brandenburg unterwegs. Für Schmücker würde sich das nicht lohnen: Diese Mengen kann er nicht liefern, auch müsste er eine Verkäuferin einstellen.

Der Westhavelländer setzt auf den kleinen Laden und regionale Kundschaft. Ein Ausflug mit seinen Produkten an einem Tag zur Grünen Woche in Berlin hat sich gelohnt, seine Wurst schmeckte dort. Kunden scheuen auch nicht die weite Anfahrt. „Kaufen dort, wo die Ware herkommt“ ist sein Werbespruch.

Wo sieht Schmücker sein Unternehmen in 15 Jahren? Werden die Kinder - 15 und 17 Jahre – den von seinen Eltern 1990 gegründeten Betrieb übernehmen? „Ich wäre nicht böse, wenn sie etwas anderes machen“, sagt der Landwirt. „Vielleicht kümmern sie sich im Nebenerwerb um Hof und Laden.“  

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