Regionale Produkte : Hofladen und Onlineshop

Andreas Richter serviert im Laden am Markt selbst gebackene Törtchen.
Andreas Richter serviert im Laden am Markt selbst gebackene Törtchen.

Auch für Wochenmärkte und Hofläden gelten wegen Corona Auflagen. Wie kommt der Kunde dann an Lebensmittel aus Brandenburg?

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06. August 2020, 05:00 Uhr

Gudrun Janicke

Finsterwalde Feine Törtchen lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen, Gurkenlimonade weckt erstmal skeptisches Interesse, Leberwurst muss auf jeden Fall in den Einkaufskorb. Bei Andreas Richter im Laden seiner Firma Soreegio in Finsterwalde (Elbe-Elster) gibt es nur Regionales. Die Kunden erwarten Produkte von 60 Lieferanten. Die meisten produzieren im Elbe-Elster-Kreis.

„Wer nicht selbst vorbei kommen kann, für den steht rund um die Uhr der Onlineshop offen“, sagt Richter. Aber nur im Umkreis von 50 Kilometern um Finsterwalde wird geliefert. Mehr könne er als Ein-Mann-Firma noch nicht leisten. Mit Hilfe der Familie werden Bestellungen zusammengestellt und ausgeliefert. Bei längeren Vertriebswegen fürchtet er Qualitätseinbußen. „Vielleicht vergrößern wir unser Liefergebiet“, blickt er auf seiner Internetseite optimistisch in die Zukunft.

„Die Vermarktung regionaler Produkte durch die Produzenten ist in Zeiten von Corona ungemein schwierig geworden“, sagt Kai Rückewold, Geschäftsführer von pro agro, Verband zur Förderung des ländlichen Raumes in Berlin-Brandenburg. Viele Landwirte hätten aber erkannt: das Online-Geschäft könne ein zweites Standbein zur Kundenbindung sein.

„Wenn sich ein Produzent für den Onlineshop entscheidet, muss er sich dahinter klemmen“, sagt Rückewold. Einfach abwarten, ob jemand bestelle und sich erst nach ein paar Tagen darum kümmern, funktioniere nicht. „Man muss das ernst nehmen und in den täglichen Ablauf einbinden“, betont er. Wichtig seien Fotos und aussagekräftige Angaben zum Produkt. „Der Kunde muss die gleichen Informationen erhalten wie im Supermarkt.“

Am Ende könne man alles verkaufen: Bio sei nicht zwingend nötig, regional aber auf jeden Fall. Und: „Im Online-Shop sollte es eine gewisse Auswahl geben“, betont er. Wichtig seien auch die Preise, die sich an denen in Hofläden orientieren sollten.

Richter übernimmt mit seiner Firma Soreegio für die Lieferanten den Onlineverkauf. 2017 habe er damit begonnen, sagt der 41-Jährige. Bäcker liefern Brötchen zum Fertigbacken, eine Konditorin fertigt feine Macarons und andere Süßigkeiten, Obst und Gemüse kommen von ihm bekannten Landwirten. „Wenn sich ein kleiner Betrieb keinen Onlineshop leisten kann, dann sind wir am Drücker“, beschreibt Richter sein Geschäftsmodell.

Pro agro erwartet einen zunehmenden Onlinehandel für regionale Produkte. Der Verband der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg stellt aber fest: „So eindeutige Veränderungen im Einkaufsverhalten bei Lebensmitteln, wie wir durch die Corona-Krise erwartet haben, gab es gar nicht“.

Rund 74 Prozent der Kunden haben laut Umfrage keine Lebensmittel online bestellt, erstmals nur 7,75 Prozent. „Von denen, die erstmals bestellt haben, wollen es rund zehn Prozent auch in Zukunft tun“, sagt sie. Fast 60 Prozent der Kunden hätten regionale Anbieter bevorzugt, wenn deren Produkte mindestens gleich gut waren.

Auf Onlineversand, eigene Geschäfte und Feinkostläden setzt der Anbieter q-regio aus der Uckermark. „Molkereiprodukte, Fleisch- und Wurstwaren - die ganze Bandbreite - stehen bereit“, sagt Geschäftsführer Pieter Wolters. Aus über 1000 Spezialitäten können Kunden wählen. Vor zehn Jahren hat er das Geschäft wegen des zunehmenden Interesses an regionalen Lebensmitteln gestartet.

Online-Kunden kämen vor allem aus den neuen Ländern, sagt Wolters. Einige Produkte wie Cheese curds - eine beliebte US-Käsespezialität - gehen ins ganze Bundesgebiet. Mehr als 70 Produzenten seien bei q-regio dabei. „Wir sind immer auf der Suche nach regionalen Produkten für unser Sortiment“, sagt Wolters.

Sein Kollege Richter aus Finsterwalde mit seinem Soreegio-Shop hat Produkte wie Schafs- und Ziegenkäse im Visier. Auch Quark aus regionaler Herstellung fehlt ihm noch. „Es muss aber etwas anderes sein, als im Supermarktregal“, so sein Anspruch.

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